Archiv für den Monat: April 2019

Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Dass die Borussia nach dieser Niederlage die Meisterschaft verspielt habe, ist reiner Blödsinn, aber Dortmund hatte trotz des 1-Punkte-Rückstands keine Chance, selbst wenn sie das Spiel gewonnen hätten. Man musste nur die letzten Spiele gesehen haben, um zu wissen, das wird nichts mehr. Die Parallelen zu 2007, als die Dortmunder nach einer verkorksten Saison den Schalkern mit einem 2:0 die Meisterschaft versalzten, die stattdessen an Stuttgart ging, was auch nicht gerade schön war, sind krumm und schief und wurden nur als Mediennachricht aufgekocht. Auch wenn es niemand glaubte, spielte das Gefälle in der Punkteausbeute der beiden Mannschaften, das noch nie so groß war, keine entscheidende Rolle, denn in einem Derby ist alles auf Null gestellt. Und auch wenn Schalke in allen Spielen vorher unterirdisch gespielt hat, war das nicht aussagekräftig, denn die Dortmunder waren in der letzten Zeit auch nicht viel besser, und der souveräne Sieg in Freiburg hatte nicht viel zu bedeuten, weil Freiburg die falsche Taktik gegen den BVB gewählt hatte und Schalke die richtige, nämlich hinten zu stehen, zu mauern, nichts für das Spiel zu tun und sich hin und wieder eine gelbe Karte abzuholen. Dortmund und Favre wussten das, und trotzdem versuchten sie es wieder mit Ballbesitzfußball, mit dem sie schon gegen andere tiefstehende Mannschaften aus dem Tabellenkeller verloren hatten. Trotzdem schien das Spiel einen guten Verlauf zu nehmen, nach dem schönen Lupfer von Sancho in den Strafraum, den Götze mit dem Kopf verwandelte. Beim Torjubel wurde Sancho mit einem Gegenstand am Auge getroffen und musste am Rand behandelt werden, wo die Dortmunder Abwehr sich mit einigen dilettantischen Slapstickeinlagen hervortat, die schließlich zu einer Flanke führten, die Embolo im Zweikampf mit Weigl an dessen Arm schoss, aus ungefähr 30 cm. Der Schiedsrichter wurde von der Zentrale angewiesen, dem Reglement entsprechend einen Elfer zu geben, eine Entscheidung, die nicht nur für Favre »total lächerlich«, »skandalös« und eine »große Schande« ist, denn schließlich kann sich ein Spieler ja nicht die »Arme abschneiden«. Caligiuri verwandelte sicher, weil Bürki wie immer die falsche Ecke wählte. Nur zehn Minuten später sahen die Dortmunder bei einer Schalke Ecke wieder mehr als schlecht aus und ließen Sané das 2:1 köpfen. Dennoch war noch alles offen. Die Schalker versuchten es mit Härte und konnten sich ziemlich viel rausnehmen, ohne dass sie mehr als gelb sahen. Caligiuri beispielsweise hatte schon gelb, als er ein taktisches Foul beging, das nach dem Reglement mit gelb hätte bedacht werden müsste, aber nicht wurde. Für ein brutales Foul von McKennie gab es ebenfalls nur gelb. In dieser Hinsicht zeigte sich Referee Zwayer bei den Dortmundern weniger rücksichtsvoll, denn Reuss bekam in der 60. Minute für eine Blutgrätsche von hinten sofort rot, was nicht unangemessen war, aber man hatte nicht den Eindruck, dass Zwayer mit gleichen Maßstäben urteilen würde. Wolf, der bereits von den Schalkern übel attackiert wurde, eiferte nur fünf Minuten später Reus nach und kriegte ebenfalls rot. Beruhte die erste rote Karte auf einer falschen Einschätzung der Lage, war die zweite einfach nur bescheuert. Ab sofort bemühte sich Schalke, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, dennoch gelang den verbliebenen Dortmundern noch der Anschlusstreffer, aber im Gegenzug konnten sie aus einer Überzahlsituation den 4:2-Endstand nicht verhindern. Ein Spiel also, dass auch völlig anders hätte verlaufen können, wenn es nicht die idiotische Regel gäbe, die vermutlich nächste Saison wieder abgeschafft wird, das Spiel aber, das für Schalke eine verkorkste Saison rettete, nicht. Die Borussia hingegen belegte eindrucksvoll, dass sie kein ernstlicher Titelkandidat war, aber immerhin eine echte Drama-Queen, denn solche Auftritte sind es ja wohl, die einen emotional mitreißen und einem im Gedächtnis bleiben.

Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Nach der letzten sehr wackligen Leistung gegen Mainz, als der BVB in der Schlussphase unter dem Druck einer mittelmäßigen Mannschaft ins Schwimmen geriet und keine Lösungen mehr fand, sondern nur noch hoffen konnte, dass der Kelch eines späten Ausgleichs an ihnen vorüberziehen würde, war es in Freiburg bei Monsieur „Ausraster“ Streich mehr als fraglich, ob man etwas holen würde. Wieder begann man gefällig und flott und erzielte nach einer wunderschönen Kombination über Reus auf Sancho das 1:0, aber für die erste Halbzeit war es das auch schon. Die große Überraschung bestand dieses Mal darin, dass der BVB diesmal nicht in der 2. Hälfte einknickte, sondern einfach so weiter machte wie in der ersten Halbzeit, vielleicht weil dieses Mal wieder der überragende Guerreiro dabei war, der die letzten Spiele verletzungsbedingt fehlte. Zwar gerieten die Dortmunder auch diesmal immer wieder unter Druck und mussten einige gefährliche Situationen überstehen, aber da die Freiburger ihre Möglichkeiten nicht nutzten, konnten die Dortmunder einfach weiterspielen, als ob nichts gewesen wäre. Nachdem ihnen nach einer weiteren sehenswerten Kombination das 2:0 gelang, hatte man nicht den Eindruck, als könnte noch irgendetwas anbrennen, auch wenn Wolf nach dem Versuch zu flanken übel umknickte und Toprak für ihn eingewechselt werden musste, was immer ein schlechtes Omen ist. Aber auch mit Toprak gelang den Freiburgern kein Treffer, sehr wohl aber den Dortmundern. Am Ende gab es noch einen Handelfmeter, den der für Götze eingewechselte Alcacer sehr humorlos verwandelte, weil Reus so nett war, das spanische Tormonster ein bisschen aufzubauen, denn meistens ist er ja verletzt oder wird für Götze eingewechselt, dem an diesem Tag außer einem Tor nicht allzuviel gelang. Ein paar schöne, schnelle Spielzüge können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dortmunder gegen die Bayern im Meisterschaftsrennen keine Chance haben, denn es gab einige Kontersituationen, die durch ein schlechtes Passspiel vergeigt wurden, was einer Mannschaft einfach nicht passieren darf, wenn sie auf internationalem Niveau mithalten will. Immerhin hat man die 8 Punkte Abstand zu Leipzig halten können, die in Münchengladbach mit 2:1 gewannen, was daran liegt, dass Hecking nicht gleich entlassen wurde, denn jetzt hat er die Möglichkeit, noch die CL zu verspielen, was er mit Sicherheit tun wird. Hoffenheim stürzte die Blauweißen auf Schalke in noch tiefere Depressionen mit einem heftigen 5:2, und das nicht mal, weil sie soviel besser gewesen wären, sondern weil der Trainingsanzugsproll Stevens einfach nichts kann, außer das Pech magisch anzuziehen, und nur weil Stuttgart noch schlechter ist und sich mit einem 6:0 von Augsburg abfertigen ließ, bleibt den Schalkern wahrscheinlich die Relegation erspart. Alles in allem also trübe Aussichten, denn es bleibt so wie es war. Die Plätze sind alle vergeben, Überraschungen wird es nicht mehr geben, und so soll es ja auch sein. Im Fußball darf es für die Verantwortlichen keine Überraschungen geben. Die sind das reine Gift. Alles läuft also nach Plan. Spannend wird die Liga deshalb nicht. Und man fragt, wer sich das alles eigentlich noch anguckt. Okay, ich und ein paar andere Unentwegte, aber man kann seine Zeit auch besser verbringen. Gottseidank war ich in Wien und aß im Café Engländer ein Schnitzel, wo man ohne Ton und sonstigem Rambazamba alles gucken kann, was man will, denn man ist der einzige. Das hat mich dann mit dem Spieltag doch wieder etwas versöhnt.

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Mainz hatte zuletzt Freiburg mit 5:0 versenkt, konnte also schlecht als irgendeine Gurkentruppe fehleingeschätzt werden. Dennoch wirkte Dortmund zunächst sehr aufgeräumt und zog sein schnelles Passspiel auf, ließ die Mainzer laufen und manchmal gelang ihnen sogar, was man in letzter Zeit selten gesehen hat, nämlich schnelle Vorstöße zur Grundlinie, um mit Pässen in den Rückraum einige gefährliche Situationen hervorzurufen. Und endlich gelang auch mal ein langer Pass in die Tiefe, der Dortmunds Stürmer Götze erreichte, weil zugegebenermaßen ein Mainzer den Ball falsch einschätzte. In diesem Fall war dieser Fehler tödlich, denn Götze schlug eine millimetergenaue Flanke in den Strafraum, wo Sancho souverän verwandelte. Das war schön anzusehen, genauso wie der schnelle Vorstoß von Delany und sein Rückpass wieder auf Sancho, dessen Direktabnahme noch von einem Mainzer unhaltbar ins Tor abgefälscht wurde. Obwohl man nach der letzten Pleite auf alles gefasst sein musste und dieser Spielverlauf alles andere als selbstverständlich war, fing ich bereits an, mich zu entspannen. Allerdings zu früh, denn in der zweiten Halbzeit dreht Mainz auf und ließ die Dortmunder nicht mehr wie in der ersten Halbzeit einfach spielen, sondern setzten sie unter Druck, und schon fingen die Borussen an zu wackeln. Es eröffneten sich zwar ein paar Konterchancen für die Dortmunder, aber häufig gingen sie eben kein Risiko, sondern brachen wieder ab, um sich wieder auf Ballkontrolle zu beschränken, was aber zunehmend nicht mehr funktionierte, weil die Mainzer das nicht mehr zuließen. Und daran konnte man sehen, wie fragil das Dortmunder Mannschaftgebilde z.Z. ist, wie anfällig es ist gegen kämpferische und laufstarke Mannschaften. Und wenn eine solche Mannschaft dann auch noch spielerisches Vermögen besitzt, dann geraten die Dortmunder wie zuletzt in München eben unter die Räder oder sind gegen Tottenham völlig ohne Chancen. Zum Glück ist Mainz in dieser Hinsicht etwas limitiert, aber sie hätten den Ausgleich noch geschafft, hätten sie noch ein paar Minuten länger Zeit dazu gehabt, denn je mehr sich das Spiel dem Ende zuneigte, desto mehr gerieten die Dortmunder ins Schwimmen und man musste die Einwechslung von Toprak zur Stablisierung der Abwehr schon als schlechtes Omen ansehen, denn als Favre ihn zuletzt aus diesem Grunde einwechselte kassierte Dortmund in der Schlussphase gegen Hoffenheim noch zwei Tore. Und das bahnte sich nun auch wieder an, als im Dortmunder Strafraum ein heilloses Chaos ausbrach, aus dem genausogut das 2:2 hätte passieren können. So landete der Ball in den Armen Bürkis, der zwar immer noch keine Abstöße kann, der aber auf der Linie zu einem der sensationellsten Keeper in der Liga gehört. Wenigstens konnte Gladbach mal wieder punkten und zwar in Hannover bei der Absteigern, die den Gladbachern das Leben zum glücklichen 1:0-Sieg erstaunlich schwer machten. Leipzig eilt von Sieg zu Sieg, diesmal gegen Wolfsburg und ist den Dortmundern weiterhin auf den Fersen. Auch Bremen liegt gut im Schlussspurt dieser Saison und machte gegen Freiburg drei Punkte, wie überhaupt alle Mannschaften auf den internationalen Plätzen gewonnen haben, weshalb der Sieg des BVB ein reiner Pflichtsieg war, mit dem man einfach nur den Abstand zu den Konkurrenten gehalten hat, aber es sind immer noch 15 Punkte im Topf.

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Von einer Demonstration der Stärke der Bayern war in allen Medien zu lesen und zu hören, in Wirklichkeit aber war es eine Demonstration der Schwäche des BVB. Nicht, dass die Bayern nicht gut gespielt hätten, aber sie fanden einen Gegner vor, der aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, völlig katastrophal spielte, wie Reus nach dem Spiel auch sofort zugab. Etwas anderes gab es auch nicht zu sagen, denn erst durch das schwache Dortmunder Spiel konnten die Bayern so auftrumpfen, eine Gelegenheit, die sie sich natürlich nicht entgehen ließen. Noch in der letzten Kolumne habe ich darüber gelästert, dass die Wolfsburger sich von den Bayern haben abfertigen lassen, während sie in Dortmund nahe dran waren, mit einer starken Leistung ein Unentschieden zu erzwingen, jetzt machten die Dortmunder es ihnen nach und zeigten damit, dass sie nahtlos an ihre schlechten Leistungen in den letzten Wochen anknüpften, während man als Fan immer hoffte, dass es die defensiv eingestellten Gegner wären, die die Dortmunder nicht ihre Glanzleistung abriefen ließen, und man sich gegen einen guten Gegner beweisen könne. Alles Makulatur. Von Anfang an hatte sich eine tiefe Verunsicherung über alle Dortmunder Spieler gelegt, und nur einmal blitzte so etwas wie Können auf, als Reus nach einem Steilpass von Bruun Larsen von der Torauslinie zurückpasste, aber Dahoud das riesige Tor nicht traf. Wäre das 1:0 gefallen, wäre es ein anderes Spiel geworden, sagten manche, die sich an einen Strohhalm klammerten, aber es wäre kein anderes Spiel geworden, denn Bayern spielte aggressiv, nah am Mann, mit Pressing, mit unbedingtem Willen. All das ließ der BVB völlig vermissen. Es gibt dafür ein paar Gründe, aber keine Erklärung: Dass Alcacer und der in den letzten Spielen beste Mann Guerreiro verletzt fehlten, dass der lange verletzte Piszczek statt Wolf spielte und aufgrund des Trainingsrückstandes mit dem schnellen Coman nicht mithalten konnte, dass Reus in der Spitze spielte und nicht auf seiner eigentlichen Position, dass Dahoud hinter den Spitzen spielte und ein Totalausfall war, dass Zagadou völlig von der Rolle war und Fehler um Fehler machte. Einiges davon ist Favre anzukreiden, der personell schon häufiger eher rätselhafte Entscheidungen getroffen hat. Aber es ist nicht das erste Mal, dass der BVB in München so untergeht, und auch Klopp und Tuchel kamen mit dem BVB dort unter die Räder, aber selten spielte eine Dortmunder Mannschaft in München so beteiligungslos, so völlig ohne Leidenschaft, was sich auch an der Laufleistung zeigte, als wollte man sich für das nächste Spiel schonen. Wenn ein schwaches Flämmchen der Hoffnung auf die Meisterschaft aufflammte nach dem schmeichelhaften 2:0 gegen Wolfsburg und dem unverhofften 1:1 der Bayern in Freiburg, dann war sie schnell wieder gelöscht. Jetzt muss der BVB aufpassen, in den restlichen Spielen nicht unter die Räder zu kommen und den Leipzigern noch Platz 2 abzutreten, denn das Restprogramm hat es in sich. Zunächst geht es gegen Mainz, die 5:0 in Freiburg gewonnen haben. Nicht anzunehmen, dass dieses Spiel ein Selbstläufer wird. Immerhin gibt es auch zwei schöne Ergebnisse an diesem trüben Spieltag, ein 2:1-Sieg der Frankfurter auf Schalke in der Nachspielzeit und ein 2:1-Sieg von Düsseldorf in Berlin, aber schon sechs Spieltag vor Saisonende ist es nicht nur im Kampf um den Abstieg, sondern auch um die Meisterschaft wieder so langweilig geworden wie immer.