Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Freiburg steht zwar nur auf Platz 17. und hat in Dortmund so gut wie nie etwas holen können, aber andererseits ist Freiburg die einzige Mannschaft, die Bayern bisher ein Remis hat abtrotzen konnten. Und tatsächlich konnten die Freiburger eine halbe Stunde gegenhalten trotz der vollkommenen Überlegenheit der Dortmunder. Aber dann konnte Reus einen Abpraller mitten im Tohuwabohu elegant ins Tor lupfen, der Anfang eines rauschhaften Spiels, bei dem es am Ende nur 5:0 stand. Überhaupt war Reus wieder sensationell aufgelegt, und auch Lewandowski konnte zwei Tore erzielen, und selbst „Bild“ fragt sich, warum der eigentlich zu den Bayern gehen will, wo er nur ab und zu mal spielen darf, wenn überhaupt. Aber auf der anderen Seite kann man es verstehen, wenn einer nicht sein ganzes Fußballerleben in einer Stadt wie Dortmund zubringen will. Das jedoch ist nicht der Grund, denn wenn die Bayern ein Verein aus Hintertupfing wären, würde er dennoch wechseln. Für Dortmund ist die Sache vielleicht gar nicht so schlecht, denn im Fußball muß man sich sowieso ständig neu erfinden. Man kann das so machen wie die Bayern, und wenn man Geld hat ist dies die einfachste Methode, um mit einem Ensemble von Ausnahmekönnern immer vorne mitzuspielen. Erste Anzeichen jedoch, daß das bei den Bayern nicht klappen könnte, gibt es bereits, denn unter den Spielern macht sich Unruhe breit. Je mehr Spieler erreicht haben, ein desto größeres Mitspracherecht nehmen sie für sich in Anspruch, wie Schweinsteiger die Position der Nummer 6, auf der ihm Lahm vor die Nase gesetzt wird. Weiter vorne spielte er schlecht und schlug aus lauter Frust Diego nieder. Eine klare rote Karte, aber bis jemand von den Bayern vom Platz gestellt wird, muß offenbar erst ein Massaker passieren. Das war ja schon im CL-Endspiel zu bewundern, wo sich Ribéry als Schläger betätigte und Dante trotz groben Einsteigens und Elfmeter keine gelbe Karte erhielt, wie es das Regelwerk vorsieht, weil er dann ebenfalls vom Platz gemußt hätte. Hingegen hatte ein Trikotzupfer des Freiburger Diagne gegen Lewandoswki im Sechzehner nicht nur einen Elfer zur Folge, was völlig ausgereicht hätte, sondern auch eine rote Karte, die es gegen einen Bayern-Spieler nie gegeben hätte, nicht mal einen Elfer, wie man im Spiel der Münchner wieder sehen konnte, als Rafinha kurz vor dem Tor einen einschußbereiten Wolfsburger umsäbelte. Warum Schiedsrichter die Bayern systematisch bevorzugen, wäre eine viel interessantere Frage als die aktuelle Diskussion, was Handspiel ist und was nicht. Es liegt nicht an der Regel, die nur Leute nicht kapieren, die vom Fußball wenig Ahnung haben und wahrscheinlich auch nicht wissen, was Abseits ist, sondern an der jeweiligen Wahrnehmung. Aber die Wahrnehmung der Spieler ist sowieso nicht ernst zu nehmen, weil die grundsätzlich behaupten, nur den Ball gespielt zu haben, selbst wenn der Gegner mit gebrochenem Bein auf dem Boden liegt. Rafinha ist in dieser Hinsicht ein großer Künstler, der, als er bei der letzten Begegnung Bayern / Dortmund Kuba niederstreckte, bis in die Kabine hinein wie ein Rohrspatz schimpfte. Die Dortmunder sind auch da eine angenehme Ausnahme, nicht nur weil sie zwar auch hart in den Zweikämpfen sein können, wenn sie vom Gegner dazu gezwungen werden, aber niemanden niederschlagen oder vorsätzlich verletzen. Und genau das kostete ihnen in der letzten Saison die Champions-League.