Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Ich war in Wien gestrandet. Am Tag zuvor hatte ich in Sulzbach-Rosenberg eine Hymne auf die Freiheit des Qualmens gesungen und eine Grußbotschaft Harry Rowohlts verlesen, in der er die Nichtraucher als “widerliche Frettchen der Bourgeoisie” bezeichnet. Auch in Sulzbach-Rosenberg gab es zumindest ein Frettchen, das sich in der Lokalpresse darüber aufregte, daß eine Veranstaltung übers Rauchen im Jugendzentrum stattfinden würde. Das gönge ja wohl nicht an. Dabei durfte im Jugendzentrum gar nicht geraucht werden, aber in der Pause war das komplette Publikum diszipliniert vor die Tür gegangen und paffte eine, um sich anschließend den 2. Teil der Lesung reinzuziehen. Und auch der örtliche Buchhändler Ralf Volkert meinte, er würde zu Hause nur auf dem Balkon rauchen, obwohl der auf sehr wackligen Beinen stehen würde. Da wußte ich, daß der Kampf für dicke Luft verloren war. Komisch, es gibt außer einigen Gesundheitsfanatikern kaum jemanden, der das Rauchverbot befürwortet, aber es gibt auch niemanden, der wirklich etwas dagegen hat. Meine Mission war also gründlich gescheitert, obwohl es erwiesen ist, daß Raucher die besseren Fußballspieler sind. Schon früh brach ich nach Wien auf, weil Dortmund immer gewonnen hatte, wenn ich in Wien war. Und da Dortmund in Hamburg spielte, war Wien leichter zu erreichen als Hamburg. In Wien ging ich in ein kroatisches Wettbüro, in dem soviele Flachbildschirme hingen, daß man sich auf einem das Dortmund-Spiel vollständig angucken konnte, und das sogar ohne Ton, man war also nicht der verbalen Pollution eines Thurn und Taxis ausgesetzt. Als ich ankam, stand es schon 1:0 durch einen herrlichen Kopfballtreffer von Petric und endete schließlich 2:1 für Hamburg. In gewisser Weise hatte Petric also das entscheidende Tor geschossen, und letztlich fand ich, daß das die angemessene Strafe war für Zorc, der für den Verkauf des Kroaten verantwortlich ist. Diese Niederlage geht also auf seine Kappe, und auf die Kappe Owomoyelas, der durch einen krassen Stellungsfehler das 2. Tor der Hamburger verschuldete, und insofern auch wieder auf die Kappe von Zorc, denn der hatte den völlig schwachsinnigen 2-Millionen-Deal eingefädelt, obwohl jeder in der Liga wußte, daß die Zeit von Owomoyela abgelaufen ist. Okay, er gab die Flanke zum Anschlußtreffer, aber zu sehen ist von ihm nur Pomadiges. Die Hamburger mußten noch die ganze zweite Halbzeit um den Sieg zittern, denn die Dortmunder drängten auf den Ausgleich, der in den Augen der Spieler so verdient gewesen wäre, daß sie am Ende dem Schiedsrichter die Schuld an der Niederlage gaben, obwohl ich keine krassen Fehlentscheidungen erkennen konnte. Kovac meckerte und handelte sich noch nach Spielende eine rote Karte ein. Wahrscheinlich hatte er nicht damit gerechnet, daß der Schiedsrichter wußte, was Arschloch auf kroatisch heißt. Da war ich also 400 Km in den Osten gebrettert und dann das. Ich rauchte erstmal eine und fühlte einen angenehmen Schwindel. Und dann tröstete ich mich mit Leverkusen, neben Hoffenheim die Überfliegermannschaft der Stunde. 3:0 führten sie bereits in Karlsruhe, und ließen sich von einer eher durchschnittlichen Mannschaft noch die Butter vom Brot nehmen. Wäre das Dortmund passiert, das hätte mich richtig fertig gemacht, dachte ich, und nahm befriedigt noch einen tiefen Zug.