Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Am Abend vor dem alles entscheidenden Spiel in Köln, in dem es darum ging, ob der BVB nach den vielen Remis auch mal wieder gewinnen kann, vor allem weil die nominellen Chancen gegen einen potentiellen Absteiger nicht schlecht standen, hielt ich in einem Bremer Punkschuppen vor ein paar jungen zum Teil kahlrasierten Punkerinnen einen Vortrag über die Schönheit des Rauchens bei den Hollywoodikonen in den 30er und 40er Jahren, während nur ein paar Kilometer entfernt Bremen eine historische 2:0-Schlappe gegen Leverkusen einstecken mußte. Mein Mitreisender, der mit mir die Sache des Rauchs hoch halten sollte, Franz Dobler, war vom Hochbett gefallen und saß mit einer gebrochenen Rippe (die 8. links) schmerzgekrümmt in einem Sessel, während der Veranstalter steif und fest behauptete, er wäre von einem militanten Nichtraucher angeschossen worden, was gemein war, denn Lachen verhieß üble Schmerzen. Diese bösen Omen veranlaßten mich, am nächsten Morgen sofort nach Berlin zurückzufahren, obwohl ich am nächsten Tag in Hamburg sein mußte, nur um mir das Dortmund-Spiel in der Milchbar anzusehen. Irgendwie mußte der Bann gebrochen werden, und das ging nur, wenn ich physisch anwesend war und die Schwarzgelben durch meinen prüfenden Blick zur Höchstleistung anspornte. Dennoch war ich mir natürlich nicht sicher, ob es klappen würde, denn man muß ja auch immer darauf gefaßt sein, daß der Einbruch kommt. Aber ich glaube, es war gut gewesen, daß ich die 400 Km zurückgeschrubbt war, denn auch die Schwarzgelben drückten aufs Tempo. Aber im Gegensatz zu mir, der ich zumindest einmal geblitzt wurde, gelang den Dortmundern trotz ziemlich dicker Chancen einfach kein Tor. Und so etwas rächt sich bekanntlich, wie einem jeder halbwegs versierte Fußballreporter bestätigen wird. Köln hielt erstaunlich gut mit, was mir gar nicht behagte, zeitweise gewannen sie sogar die meisten Zweikämpfe. Unfaßbar aber war wieder Kuba, der wegen eines gebrochenen Nasenbeins mit einer Maske auflief und damit ziemlich furchterregend aussah. Könnte es so etwas nicht auch für eine Rippe geben? Aber vor einem Korsett würde sich wahrscheinlich niemand fürchten. Kuba jedenfalls lief den Kölner immer wieder davon und glänzte mit tollen Vorlagen. Der Bann war gebrochen. Daum hatte nämlich noch nie ein Spiel gegen Dortmund verloren, sagte der Sprecher, und der muß es schließlich wissen. Als endlich das erlösende 1:0 durch Kringe fiel, der kurz vorher eine hundertprozentige an die Latte setzte, war der Bann gebrochen, aber nicht die Spannung vorbei, denn ein kleiner blöder Zufall reichte, um alles wieder zunichte zu machen. Es war verdammt anstrengend, aber es hatte sich gelohnt, die 400 Km zurückgefahren zu sein. Ein kleines Erfolgserlebnis kann schließlich nicht schaden. Und Hoffenheim befindet sich weiter auf dem Höhenflug. In Bochum gewannen sie 3:1. Dorthin muß Dortmund am nächsten Sonntag, wenn ich in Frankfurt bin. Wenn das mal gut geht.