Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Wer sich noch an das sagenumwobene 4:4 der Stuttgarter in der vorletzten Saison in Dortmund erinnerte, das immerhin den Wechsel von Schieber zur Folge hatte, konnte sich nicht unbedingt sicher sein, daß die Partie schon vor Spielbeginn gelaufen war, vor allem nicht, als Stuttgart durch einen glücklichen Treffer in Führung ging. Und die Stuttgarter hielten in den ersten dreißig Minuten durchaus mit, aber als Dortmund die Geschwindigkeit erhöhte, begann die Stuttgarter Abwehr zu schwimmen. Reus schoss das 2:1, nachdem ihm kurz vorher nach sensationellem Zuspiel von Lewandowski ein technischer Fehler bei der Ballannahme unterlaufen war. Er formte den Diamanten, das Zeichen seines Lieblings-Rappers Jay-Z, wie Bild aufklärte, während ich an was Obszönes dachte. Jedenfalls zeigte er wie schon den in den letzten Spielen eine außergewöhnliche Leistung, weshalb der Verein gerade alles daran setzt, Reus die 2015 in Kraft tretende Ausstiegsklausel von festgelegten 35 Millionen Ablöse, was ungefähr dem augenblicklichen Marktwert von Reus entspricht, abzukaufen. Nicht nur aus diesem Grund hat Klopp vorzeitig um zwei Jahre verlängert, um den Spielern ein Signal zu geben, daß es sich bei Dortmund nicht nur um einen vorübergehenden Höhenflug handelt, sondern der Verein alles daran setzt, seine Position als einer der besten Vereine der Welt zu verteidigen. Bislang ist das eindrucksvoll gelungen, denn die Weggänge alles Stars konnten kompensiert werden, und nicht nur das, die Mannschaft wurde sukzessive sogar besser. Und das ist wirklich eine herausragende Fähigkeit des Trios Klopp, Watzke und Zorc, den Verein immer wieder zu erneuern. Und zwar nicht wie Bayern München, wo man einfach die besten Spieler vom Markt wegkauft, sondern indem man eigenen Talenten eine Chance gibt. Aber auch die Methode Bayern ist nicht ohne Risiko, denn wie man an Madrid sieht, kann man sich mit dieser Methode auch ohne Ende verschulden, ohne daß man automatisch Titel damit generiert. Bale ist immer noch nicht angekommen, und im Zentrum fehlt Özil. Dem wurde allerdings nicht ganz zu Unrecht vorgeworfen, daß er in den entscheidenden Spielen untertauchte. Wie z.B. im letzten CL-Heimspiel gegen den BVB, wo er durch Bender schachmatt gesetzt wurde. Vor dem wichtigen Rückspiel der Dortmunder gegen Arsenal war der rauschende 6:1-Sieg der Stuttgarter nicht ganz unwichtig, auch wenn solche psychologischen Deutungen sich schnell ins Gegenteil verkehren können, denn Arsenal hat ein bißchen mehr zu bieten als Stuttgart, die den Dortmundern in die Karten spielten, weil sie dachten, sie könnten spielerisch mithalten. Bayern hatte gegen Hoffenheim ziemliche Mühe, und hätte Hoffenheim ein wenig mehr Glück gehabt, hätte Bayern den dreißig Jahre alten Rekord des HSV, 36 Spiele ungeschlagen zu sein, nicht einstellen können. Im Spiel der Nürnberger gegen Freiburg, den einzigen Mannschaften, die noch keinen Sieg verbuchen konnten, spielten die Nürnberger die badische Mannschaft an die Wand und verloren trotzdem 3:0. Und die Eintracht schaffte es auch gegen Wolfsburg nicht, den ersten Heimsieg einzufahren, weshalb es für sie in Bundesliga jetzt schon um den Abstieg geht, während man in Europa glänzt. Und Leverkusen rotierte in Braunschweig auf fünf Positionen und verlor prompt. Aber die Coolness von Hyypiä, der auf die Frage, ob er sich nicht verzockt hätte, einfach mit »nein« antwortete, war toll.