Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Immer, wenn es gegen eine Mannschaft geht, die mit dem Rücken zur Wand steht, steigt die Nervosität, denn der Tabellensiebzehnte Karlsruhe spielte bislang unter seinen Möglichkeiten, und man konnte sicher sein, daß sie sich diesmal ein Bein ausreißen würden. Taten sie auch, aber erst in der 2. Halbzeit, als die Dortmunder schon mit 1:0 durch Zidan führten, dann allerdings begann die lange Dreiviertelstunde des Zitterns, weil dem Mann mit der Maske Kuba, der eigentlich Zorro heißen müßte, das erlösende 2. Tor nicht gelang, obwohl er immer wieder allen enteilte, und so mußte man ständig darauf gefaßt sein, daß irgendein Querschläger vor die Schlappen eines Karlsruher fallen würde, so wie Gomez beim Führungstreffer in Wolfsburg, als er zuerst den Ball nicht richtig trifft und der Gegenspieler ihn auch noch so abfälscht, daß der Stuttgarter Lanig nur noch den Fuß hinzuhalten braucht. Genutzt hat es nichts, denn in der zweiten Hälfte wurden die Stuttgarter völlig auseinandergenommen, begünstigt dadurch, daß Magath auf der Tribüne sitzen mußte, weil er mit dem Zeigefinger Schiedsrichter Fleischer auf die Brust geklopft hatte. Durch die Niederlage der Stuttgarter wurde der Abschied der Schwaben aus der Spitzengruppe dokumentiert. Falsch eingekauft hätten sie nach dem Meisterschaftsjahr, hatte Veh der Presse mitgeteilt und damit seiner Mannschaft ein Armutszeugnis ausgestellt, das diese auch gleich in Anspruch nahm. Auch Bremen und Schalke mischen ganz oben nicht mehr so souverän mit wie in den vergangenen Jahren, obwohl in dieser Saison beide Vereine schon von Beginn an vom Titel redeten. Schalke gewann zwar zu Hause gegen Gladbach 3:1, aber von einer Mannschaft mit diesem Anspruch muß man das ja auch gegen einen Abstiegsaspiranten erwarten. Trotz überschaubarer Aufgabe versiebte es Kuranyi wieder mal, und wie das bei Schalke so ist, wurde er bei seiner Auswechslung ausgepfiffen und beschimpft. Treffsichere Präsenz zeigt er nur noch in den Werbepausen, wenn er auf den Tasten eines Nintendos herumdrückt. Schätze, daß ein Versager sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Verein für dieses Produkt nicht gerade eine tolle Empfehlung ist, weshalb mich interessieren würde, ob der verantwortliche Werbechef schon an die Luft gesetzt wurde, denn auf diese schwachsinnige Idee muß man erstmal kommen, den dümmsten Spieler der Liga für Werbezwecke einzuspannen. Obwohl, auf der anderen Seite paßt es sogar irgendwie auch wieder. Und sonst? Hertha zittert sich in Bochum zu einem für ihre unattraktive Spielweise unverdienten Sieg. Während überall nämlich attraktiver Offensivfußball mit vielen Toren geboten wird – Ibisevic hat mit 16 Treffern in 14 Spielen die Rekordmarke von »dickes kleines Müller« geknackt –, oder man es zumindest versucht (BVB), hat sich Hertha unbemerkt von allen durch unansehnliches Gekicke auf Platz 4 gemogelt, und ist aus diesem Grunde auswärts ein gefürchtetes Kassengift, denn niemand möchte das sehen, was man in Berlin »aus einer sicheren Abwehr heraus spielen« nennt. Das genaue Gegenteil diesen destruktiven Gewürges kann man bei den Hoffenheimern bewundern. 3:1 gewannen sie gegen hart einsteigende Kölner, bei denen Daum wieder mit den Augen rollte, als sei er schwer auf Koks. Bei allen gerade stattfindenden Machtverschiebungen in der Liga bleibt einem wenigstens das erhalten.