Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Das Saisonfinale war merkwürdig unspektakulär. Die Bayern standen schon lange als Meister fest. Den Dortmundern konnte auch niemand mehr Platz 2 nehmen. Nur Schalke mußte noch gewinnen, um den 3. Platz und damit die direkte CL-Qualifikation sicher zu haben. Und da hatten sie mit entmutigten und stark ersatzgeschwächten Nürnbergern leichtes Spiel. Der Club machte seinen achten Abstieg perfekt. Für einen Club, der neunmal deutscher Meister war, ist das eine beachtliche Leistung. Man kann aber davon ausgehen, daß der Club bald wieder in der Bundesliga mitspielen wird, es sei denn, irgendein Industrieller mit zuviel Geld und Ambitionen investiert wieder in irgendeine Popelstadt wie Hoffenheim und puscht einen weiteren Popelverein wie Hoffenheim oder Leipzig in die erste Liga. Dann könnte es eng werden, weil die Franken einfach ein wenig zu langsam sind, um solche Mechanismen zu begreifen, geschweige denn zu verstehen, wie man dagegen ankommt. Und auch Braunschweig ist wieder abgestiegen. Sie waren einfach zu limitiert und hatten außer Engagement und Eifer nicht sehr viel zu bieten. Und auch wenn es für die armen Braunschweiger hart klingt: Sie gehören nun mal nicht in die Bundesliga und sollten sich mit ihrer ruhmreichen Vergangenheit abfinden, als sie mit Jägermeister einmal deutscher Meister wurden. Das reicht doch und ist zudem mehr, als viele andere Mannschaften aus bedeutenderen Städten von sich behaupten können. Braunschweig und Nürnberg haben es also verpaßt, den HSV in die 2. Liga zu schicken und ihn als einzigen deutschen Verein, der in der 51jährigen Geschichte der Bundesliga immer dabei war, zu entthronen. Und das ist unverzeihlich, denn der »Tennisverein mit Fußballabteilung«, wie Harry Rowohlt immer zu sagen pflegt, hätte es wie kein anderer Verein verdient, in den Niederungen der 2. Liga Demut zu lernen. Unnötig zu erwähnen, daß auch Hamburg verlor, und zwar in Mainz, einer Stadt, von der die meisten Hamburger wahrscheinlich gar nicht wissen, wo sie liegt. Jetzt dürfen sie in die Relegation voraussichtlich gegen Fürth. Und während Hamburg dann gegen ein 100.000-Seelen-Dorf um den Erhalt seiner Pfründe und seiner Lizenz zittert, zieht Paderborn als Aufsteiger ins Oberhaus. Paderborn? Es dürfte nicht viele Menschen in der Bundesrepublik geben, die schon mal in Paderborn waren. Warum auch? Es gibt einfach keinen Grund. Auch nicht, wenn sie eine Saison lang erstklassig spielen dürfen. Dortmunds Lewandowski hat mit 2 Toren zum souveränen 4:0-Sieg der Dortmunder in Berlin beigetragen und vom Kicker-Chefredakteur die Torjägerkanone überreicht bekommen hat, ein häßliches Gebilde, daß jeder vernünftige Mensch daheim in den Abfall werfen würde. Leverkusens Lewandowski hat durch einen Sieg gegen Bremen leider doch noch Platz 4 und damit die Relegation zur CL geschafft. Und wenn Leverkusen es nicht geschafft hätte, hätte es ein anderer Werksverein geschafft, nämlich VW Wolfsburg, und deshalb hielt sich die Spannung, wer am Ende die Nase vorn hat, doch in sehr engen Grenzen. In München quälten sich die Bayern gegen Stuttgart zu einem mühsamen 1:0 in der allerletzten Minute. Dann nahm das Paulaner Weißbierritual seinen Lauf, in dessen Verlauf in Reihe gestellte junge Frauen in Dirndl gefüllte Weißbiergläser für die Spieler bereit halten, die sie dann in Empfang nehmen, um sie ihrem Trainer und ihren Mitspielern über den Kopf zu schütten. Für die Betroffenen ist es kein Vergnügen. Aber genau daraus beziehen die anderen ihren Spaß. Und deshalb ist dieses Ritual in München gut aufgehoben.