Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Nach der deprimierenden 2:1-Niederlage gegen schwache Hoffenheimer wehrten sich Zorc und Favre gegen die Behauptung, den Dortmunder Spielern fehle der Wille, ein Spiel wirklich gewinnen zu wollen. Man hätte es einfach versäumt, aus den zahlreichen Chancen zwei, drei weitere Tore zu machen, um das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Das stimmt zwar, aber auch um Tore zu erzielen, braucht man den Willen, um das Glück notfalls zu erzwingen. Und das lässt sich bei den Dortmundern nicht erkennen. Aus der Überlegenheit nichts zu machen, sondern nur sich bestätigt zu fühlen, fast schon anzufangen, mit dem Gegner Katz und Maus zu spielen, ihn nicht mehr richtig ernst zu nehmen, führt genau dazu, dass das Spiel gegen eine Mannschaft, der zwar nichts gelingt, aber einfach immer weiter probiert und nie aufgibt, plötzlich zu kippen anfängt. Und dieses Muster lässt sich seit längerem bei Dortmund beobachten. Der angeblich so hochbegabten Mannschaft gelingt dann nur noch wenig und lässt sich von der spielerischen Unfähigkeit des Gegners anstecken, und wenn dann auch noch Sancho anfängt zu schwächeln und mit außergewöhnlichen Fehlpässen glänzt, dann kann man der Niederlage eine gewisse Logik nicht absprechen. Die Situation vor dem 2:1 war dafür typisch. Alle Dortmunder in der eigenen Hälfte, alle auf Position und ohne den ballführenden Mann zu attackieren. Müde seien die Spieler gewesen, heißt es zur Entschuldigung, aber was in Wirklichkeit fehlt, ist der Glaube und die damit verbundene Begeisterung, wirklich Meister werden zu können. Da ist einfach keine Mannschaft auf dem Platz, bei der man spüren würde, dass sie füreinander kämpft und sich am Spiel berauscht, wie man das bei Leipzig spürt, die selbst nach einer vergurkten ersten Halbzeit wieder zurückkommen, oder auch bei den Bayern, bei denen man selbst bei den verlorenen Spielen nicht das Gefühl hatte, sie hätten nicht alles gegeben. Auch die Bayern tun sich schwer wie gegen die natürlich defensiv eingestellten Wolfsburger, Chancen zu generieren und Tore zu schießen, aber sie versuchen es immer wieder und weiter, und genau aus diesem Grund gelingen ihnen in den letzten Minuten oder in der Nachspielzeit noch die entscheidenden Siegtreffer. Anders die Dortmunder, die sich an ihrer Überlegenheit erfreuen und am Ende nachlässig werden oder denen plötzlich einfällt, dass der knappe Vorsprung jetzt wie so häufig vielleicht doch nicht reicht und anfangen zu verkrampfen, bestärkt durch den Trainer, der den Vorsprung mit Defensivspielern über die Runden bringen will, während beim mittelmäßigen Gegner Offensivspieler eingewechselt werden. Und deshalb wird das mit Favre nichts mehr, denn es liegt eben nicht nur an den vergebenen Chancen, sondern auch am subjektiven Faktor. Das ist ja auch das schöne am Fußballspiel, dass die von den Trainern ausgetüftelte Taktik häufig nicht klappt, und wenn sie klappt, es meistens ein ödes Spiel gibt. Dafür steht die Hertha, die sich ihre Punkte ermauert, diesmal gegen Gladbacher, die ebenfalls nicht zum Kreis der Favoriten auf den Meistertitel gehören, weil sie wie die Dortmunder zu wankelmütig sind und nicht wirklich die Mittel haben, gegnerische Defensiven zu knacken. Anders wiederum verhält es sich mit Schalke und Freiburg, die sich standesgemäß 2:2 trennten, weil beide wirklich eine geschlossene Mannschaftsleistung bieten und trotz ihrer limitierten Mittel kämpfen, weil sie zu glauben beginnen, einen internationalen Platz erreichen zu können. Die Dortmunder können also froh sein, wenn sie noch Platz 4 schaffen.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Eine ganze Halbzeit lang konnte man in Dortmund gegen den Spitzenreiter Leipzig ein hinreißendes Spiel der Borussia sehen, die den Gegner ziemlich an die Wand spielten mit schnellem Spiel und schönen Kombinationen, so dass man schon Hoffnung schöpfte, das Achtelfinale der CL gegen Paris könnte vielleicht doch noch nicht Endstation sein, aber dann kam die Halbzeit, es begann in Strömen zu regnen und wie aus dem Nichts und völlig grundlos unterlief ausgerechnet Bürki, der zuletzt so sensationell gehalten hat, ein dicker Patzer, als er völlig unnötig aus dem Kasten lief und versuchte den Ball vor dem heranstürmenden Werner wegzuköpfen, statt das Zagadou zu überlassen, der viel besser stand, mit der Folge, das der Ball Werner vor die Füße landete, der ihn nur noch einzuschieben brauchte. Und nur wenige Minuten später war es ausgerechnet Brandt, der in der 1. Hälfte ein so Weltklassetor geschossen hatte, dem eine Ballrückgabe missglückte, weil er den gerade aus dem Abseits trabenden Werner übersehen hatte, der nur noch Bürki zu umkurven brauchte, um den Ball unterzukriegen. Ausgerechnet Werner, dem bis dahin, wie er selber sagte, 100 Prozent Fehlpässe unterlaufen waren und völlig aus dem Spiel war, wurde von den Dortmundern wieder aufgebaut. Zwei lupenreine Eigentore und niemand kann sich diese Slapstickeinlagen erklären. Leider passieren den Dortmundern solche Patzer häufiger, weshalb sie gegen jede Mannschaft zu verlieren in der Lage sind. Danach war das Spiel zwar ausgeglichen, aber es brauchte nach der 3:2-Führung durch Sancho dann noch eines Patzers von Guerreiro, damit den Leipzigern der erneute Ausgleich zum 3:3 gelang. Die Bayern hingegen haben weit weniger derartige Blackouts, waren aber in Freiburg in einem erstaunlich ausgeglichenen Spiel die glücklichere Mannschaft und schossen in der 92. und 95. Minute dann doch noch die beiden Siegtreffer. Bayern befindet sich also wieder auf Erfolgskurs und konnte dank des Remis in Dortmund den Abstand zu Leipzig auf vier Punkte verkürzen. Aber auch auf den anderen Plätzen spielten sich jede Menge Dramen ab. So verlor die Eintracht zu Hause nach einer souveränen 2:0-Führung noch 4:2 gegen den Aufsteiger Köln. Eingeleitet wurde die Niederlage durch einen abgefälschten Weitschuss von Hector, ein Anschlusstreffer, der mehr als glücklich war. Dann musste der Mittelfeldstabilisator Rode verletzt vom Platz und das Unglück nahm seinen Lauf. Und Bremen verlor gleich mit 5:0 zu Hause gegen eher mittelmäßige Mainzer, die nicht nur gegen völlig verunsicherte Bremer schnelle Konter spielten, sondern auch einen Glückstag hatten, wie sich an dem kuriosen Tor sehen ließ, als eine Mainzer Flanke von einem Bremer Abwehrspieler an den Pfosten des eigenen Tores abgefälscht wurde, von wo der abgeprallte Ball vom Rücken des in die Ecke hechtenden Torwarts ins Tor trudelte. Ein Tor, wie man es nur ganz selten sieht. Und auch sonst hatte man den Eindruck, dass jeder Schuss ein Treffer war. Bremens Trainer Kohfeldt sah dem Debakel fassungslos zu und zum ersten Mal hatte man den Eindruck, als würde ihm einfach nichts mehr einfallen zur desolaten Leistung seiner Mannschaft. Auch den 1:0-Sieg der Hertha in Leverkusen haben vermutlich nicht viele Leute vorhergesehen, aber die dominanten Leverkusener hatten kein Rezept gegen die Berliner Mauertaktik, die von Klinsmann verschrieben worden war und mit zwei Siegen in Folge offensichtlich sogar zu helfen scheint. Immerhin gewannen die Gladbacher mal wieder standesgemäß gegen Paderborn, was, wie man vom BVB weiß, nicht selbstverständlich ist.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

So ein Spiel mit dieser Überlegenheit gab es lange nicht mehr, bei dem man sich entspannt zurücklehnen konnte, auch nicht gegen mittelmäßige Mannschaften wie Mainz, die nur die ersten zehn Minuten den Dortmundern etwas entgegenzusetzen hatten. Es dauerte dann zwar trotzdem bis zur 32. Minute, bis durch einen technisch hochwertigen Schuss von Reus das 1:0 fiel, aber nur deshalb, weil der Referee unverständlicherweise ein offensichtliches Handspiel im Strafraum der Mainzer nicht als Elfer wertete, und auch ein deutliches Gezerre am Trikot von Reus am Elfmeterpunkt wurde großzügig übersehen. Aber spätestens in der 2. Halbzeit waren die Mainzer ziemlich unterlegen, was nicht daran lag, dass sie schlecht spielten, sondern weil die Dortmunder endlich mal etwas engagierter zu Werke gingen. Und als sie dann auch noch versuchten, offensiv zu spielen und die Dortmunder in die eigene Hälfte zu drücken, boten sie den Dortmundern jede Menge Platz zum Kontern, wozu sich als erstes Zagadou eingeladen fühlte, der über den dreiviertel Platz (und nicht nur über den halben Platz, wie im Kicker-Bericht stand) rannte, ohne von einem Mainzer gestört zu werden, um dann präzise auf Sancho zu passen. Das 3:0 durch Hazard war allerdings nicht unhaltbar und das letzte Tor durch Schulz, der für Guerreiro spielte, aus spitzem Winkel war eher ein Glücksschuss. Aber Favre war ziemlich zufrieden über das »ziemlich gute« Spiel seiner Mannschaft, die sich nach vier Erfolgen in Folge wieder ein bisschen gefangen zu haben scheint, es allerdings auch nicht gerade mit starken Gegnern zu tun hatte. Morgen bereits zu Hause gegen Leipzig wird sich herausstellen, ob die gegenwärtige Form auch für einen guten Gegner ausreicht, denn Leipzig gewann souverän mit 3:0 bei allerdings ziemlich indisponierten Düsseldorfern, gegen die schon der BVB mit 5:0 gewonnen hatte. Richtig spektakulär war das alles nicht. Das war nur das Spiel der Bayern zu Hause gegen Bremen, denn obwohl die Sache auf dem Papier ziemlich eindeutig war, gingen die Bremer durch Rashica 1:0 in Führung, der Boateng vor ziemliche Probleme stellt. Auch ein 2:0 wäre möglich gewesen, weshalb man schon leise zu hoffen begann, dass die Bayern wie schon in den letzten beiden Spielen ihre Überlegenheit einfach nicht in Tore umwandeln könnten. Aber diesmal spielte Coutinho von Beginn an mit und zeigte, dass er ein großer Ausnahmespieler ist, der elegant Tore vorbereitete und auch selbst gleich drei sensationelle Treffer beisteuerte. Mit einem Coutinho in dieser Form wird es auch in diesem Jahr kein Problem für Bayern sein, Meister zu werden. Leipzig könnte ihnen dabei ein wenig im Weg stehen, aber Gladbach ist einfach nicht gut genug und hat bislang am Limit gespielt. Zuletzt aber haben sie in der Euroleague gezeigt, dass man nicht mal gegen eine mittelmäßige türkische Mannschaft trotz Überlegenheit ein Unentschieden über die Runden bringen kann, sondern sich noch in der Nachspielzeit die Butter vom Brot nehmen ließ und als einzige deutsche Mannschaft aus den beiden internationalen Wettbewerben rausflog. Klinsmann schaffte im 3. Spiel für Hertha den ersten Sieg zu Hause gegen Freiburg, ein trostloses Gewürge, das 1:0 endete, ein Spiel, das man nicht sehen musste, im Gegensatz zu dem attraktiven 1:1 der Unioner in Paderborn.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Endlich mal wieder ein Spieltag nach Maß. Die Bayern verlieren trotz drückender Überlegenheit und jeder Menge Chancen 2:1 in Gladbach. Und zwar schon das 2. Spiel hintereinander. Schon eine Woche vorher hatten die Münchner Leverkusen fest im Griff, hatten Chancen ohne Ende und gingen fassungslos und mit leeren Händen vom Platz. Auch in Gladbach, wo man hätte gewinnen müssen, um den Punkterückstand zu verringern, der nach der Pleite nun auf sieben Punkte angestiegen ist, passierte das Unerklärliche, denn nach dem 1:0 durch Perisic kurz nach der Pause, wachten die Gladbacher plötzlich auf und wehrten sich, pressten ihrerseits und spielten auch mal nach vorne. Es ist lange her, dass die Fohlen gegen die Bayern auf Augenhöhe spielten. Manchmal konnten sie die Bayern auch mal ärgern, aber diesmal stand Gladbach auf Platz 1 und das nunmehr schon seit acht Wochen. Vielleicht weil Bayern die plötzliche Gegenwehr nicht gewohnt war, erfüllte sich der Gladbacher Traum, mit dem nach dem 1:0 kaum jemand gerechnet haben dürfte. Und das in einem wunderbaren Finale, das niemand hätte besser inszenieren können, denn in der 92. Minute räumte Martinez den Gladbacher Thuram im Strafraum ab, kassierte dafür rot und einen Elfer, den Bensebaini, dem schon vorher per Kopfball der Ausgleich gelungen war, sicher verwandelte. Der Münchner Stinkstiefel Müller, der für die Entlassung von Kovac gesorgt hatte, war anschließend ziemlich erschüttert darüber, dass Bayern für ihre Spielart gelobt wurde, obwohl nicht ein Pünktchen dabei herausgekommen war, was nicht sehr oft vorgekommen ist in den letzten Jahren. Nachdem der BVB, der durch seine desaströsen Auftritte nicht mehr besonders im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, nach seinem Zittersieg bei Hertha und dem Blender Klinsmann endlich mal wieder befreit aufgespielt hat und Düsseldorf mit 5:0 weggepustet hat, atmet man in Dortmund wieder etwas auf und verlängert dadurch nur das Elend, das mit Favre als Trainer durch diesen Erfolg nicht beendet sein wird. Fortuna war zwar in der letzten Saison noch der Favoritenschreck, diesmal aber konnte man einen Klassenunterschied erkennen. Dennoch war der Sieg nicht durchweg glänzend, trotz der neuen schwarz und edel aussehenden Trikot-Sonderedition, die nach 150 Minuten ausverkauft war, denn in der 1. Halbzeit fiel den Dortmundern lange nichts ein, wie sie den Düsseldorfer Abwehrriegel knacken könnten. Immerhin reichte ein Gedankenblitz von Piszczek und Reus, um kurz vor der Pause das 1:0 zu erzielen. Danach drehte das Offensivtrio, Reus, Hazard und Sancho richtig auf und ließ seine Genialität aufblitzen, die man gegen einen mittelmäßigen Gegner allerdings nicht allzu euphorisch beurteilen sollte. Morgen gegen Slavia Prag in der Champions-League haben sie einen weit unangenehmeren Gegner vor der Brust. Und da könnten sie mal zeigen, was sie wirklich drauf haben, auch wenn ihnen das nicht viel nützt, wenn Inter gegen Barca gewinnt, was nicht sehr unwahrscheinlich ist, denn die Spanier sind bereits qualifiziert und müssen sich kein Bein mehr ausreißen. Schön war auch der 2:1-Sieg Leverkusens gegen Schalke, während ich persönlich im Spiel Leipzig gegen Hoffenheim ein trostloses Remis dem leider glänzenden 3:1-Sieg der Leiziger vorgezogen hätte. Auch das 1:0 der Freiburger gegen Wolfsburg ist ein schönes Ergebnis, wenn es auch kein schönes Spiel war, weil man mehr als den allerdings sensationellen Freistoßtreffer Schmids nicht gesehen haben musste.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Nach zwei Wochen Länderspielpause hätte man annehmen können, dass Zeit genug war, um die Dortmunder nach dem peinlichen und leblosen Auftritt in München wieder aufzurichten. Reus hatte sich für die Nationalmannschaft sogar krankschreiben lassen. Aber kaum standen die Dortmunder zu Hause gegen den Tabellenletzten Paderborn auf dem Platz, knüpften sie nahtlos an ihrer zuletzt gezeigten Leistung in München an. Und daran erkennt man inzwischen die Handschrift Favres, der seinen Spielern immer wieder »Geduld, Geduld« empfiehlt, denn die Gelegenheiten würden sich dann schon ergeben. Aus dieser Taktik folgt aber nichts weiter als ein unglaublich ödes Ballgeschiebe. Inzwischen hat sich das längst auch bis nach Paderborn herumgesprochen. Die Gegner pressen munter drauf los und bringen den Titelaspiranten, dem es inzwischen unangenehm ist, vom Titel jemals gesprochen zu haben, in Nöte, die man sonst nur bei Abstiegskandidaten bewundern kann. Hinzukommen allerdings auch taktische Fehler von Favre. Einmal wurde der ungeschickt agierende Schulz auf der Außenbahn abgehängt, sodass der ihn überlaufende Pröger den Ball flach nach innen passen konnte, wo Mamba ihn nur einzuschieben brauchte. Zweimal konnte man Weigl dabei bewundern, wie er den Paderborner Angreifern einfach nicht hinterherkam. Und da fragt man sich selbst als Fußballlaie, wieso lässt Favre so hoch spielen, also bis zur Mittellinie und stellt dabei nicht gerade die als schnell bekannten Innenverteidiger Weigl und Hummels auf, weiß doch jeder, der bis drei zählen kann, dass spielerisch unterlegene Mannschaften ihr Glück einfach mit hohen Bällen in die gegnerische Hälfte versuchen, wo man dann nur einen oder zwei sprintstarke Stürmer braucht, um Erfolg zu haben. Favre aber ließ Zagadou auf der Bank, der zuletzt, als er einmal spielen dürfte, einer der stärksten war. Und selbst Akanji, der sich zuletzt zwar auch dem Leistungsnivau der Mannschaft angepasst hatte, wäre das nicht passiert, weil er einfach ein bisschen schneller ist. Das alles hätte vielleicht nicht dazu beigetragen, dass Dortmund besser spielt, aber man hätte durch diese einfache Maßnahme zwei, wenn nicht sogar alle drei Gegentore verhindern können. Allerdings hätte Dortmund dann vielleicht auch nicht in der 2. Halbzeit so furios aufgespielt, sondern im behäbigen »Geduld«-Trott weitergespielt und das Spiel wäre möglicherweise nicht 3:3, sondern 0:0 ausgegangen. Aber eins ist sicher, nicht nur die Fans haben keine Geduld mehr und ließen das auch die Spieler mit einem schönen Pfeifkonzert wissen, auch die den Dortmundern in der Öffentlichkeit entgegengebrachte Sympathie geht langsam zur Neige. Vor allem, weil die Dortmunder Auftritte merkwürdig blutleer und beteiligungslos wirken. Dortmund ist gerade dabei, zu einer Mannschaft zu verkommen, an der erfolglose Mannschaften sich aufrichten können, sich ein Erfolgserlebnis abholen können. Das ist zwar sehr sozial gedacht, aber nicht gewollt. Auch Zorc und Watzke dämmert es jetzt, dass Favre die Mannschaft nicht weiterbringt, auch wenn Reus Favre in Schutz nimmt. Zwar hat Reus natürlich recht, dass es die Spieler sind, die so meilenweit unter ihren Möglichkeiten bleiben, aber Favre scheint keinen Einfluss auf die Gruppendynamik in der Mannschaft zu haben, in der eindeutig etwas nicht stimmt. Sancho und Akanji, die bereits mit ihrem Abflug beschäftigt sind, Reus, der selbst unter einer Formschwäche leidet, Hummels, der es wahrscheinlich bedauert, in diesen Haufen geraten zu sein, den nichts miteinander verbindet, während in München wieder alles beim alten ist, seit Kovac weg ist, und bald wieder seine Kreise oben allein ziehen wird, denn auch der Spitzenreiter Gladbach hat nun bei Union Berlin verloren, und das völlig verdient.

Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Vielleicht hätte ich es mir denken können, denn für einen abergläubischen Menschen, wie es ein Fußball-Fan nun mal ist, konnte nach einem so schönen Tag wie vor einer Woche nur ein herber Rückschlag kommen. Dafür allerdings sprachen auch noch andere Indizien, nämlich dass im deutschen Classico, der eigentlich gar keiner ist, weil weder Dortmund noch die Bayern in der Bundesliga gerade den Ton angeben, auf bayerischen Boden für die Dortmunder nichts zu holen ist. Noch mehr, dass sich das schon traditionelle Desaster immer weiter fortsetzt. Seit 2015 gab es ein 1:5, 1:4, 0:6, 0:5 und nun ein 0:4, und damit kam die Borussia noch gut davon. Zunächst sprach nicht unbedingt alles dafür, denn die besseren Erlebnisse in der letzten Zeit hatten die Dortmunder, die einen 0:2-Rückstand gegen Inter Mailand zur Pause noch in ein 3:2 umbogen, so dass man sogar versucht war, von einer weiteren magischen Nacht zu sprechen. Auch den bislang ungeschlagenen Wolfsburgern fügte man eine 3:0-Niederlage zu. Fast schon war man verführt, die Borussen im Aufwind zu wähnen, denn parallel dazu befanden sich die Bayern in einem ihrer seltenen Tiefs, als man in Frankfurt 5:1 unterging und diese Niederlage die Entlassung Kovacs zur Folge hatte. Aber wie Thomas Müller betonte: »Immer wieder herrlich, wenn die Dortmunder nach München kommen.« Die Dortmunder erwiesen sich als exzellenter Aufbaugegner für die Münchner, die, und das bleibt dann doch das Rätselhafte, plötzlich all das wieder zeigten, was sie vorher vermissen ließen, Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Kompaktheit, Ballsicherheit und ein Pressing, mit dem die Dortmunder nicht umgehen konnten. Zwar liefen die Dortmunder sogar mehr, aber das nur, weil sie dem Ball, der bei den Münchnern wie am Schnürchen lief, hinterherhetzen mussten. Den Zweikampf suchten die Dortmunder nicht. Julian Brandt ging da mit gutem Beispiel voran, denn sein Anlaufen hatte immer nur Alibifunktion, während Sancho von drei Bayern umringt war, kaum dass er den Ball hatte. Er war es auch, der das 1:0 durch Lewandowski einleitete, weshalb er dann auch als zu großes Risiko ausgewechselt wurde. Aber ohne seine Einfälle und seinen Esprit, blieben Götze, Hazard, Brandt und später auch die eingewechselten Reus und Alcacer völlig wirkungslos. Eine einzige torgefährliche Situation brachten die Dortmunder zustande, während es vor dem Dortmunder Tor ständig brannte. Nur Hummels wehrte sich, aber es passte zu diesem Abend, dass ihm dann noch das Eigentor zum 4:0 Endstand unterlief. Das die Bayern all das zeigten, was sie vorher vermissen ließen, hängt vielleicht damit zusammen, dass es für jeden Spieler gegen Dortmund eben um das Topspiel geht, also gegen den unmittelbaren Konkurrenten, während Dortmund als völlig verunsicherter Haufen erscheint, der jeglichen Glauben an sich verloren hat. In solchen Situationen gehen Rummenigge & Co. rigoros vor und entlassen den Trainer. Dortmund hingegen übt sich in Geduld, obwohl klar ist, dass Favre mit dem von Zorc geforderten »Männersport« nicht so viel anfangen kann. Er setzt auf die Techniker, die dem Zweikampf lieber aus dem Weg gehen, während Flick bei den Bayern Thiago und Couthino auf der Bank ließ, weil er wusste, dass sich mit ihnen, wenn es hart auf hart kommt, kein Staat machen lässt. Auch wenn »Männersport« an den alten ranzigen Begriff aus dem letzten Jahrhundert erinnert, letztlich beruht das Wesen des Spiels eben doch auf Kampf. Technik ist darüberhinaus das entscheidende Moment, wenn die Voraussetzung stimmt. Und diese Voraussetzung, quasi das Einmaleins des Fußballs, lassen die Dortmunder vermissen. Das Warum ist Psychologie, die in einem Mannschaftsgefüge ihre eigene Dynamik entwickelt, und um diese Dynamik zu steuern, die Spieler zu motivieren, ihnen den Glauben an sich einzupflanzen, ist Favre nicht der richtige Mann.

Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Endlich mal wieder ein Spieltag, der nicht wie früher im üblichen Einerlei schnell vergessen wird, denn die Bayern haben bei ihrer heftigen 5:1-Klatsche in Frankfurt bewiesen, dass nicht nur die Dortmunder Krise können. Was bei den Bayern los ist, weiß niemand so genau, denn vor nicht allzu langer Zeit haben sie in der CL den letztjährigen CL-Finalisten Tottenham mit 7:2 deklassiert. Danach aber folgten nur noch Rumpelspiele wie zuletzt das Pokalspiel gegen den Zweitligisten Bochum, das nur durch Glück und unverdient gewonnen wurde. Diese 5:1-Niederlage wird nicht nur das Ende von Kovac einläuten, der bei den Bossen sowieso immer nur als Notnagel begriffen wurde, sie könnte auch allen Bundesligavereinen signalisieren, dass Bayern eben auch nur mit Wasser kocht, d.h. andere Mannschaften gehen nicht mehr in ein Match mit der Haltung, hoffentlich wird es nicht so schlimm, sondern: gegen die Bayern kann man auch gewinnen, wenn man nur will. Darauf weist auch eine Aussage von Timo Werner hin: »Wenn jetzt schon Frankfurt die Bayern weghaut…«, ließ allerdings offen, was das heißen könnte. Es heißt in jedem Fall, dass sogar Leipzig Meister werden könnte, denn die haben gerade einen sensationellen Lauf, den die Mainzer über sich ergehen lassen mussten, denn sie gerieten gegen die Red-Bull-Truppe mit 8:0 unter die Räder. Im Vergleich dazu ist Dortmund gerade Mittelmaß. Gegen Wolfsburg traten sie zwar ohne Alcacer, Bürki, Sancho, Witsel, Delany und ab der 28. Minute auch ohne Reus an, aber die Restelf spielte auch nicht schlechter als die übliche Startelf, jedenfalls nicht in der ersten Halbzeit. Da hatte auch der glückliche 2:1-Sieg gegen Gladbach im Pokal nichts genutzt. Von Schwung keine Spur, sondern der übliche Ballbesitzfußball. Das änderte sich erst in der 2. Halbzeit, als Hazard freistehend von Hakimi angespielt werden konnte, weil sich kein Wolfsburger wirklich zuständig fühlte, und vom Sechzehner aus verwandelte. Kurz darauf war es Guerreiro, der auf 2:0 erhöhte. Danach hatte man nie das Gefühl, die Wolfsburger könnten zurückkommen, wie das noch bei den Remis-Spielen vorher der Fall war, als die Dortmunder krampfhaft bemüht waren, einen Sieg über die Linie zu schleppen, was regelmäßig mißlang, weil beim Gegner ein Wille vorhanden war. Den konnte man auch den in der Liga bislang ungeschlagenen Wolfsburgern zwar nicht unbedingt absprechen, aber sie waren einfach nicht in der Lage dazu, Druck zu erzeugen. Mönchengladbach ließ sich nicht von der letzten Niederlage gegen den BVB aus der Bahn werfen und gewann in Leverkusen mit 2:1, allerdings mit Hilfe einer ordentlichen Portion Glück, denn Leverkusen war in der 2. Hälfte bärenstark und hatte einige Möglichkeiten zumindest für ein Remis. Freiburg erwies sich auch in Bremen als Mannschaft des Last-Minute-Tores und erzwang sich gegen ebenfalls kämpferische Bremer ein 2:2. Im ersten Berliner Derby der Geschichte hatte Union die Nase vorn mit einem Elfmeter in der 87. Minute. Die Fans müssen allerdings noch üben. Die für ihr Proletentum bekannten Herthaner feuerten mit Leuchtmunition auf den Gegner, und die Zonen-Hooligans von Union ließen sich nach einem Ausbruchsversuch von ihren Rängen von ihren Spielern zurückscheuchen als wären sie unartige Jungs. Und das war schon fast irgendwie trollig. Jedenfalls hätte der Spieltag besser gar nicht verlaufen können.

Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Spätestens nach dieser Woche, nach dem 0:2 in Mailand und dem 0:0 gegen Schalke, ist klar: der BVB befindet sich in einer veritablen Krise. Und diese Krise betrifft die gesamte Mannschaft, die keine schnellen Kombinationen in die Tiefe mehr zustande bringt, jegliches Risiko scheut und eine ungewöhnliche Zweikampfstärke an den Tag legt. Vielleicht liegt es ja an den Vorschusslorbeeren und der Erwartungshaltung, mit der die Mannschaft konfrontiert wurde, jedenfalls leidet man sehr unter der Einfallslosigkeit der Dortmunder. In Mailand traten die Dortmunder auf, als wollten sie nach dem 1:0-Rückstand immer noch ein 0:0 halten, und erst auf dem allerletzten Drücker versuchte man etwas offensiver zu spielen, und dann war es Guerreiro, der den Ball verlor, der zum 2:0-Konter führte. Man musste froh darüber sein, dass die Schalker ihre Chancen nicht so eiskalt nutzten wie Inter. Immerhin traf Schalke zweimal den Pfosten und einmal musste Guerreiro auf der Linie klären, aber vor allem Matondo hatte mehrere gute Möglichkeiten, die er allesamt vergab. Zum Glück für Dortmund. Die Schwarzgelben brachten hingegen nach vorne gar nichts zustande, und es ist bezeichnend, dass der einzige, der ein paar Bälle aufs Schalker Tor schoss, Sancho war. Die Schalker spielten ruppig, einsatzfreudig und liefen die Dortmunder Abwehr schon weit in der gegnerischen Hälfte an. Die Folge waren immer neue Ungenauigkeiten, grandiose Fehlpässe und Missverständnisse der Dortmundern. Witsel verlor erstaunlich viele Zweikämpfe, was er sonst nie tut. Dennoch sagt die Zweikampfquote, dass die Dortmunder um 5 Prozentpunkte besser war, und auch viele andere statistischen Werte sprachen für Dortmund oder waren wie sogar die Laufleistung ausgeglichen, nur nicht die entscheidenden, nämlich die Torschüsse, was daran lag, dass die Dortmunder ohne Stürmer spielten, der in den Sechzehner gegangen wäre, und da sie auch keine Fernschussspezialisten sind, wird es natürlich schwer, überhaupt ein Tor zu erzielen. Allerdings würde man sich Illusionen machen, ginge man davon aus, dass mit der Rückkehr von Alcacer alles besser würde. Es ist das Zutrauen der Mannschaft in ihre eigenen Kräfte und Möglichkeiten, die den Dortmundern z.Z. abgeht. Immerhin gab es kurz vor Schluss, als den Schalkern die Luft ausging, eine schöne kleine Idee von Brandt, der den Ball für Reus in einer gefährlichen Zone durchsteckte, aber der Pass war zu unpräzise, wie vieles an dem unansehnlichen Spiel mit verbissenen Zweikämpfen, die kaum einen Spielfluss zuließen. Favre scheint nicht in der Lage zu sein, dem entgegenzuwirken, wobei ihm wenig mehr einfällt als die Backen aufzublasen und die Augenbrauen hochzuziehen. Immerhin tut sich auch Bayern schwer, sogar zu Hause gegen Union, als man mit Mühe und nur aufgrund eines verschossenen Elfers von Union sich mit einem 2:1 an die Spitze setzte. Dennoch hatte Bayern Chancen für fünf, sechs Tore, und wenn sie ihre Treffsicherheit wieder zurückgewinnen, dann werden sie auch wieder ihre einsamen Runden an der Tabellenspitze drehen. Das schönste an diesem Spieltag war der 2:1-Sieg der Freiburger gegen Leipzig, mit dem sie sich zumindest für eine Nacht auf Platz 2 gesetzt haben, denn es ist an der Tabellenspitze immer noch wahnsinnig eng, weil fast die Hälfte der Liga da vorne nur drei Punkte auseinander ist.

Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Nur selten war die Liga so ausgeglichen wie in dieser Saison. Jeder scheint jeden schlagen zu können. Beim Wetten auf Wahrscheinlichkeit zu setzen, damit scheint man z.Z. garantiert falsch zu liegen. Auch diesmal gingen die meisten Spiele überraschend aus. Allen voran das glückliche Dortmunder 1:0 gegen den Tabellenführer aus Gladbach. Schon in der 1. Halbzeit lieferte Akanji eine präzise Vorlage für Embolo, die der herausstürzende Bürki nur mit großen Risiko klären konnte, und auch ein weiteres Mal musste Bürki alles aufbieten, um den allein auf ihn zulaufenden Gladbacher Stürmer zu stoppen. Die Dortmunder Abwehr ist so löchrig wie ein Schweizer Käse, die allerdings wieder einmal umgestellt werden musste, weil Favre Hakimi in die Offensive beorderte, wo er weitgehend wirkungslos blieb, weil seine Stärken auf der Außenbahn sind, denn nur wenn Hakimi von hinten Schwung und Schnelligkeit aufnehmen kann, ist er wirklich gegährlich. Der zuletzt ein- und dann wieder ausgewechselte Brandt musste im Sturm ran, weil Alcacer und Götze verletzt sind, alles in allem eine völlig neue Situation und Aufstellung. Zudem fehlten die Ideen und die Genialität Sanchos, der sich nach dem Länderspiel für die Brexit-Briten ein paar Tage frei nahm, bevor er nach Dortmund zurückkehrte. Dann verhinderte Reus gleich zweimal die Führung durch Hazard und Brandt durch Abseitsstellungen, einmal mit der Ferse, von der es nur einen sehr undeutlichen Videobeweis gibt. Immerhin gelang ihm dann doch der Siegtreffer, indem er den Ball Sommer durch die Beine schob. Zumindest hinsichtlich des Glücks war dieser Sieg ein eindeutiger Fortschritt gegenüber den 2:2-Ergebnissen, über die Dortmund in den letzten drei Begegnungen nicht hinauskam. Vor allem im letzten Spiel gegen Freiburg, als die Dortmunder auf Anweisung Favres einen erbärmlichen Angsthasenfußball spielten, der zurecht mit dem Freiburger Ausgleich in den letzten Minuten bestraft wurde, zeigten die Borussen eindrucksvoll, dass sie in diesem Jahr mit Sicherheit eins nicht werden, nämlich Meister. Aber Meister scheint auch sonst niemand werden zu wollen, nicht mal die Bayern, die die 2:2-Tradition der Dortmunder gegen die abstiegsbedrohten Augsburger fortsetzten und dabei wie schon zuletzt gegen Hoffenheim jede Menge Chancen ausließen. Aber im Unterschied zu Dortmund haben die Bayern wenigstens Chancen, was man von Dortmund nicht wirklich behaupten kann. Freiburg hingegen, die dem BVB zumindest einen Punkt abgeluchst haben und ganz vorne mitspielen, verloren aus lauter Angst vor ihrem Erfolg bei Union Berlin, das bislang nur ein Spiel gewinnen konnte, nämlich das gegen Dortmund. Und Wolfsburg hält sehr zäh an seiner Serie fest, nicht zu verlieren, diesmal allerdings sogar in Leipzig, bei denen man zunächst den Eindruck hatte, sie würden der Liga entfleuchen. Es war ein 1:1 der unattraktiven Sorte, ebenso wie das 1:1 der Herthaner bei den ersatzgeschwächten Bremern, die einfach nicht gewinnen können, obwohl es der Trainer seiner Mannschaft und den Fans versprochen hatte. Vielleicht handelt es sich gar nicht um eine Ausgeglichenheit der Liga, sondern nur um eine allgemeine Schwäche, die sie befallen hat, wo die sogenannten Underdogs durch großes Engagement und Kampfeswillen den Favoriten das Leben schwer machen, die Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren.

Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Der BVB kann nicht mehr gewinnen. Schon zum 3. Mal hintereinander sprang nur ein Unentschieden heraus, dabei hätte man alle drei Spiele eigentlich gewinnen müssen. Zu Hause gegen Barcelona erlaubte sich Reus sogar, einen Elfer zu verschießen, aber während die Dortmunder gegen Barcelona so gut wie nichts zuließen, sah das gegen die Eintracht und Bremen schon ganz anders aus. Sowohl der Eintracht als auch Werder brauchten nicht viele Chancen, um ihre Tore zu machen. Gegen die Eintracht war es noch ein Motivationsproblem, denn im Gegensatz zu den Frankfurtern hatte man bei den Dortmundern nie das Gefühl, dass sie das Spiel wirklich gewinnen wollten. Darauf angesprochen verlor Reus die Contenance, aber es stimmte nun mal leider. Und vor allem wäre die Alternative weit schlimmer, denn dann hieße der Spielverlauf, dass Dortmund einfach nicht mehr drauf hat, obwohl den Frankfurtern noch ein anstrengendes Spiel gegen Arsenal in den Knochen steckte und die Dortmunder zwei Tage mehr Zeit zur Erholung hatten. Davon war aber nichts zu merken, weil die Frankfurter trotz dieser Tatsache mehr rannten und ackerten. Gegen Bremen hingegen versäumten die Dortmunder wieder einmal, aus ihrer Überlegenheit vor allem in der ersten Halbzeit mehr zu machen. Sie hatten Bremen völlig eingeschnürt und trotz des Rückstands durch den ersten Schuss aufs Tor nach einer Kette von verlorenen Zweikämpfen kam man ebenso überraschend nur eine Minute später nach einer Flanke von Piszczek durch einen Kopfball vom Götze zum Ausgleich, der sehr nach einem Stellungsfehler der Bremer aussah. Kurze Zeit später köpfte Reus nach Flanke von Hazard zur Führung ein, woraufhin der Reporter die überaus interessante Information beisteuerte, dass Reus und Götze noch nie im gleichen Spiel je ein Kopfballtreffer gelang. Immerhin war Reus sein 13. Treffer im 13. Spiel gegen Bremen gelungen. Aber wie häufig bei einer Führung versuchte Dortmund das Ergebnis spielerisch zu verwalten, obwohl ein weiterer Treffer ziemlich wichtig gewesen wäre, aber den vergab Dahoud nach glänzender Vorlage durch Götze, weil er an der Zehenspitze des Bremer Torwarts scheiterte. In der 2. Hälfte dann kam Bremen besser ins Spiel, und weil sie nie aufsteckten und immer an eine Ergebniskorrektur glaubten, gelang es ihnen auch. Dem BVB hingegen ging die Dominanz verloren, die in hinreißend anzusehendem Kombinationsfußball bestand, auch weil letztlich zu wenig dabei herauskam. Den Bremern genügte ein Standard, um zum Ausgleich zu kommen. Jetzt hat der BVB nur 11 Punkte von möglichen 18, und da Leipzig zwar nach einem Rotationsexperiment zu Hause gegen Schalke 3:1 verlor, aber die Mitkonkurrenten alle gewannen, ist man jetzt auf Platz 7 abgerutscht. Drei Punkte hinter Bayern, die sich beim Aufsteiger Paderborn zwar schwer taten, aber eben trotzdem gewannen, genauso wie Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg. Favre sah nicht sehr glücklich an diesem Abend aus. Er wusste einfach nicht, woran es lag, denn Dortmund ist zwar spielerisch besser, aber es springt einfach nichts dabei heraus.