WM: Vorausschau auf England-Uruguay und Italien-Costa Rica

Und wieder macht es England spannend. Verliert gegen Italien, nur damit es schon im zweiten Spiel um alles geht. Das ist mal eine vorbildliche Einstellung. Nicht wie die Deutschen, die schon im ersten Spiel sich fürs Endspiel qualifizieren. Nein, England ist schon immer eine Leidensmannschaft gewesen, und sie tut alles, nur um schließlich im Elfmeterschießen aus dem Turnier zu fliegen. Das ist die englische Mentalität. Wie diese am besten umgesetzt werden kann, darum wird gerade heftig gestritten: Mit oder ohne Rooney, der zwar die wunderbare Flanke zum Ausgleich gegen Italien geschlagen hat, der aber danach untertauchte im Glauben, sein Soll erfüllt zu haben. Aber da hat er seine Rechnung ohne die Medien gemacht. Jetzt reden alle von Sturridge, dessen Tänzchen nach seinem Tor sogar bei Vierjährigen Schule macht wie ich bei meinem eigenen Vierjährigen beobachten konnte. Alle schwärmen von den neuen Jungen, die wie junge Rehe im Gehege herumspringen. Es wäre nicht auszudenken, wenn eine der wenigen sympathischen Mannschaften vorzeitig ausscheiden würde. Und das auch noch gegen Uruguay, wo doch Liverpool, der Verein von Suarez, den Star Uruguays extra vor der WM schnell noch am Knie operieren ließ, weshalb er gegen Costa Rica keine Gelegenheit hatte, sich zu blamieren. Aber Suarez wird es so wenig bringen wie Ronaldo gegen Deutschland, denn Stars werden grundsätzlich überschätzt, denn es gibt immer Mittel, sie auszuschalten. Aber da die Engländer Suarez gut kennen, werden sie ihm alle Freiheiten lassen, mit einem Remis sich im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica doch noch alle Möglichkeiten offenhalten. Hat England die jungen Wilden, so hat Italien den alten weisen Mann Pirlo, der trotz der Temperaturen einen Bart trägt und den man auch auf ganz kleinen Bildschirmen gut an seinem Watschelgang erkennen kann. Er hat mit seinen Gegnern ein Ankommen getroffen, an das sich alle halten außer die Deutschen. Er wird nicht angegriffen und er greift auch niemanden an. Ein gentlemans agreement, das seine unglaublichen Fähigkeiten voll zur Geltung bringt. Er rennt nie, schon gar nicht blindlings nach vorne, er joggt gemütlich vor sich hin, ist jederzeit anspielbar und gibt den Ball sofort wieder ab, meistens an seinen Nebenspieler. Manchmal aber spielt er aber auch einen langen Ball und sofort wird es gefährlich, oder er macht eine kleine Finte, wie vor dem Siegtreffer gegen England. Immer setzt er seine Mitspieler vorbildlich ein und behält die Übersicht. Von ca. tausend Pässen, die er spielt, kommen zwei nicht an. Alles sieht leicht und wie nebenbei aus. Schon jetzt ist Pirlo der Spieler des Turniers, weil er so unauffällig spielt, dass niemand ihn bemerkt, nicht einmal seine Gegenspieler. Jetzt müsste mir nur noch etwas zu Costa Rica einfallen, aber außer dass das Land durch eine tektonische Erdverschiebung zustande kam und ökologisch vorbildlich ist, fällt mir nichts ein, warum Costa Rica so diszipliniert spielt. Aber wer will sowas schon sehen?