Die Wahrheit über den 5. Spieltag

Der Angstgegner des letzten Jahres kam, gegen den man 3:2 und 4:1 verloren hatte, gegen den eine Serie gerissen war und gegen den die Dortmunder Pech hatten wie noch nie. Und gegen den es immer torreich zuging. In 92 Duellen gab es 329 Tore. Die Stimmung war auf Dortmunder Seite entsprechend gedämpft und viele waren sich unsicher, nicht zuletzt deshalb, weil die Dortmunder zwar alle vier Spiele gewonnen haben, dabei aber nicht geglänzt hatten. Und auch diesmal sah es für einen kurzen Moment so aus, als ob der HSV seinem Ruf als Angstgegner wieder alle Ehre machen sollte, denn nach einer schnellen 2:0 Führung, kam nach einer halben Stunde Hamburg das erste Mal in Dortmunds Tornähe, Lam gab den ersten Schuß ab und traf sofort ziemlich glücklich ins Eck. Und kurz nach der Halbzeit unterlief Subotic ein Stellungsfehler, den Westermann nach einer Ecke mit dem Kopf zum 2:2 ausnutzte. Für einen kurzen Moment träumte van der Vaart davon, den Dortmundern wieder eins auswischen zu können, aber die ließen sich nicht verunsichern und fingen stattdessen an zu zaubern. Und wie! Reus, Aubameyang und Mkhitaryan ließen den armen Hamburger keine Atempause mehr und schraubten innerhalb von 15 Minuten das Ergebnis auf 6:2 nach oben. Und das war noch gnädig, denn »es hätte auch wieder ein 9:2 wie bei den Bayern geben können«, wie auch van der Vaart zugab, was bei einem Torschußverhältnis von 32:4 nicht verwunderlich gewesen wäre. Und Klopp meinte: »Wenn wir so ins Rollen kommen, sind wir schwer aufzuhalten.« Vor allem nicht von Hamburgern, die es zunächst mit einer Dreier-Abwehrkette probierten, den Dortmundern viel Platz ließen, sehr hoch standen und dem Irrglauben anhingen, sie könnten mitspielen. Sie gaben damit dem schnellsten Mann der Liga Aubameyang den Platz, den er brauchte, um sich voll entfalten zu können. Und Hummels war nach zuletzt schwächeren Spielen, als er sogar einmal ausgewechselt wurde, wieder das Zentrum der Abwehr, das alle Bälle magisch anzog. Er unternahm Ausflüge nach vorne, spazierte durch die Hamburger Abwehr und hätte fast sogar ein Tor geschossen. Von Löw wurde er bei den letzten beiden Länderspielen nicht berücksichtigt, was Anlaß zu vielen Spekulationen in der Presse gab. Lothar Matthäus wunderte sich darüber, warum immer die Dortmunder Spieler von Löw öffentlich kritisiert wurden, nie aber die Bayern. Klopp war von der Diskussion sichtlich genervt, denn schließlich kann jeder Mal außer Form sein, was aber nichts über seine Möglichkeiten und Fähigkeiten aussagen würde. Sammer hielt wieder mal eine seiner gefürchteten Brandreden, weil man gegen Freiburg zwei Punkte liegen gelassen hatte und gegen Hannover zwar 2:0 gewonnen, aber eher pomadig gespielt hatte. »Wir sind nach all den Erfolgen wieder bei null«, sagte er. Bei null fangen alle Vereine an, auch ohne Erfolge, denn mit jeder Saison geht es von vorne los. Vielleicht meinte Sammer, daß sie nach all den Erfolgen eine Null sind. Dagegen wäre nichts zu sagen. Ich würde das sogar begrüßen. Nach diesem Spieltag keimen bei den Dortmundern schon wieder die Hoffnungen auf eine weitere Meisterschaft, und warum auch nicht.