Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Für mich fand das Spitzenspiel in Bremen statt. Dort ging es gegen Frankfurt, und das sind die beiden Mannschaften, die mir am sympathischsten sind. Zwei Herzen schlugen also in meiner Brust, obwohl mir schon klar war, daß die Eintracht wahrscheinlich wenig zu bestellen hatte, denn wie der wie immer leicht verkniffene Herr Funkel sagte, mußte er auf zu viel Stammpersonal verzichten und die Ersatzleute war der Situation nicht gewachsen, weshalb jetzt im »mentalen Bereich« gearbeitet werden müsse. Das hört sich schlimm an, denn wer will sich schon vom unrasierten Funkel im Mentalbereich herumpfuschen lassen. Daß es gleich 5:0 enden mußte, war natürlich hart, aber es ließ sich ein Reim drauf machen, denn Pizarro und Almeida, die das Champions-League-Aus auf dem Gewissen hatten, weil sie die besten Chancen vergeigten (weshalb ich Allofs gut verstehen könnte, wenn er sie am liebsten an die Wand nageln würde, was er leider nicht sagen darf), schienen gegen überforderte Frankfurter wiedergutmachen zu wollen, was sie dem Verein vorher an Millionen gekostet hatten. Aber nicht nur die Spieler gaben alles, sondern auch die Bremer Polizei, die ca. 250 Eintracht-Fans einfach festsetzte, weil sie angeblich »aggressiv« durch die Innenstadt zogen und womöglich das Auge der Bremer Bürger beleidigten, die sinnlos durch irgendwelche abartigen Weihnachtsmärkte torkelten und die an diesem Tag mit Sicherheit nicht weniger aggressiv zu Werke gingen, als sie sich auf den Straßen vor den Kaufhäusern halb zu Tode quetschten und zusammenklumpten. Hier Leute wegen aggressiven Verhaltens zu verhaften, mutet schon ziemlich absurd an, ebenso wie der offizielle Grund eines Polizeisprechers, der von Prävention sprach, weil vor zwei Jahren mal zwei Polizisten bei einer Rangelei verletzt wurden. Die Eintracht-Fans betrugen sich in Dortmund ganz tadellos und sorgten für eine anarchisch lustige Stimmung. Aber in Bremen versteht man diesen Witz nicht, denn die Fischköpfe in der Hansestadt verstehen beim Zählen des Geldes keinen Spaß, für sie ist alles bedrohlich, was nur einen Zentimeter von der Norm abweicht, weshalb sie auch in jeder Ausfallstraße mindestens zehn Blitzer aufgestellt haben, um abzukassieren, denn das ist der einzige Lebenssinn dieser kleinen Nagetiere. Und dafür macht man gerne auch mal auf die Schnelle ein bißchen Polizeistaat, denn gegen ein paar Fans läßt sich das ja auch durchziehen, denn die sind in der öffentlichen Meinung sowieso unten durch, seit dem sie bei jeder Gelegenheit von den Kommentatoren niedergemacht werden, wenn sie sich nicht zu Jubelpersern degradieren lassen und die bescheuerte »La Ola«-Welle fürs Fernsehen inszenieren, ohne dafür etwas zu kriegen, nicht mal einen warmen Händedruck. Mein letzter Besuch im Weser-Stadion liegt lange zurück. Dortmund war chancenlos, das Spiel entsprechend öde, und die anschließende Nacht verbrachte ich mit Schüttelfrost und schwitzend wie ein Dampfkessel im Bett, aber was mich am meisten nervte, war die sterile Atmosphäre, die Ereignislosigkeit, das reibungslose Funktionieren. Auf dem Friedhof in Chicago ging es da noch lebendiger zu. Und insofern ist es kein Verlust, daß Bremen sich aus der Champions-League verabschiedet hat. Schätze, daß es selbst in Famagusta mehr Flair gibt. Und sonst? Leverkusen hat es wieder mal vergeigt, wie immer, wenn es gegen Bayern geht. Da ändert auch Labbadia nichts, der immerhin eine überraschend gute Figur macht, was gegenüber Klinsmann allerdings auch nicht sehr schwer fällt. Jetzt kann nur noch Hoffenheim helfen, um die Bayern von Platz eins fern zu halten.