Der Buchmessenreport – Teil 2

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Gestern konnte aufgrund eines alkoholischen Exzesses kein Buchmessenreport erscheinen. Aber ich hätte mich auch ohne diese Stimulanz schwer getan, etwas über die Buchmesse zu schreiben, weil ich in meiner zweiten Berufung als Verleger von der Buchmessenpest am Stand festgehalten wurde. Das sind Leute, die einem beide Ohren abkauen und alte Manuskripte andrehen, billige Anzeigen nachschmeißen und günstige Druckereien aufdrücken wollen. Ich flüchtete zu zu Klampen, weil ich endlich einmal „zu zu“ schreiben konnte, aber auch weil ich wußte, daß es dort eisgekühlten Cremant gab. Zu Klampen ist ein alter Verlagshase mit großen Ohren, der eine Flasche auf Ex leeren kann, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne anschließend ausfällig zu werden. Er kann dann immer noch Hannoveranische Regionaldichter fehlerfrei deklamieren und macht mit seinen Idealmaßen von 120 mal 120 sowieso eine bella figura. Beschwingt von zu Klampens Cremant ging ich zum Österreichempfang, verpaßte aber die Rede der Frau Ministerin, und die Schnitzel waren auch schon aus, aber der Österreichempfang wird jedes Jahr von immer mehr mittellosen Verlegern und Autoren aufgesucht, um sich mal richtig satt zu essen. Man muß nur rechtzeitig aufbrechen, um liebenswerten Anzeigenaquisitören aus der Zone, die darauf wetten, einen spätestens in zwei Jahren weichgekocht zu haben, und den tumultartigen Szenen bei der Garderobe zu entkommen, die sich kurz nach dem Büffet ereignen, wenn seriöse Herren und aufgebrezelte Damen in einem riesigen Kleiderhaufen nach ihren Klamotten wühlen und sich gegenseitig auf österreichisch beschimpfen. „Jetzt gangas mir doch ausm Weg, Sie depperter Trottl Sie.“

Bei Rowohlt treffe ich wie jedes Jahr die vollständig versammelte Titanic- und Caricatura-Crew, die es sich wie jedes Jahr zur revolutionären Aufgabe gemacht haben, Rowohlt leer zu trinken, und obwohl sie absolute Profis in ihren Reihen haben, ist ihnen das noch nie gelungen. Der Chinesengünstling Christian Y. Schmidt versuchte, noch ein paar Leute für seine Lesung zu verpflichten, Heribert Lenz stand wie ein Fels in der Brandung am Tresen und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen, nur Herr Zippert nippte vornehm an einem Glas Wasser. Als ich anfing, Sektgläser auf den Boden zu schmeißen, weil ich zu faul bin, sie zurück an den Tresen zu tragen, werde ich dezent in ein Taxi eines Philosophen mit Uniabschluß gezerrt, der noch bei Adorno studiert hat und der erzählte, daß Angela Merkel neue Maßstäbe der Gastfreundschaft gesetzt hat. Sie sagte zu den Chinesen: „Wir wissen, daß Sie genau studieren, was bei uns passiert – wir tun das auch bei Ihnen.“ Daran hielt auch ich mich. Heute morgen beobachtete ich einen ausgemergelten Chinesen, wie er einen Tisch über das Messegelände trug. Er verwendete ihn als Regenschirm. War das ein Dissident? Sah so ein zukünftiger Nobelpreisträger aus, der man ja leicht wird, wenn man in China ein bißchen dissidiert.

Der Buchmessenreport – Teil 1

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Am Abend vor Buchmessenbeginn speiste ich mit einem meiner zahllosen Übersetzer, die mir zu Diensten sind. Er erzählte mir, daß er schon vier Bücher von Herta Müller gelesen habe. Ich erklärte ihn sofort zum Experten, denn ich hatte zuvor noch nie jemanden getroffen, der Herta Müller gelesen hatte, offenbar weil niemand wirklich Verfolgtenliteratur der Banater Schwaben aus dem letzten Jahrhundert für prickelnd hält. Vermutlich hat sie auch aus diesem Grund den deutschen Buchpreis nicht bekommen, sondern Kathrin Schmidt, und zwar nicht, wie in der Welt und das heißt überall sonst auch spekuliert wird, weil Frau Müller ja schon den Literaturnobelpreis bekommen hat, sondern weil Frau Schmidt das bessere Thema hatte.

Frau Schmidt hatte ein Aneurysma, und das ist das, was in Deutschland immer mehr Konjunktur kriegt. Der Spiegel-Reporter hatte mit seinem Krebs schon einen Hit gelandet, und Sarah Kuttner ist mit ihren Depressionen schon seit Wochen auf der Bestsellerliste. Krankheiten, möglichst mit tödlichem Ausgang, das ist der Stoff, aus dem hierzulande die wie geschnitten Brot sich verkaufende Literatur gestrickt ist, und das ist nichts für harmlose und wehleidige Hypochonder, da geht es ganz existentiell zur Sache. Nachdem der Atomschlag, die H-Bombe und wie die Weltuntergangsszenarien alle hießen, ausgeblieben sind, konzentriert man sich in Deutschland auf den Feind im Innern, auf die tödliche Krankheit, auf die Seuche, und am besten ist es, wenn einer durchkommt. Diese Literatur kann seine thematische Nähe zum Arzt-Roman nicht leugnen, und damit haben sich U- und E-Literatur endlich wiedervereinigt. Und das ist doch schön. Und prompt ist Frau Müller krank geworden. Sie mußte eine Lesung in der europäischen Kulturhauptstadt Essen absagen, wahrscheinlich weil sie für ihren nächsten Roman recherchiert, in der ein tödlicher Virus die Hauptrolle spielen wird.

Auch ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, einen Roman über meine vergrößerte Prostata zu schreiben, aber diese Krankheit ist einfach nicht tödlich genug. Mit der Schweinegrippe jedenfalls kann ich medial nicht mithalten, obwohl vermutlich mehr an der Prostata leiden als an Schweinegrippe. Von sowas ähnlichem wurde ich eben gestreift. Der ehemalige Umweltminister der Grünen, dessen Namen ich mir nicht merken kann, blieb an meinem Stand hängen und blätterte in „Vermeers Hut“ (besprochen in der jungen Welt vom Chef persönlich) und ignorierte dafür das neue Buch von Harry Rowohlt. Was immer das heißen mag, es ist hoffentlich keine neue Krankheit.

Auf der Buchmesse unterwegs – Teil 3

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Auf einem der vielen Umtrünke, die ab 17 Uhr die Hallenluft mit alkoholischen Getränken schwängern und auf denen die Reserviertheit der Büchermenschen fällt, wurde ich Zeuge eines unerhörten Dialogs, der Bände spricht, was das Preisverleihungssystem in Deutschland angeht, wo ja Reich-Ranicki schon Preise ins Leben gerufen hat, die er sich später selber verleihen ließ, wobei dieser Mann sich durch seinen tollen Auftritt bei Herrn Minipli fast schon unsterblich machte. Es ging um den Göttinger Elch, dem einzigen Satirepreis in Deutschland. Max Goldt hatte den Preis einmal abgelehnt mit der Begründung, daß er nicht zur Steigerung des Fremdenverkehrs in Göttingen beitragen wolle, was eine sehr schöne Begründung ist. Einer der Jury-Mitglieder, Deutschlands bekanntester Welt-Kolumnist, ließ im Gespräch mit einem lange preisverdächtigen Autor, der früher Deutschlands bekanntester taz-Kolumnist war und sich rühmen kann, der bestgehaßte Schrifsteller in der Welt des Feuilletons zu sein, durchblicken, daß die Chancen für den Preis steigen würden, wenn sich der Autor eine Brust wachsen und untenrum rasieren ließe. Benommen kippte ich schnell noch ein Glas Wein hinunter und verließ den Ort der hemmungslosen Mauschelei unter der Gürtellinie. War das noch Satire? Auf dem Beck-Empfang im Hessichen Hof mußte man für ein paar Bratwürstchen und ein paar belegte Schinkenbrötchen einen einstündigen Vortrag eines Juristen über sich ergehen lassen, der wahrscheinlich bei der Lehmans Bank Geld verloren hatte und jetzt sehr sauer auf den Neoliberalismus war. Er schimpfte wie ein Linksradikaler. Das wurde mir jedenfalls berichtet, denn während dessen stand ich im Flur und ließ mir von fürsorglichen Bediensteten des Hotels Wein bringen als Entschädigung für die ziemliche spärliche Bewirtung, bis der bekannte und bekennende Fußballexperte Norbert Seitz auftauchte, der seine Leidensgeschichte als Redakteur bei den Frankfurter Heften erzählte, bei denen er mit allen Tricks hinausgemobbt worden war. Eine Schweinebande sei die SPD, was mir jetzt nicht unbedingt etwas neues war, und Klaus Harprecht ein Arschloch, was ich auch schon von anderen Leuten gehört hatte, wenngleich vielleicht nicht ganz so deutlich. So wurde es doch noch ein schöner Abend bei Beck, auf der ich auch Necla Kelec kennenlernte, die mit großem Engagement auf mich einredete, wobei ich leider nicht mehr weiß, um was es ging. Wahrscheinlich darum, daß es die Presse nicht immer gut mit ihr meint. Das jedenfalls ist bei jedem Autor ein Punkt, mit dem sich ein ganzer Abend bestreiten läßt. Vor dem Hessischen Hof stand Harry Rowohlt und rauchte. Er hatte mal wieder einen Preis abkassiert und mokierte sich über das Prekariat bei Beck, das mit Würstchen abgespeist worden war. Er jedenfalls hätte hervorragend gegessen.

Ich flüchtete zur Titanic, wo der Chefredakteur Thomas Gsella abdankte, weil diese stalinistische Zeitung mindestens einen Chefredakteur pro Jahr verschleißt. Wer sein Nachfolger wurde, weiß ich nicht, weil ich damit beschäftigt war, dem Türsteher ein paar Getränkemarken aus den Rippen zu leiern. Die Spur der Erinnerung wird von da an sehr dünn, aber gut weiß ich noch, wie mir Oliver Maria Schmitt aus seinem FAZ-Feuilletonaufmacher über die Buchmesse vorlas, in dem er beschrieb, wie ich sein Bestsellermanuskript abgelehnt hätte (siehe junge Welt vom Freitag) mit der Begründung, daß die Türkei “keinen Arsch” interessiert, und daran würde auch ein “Orhan Pumuckl” nichts ändern. Dazu möchte ich erklären, daß mir ein Orhan Pumuckl gänzlich unbekannt ist. Ich kenne nicht mal Orhan Pamuk. Aber solche feinen Unterschiede werden mal wieder unter den Teppich gekehrt, während die zentrale Aussage des Interviews unterschlagen wurde, eine Feststellung, der auch Necla Kelec zustimmte: Daß nämlich das Buch über türkische Literatur eins der dünnsten in der Literaturgeschichte überhaupt ist.

Auf der Buchmesse unterwegs – Teil 2

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Auf der Buchmesse begegnet er einem quasi in geballter Form: der Verleger. In der Regel kein schöner Anblick. In den Jahren der Entbehrung ergraut und verhärmt, zieht er die bequeme braune weite Cordhose vor, dazu braune Wildlederschuhe, die er in der B-Ebene einer U-Bahn gekauft hat, ein graublau kariertes Hemd und ein über die Schultern hängendes Jackett mit Lederaufsätzen auf den Ellbogen. Verarmter Landadel meinte meine Freundin, ich aber sagte, schlechter Geschmack, der dem Diktat der Bequemlichkeit folgt, einem Prinzip, das den Erfolg von Jack Wolfskin und der häßlichen Freizeitbekleidung ermöglicht hat. Der Wille zu einem erkennbaren Stil ist längst erloschen, denn derlei gilt bei einem Mann, der sich der Linken zurechnet, als ebenso überflüssig wie reaktionär, und letztlich ist die Sache der Linken deshalb auch so unattraktiv, denn die Codes signalisieren nach außen Ödnis, Fadheit und das Mufflige im Leben. Es würde passen, wenn der Mann den politischen Langeweiler Noam Chomsky publiziert, weil er darin seine antisemitische Gesinnung bestätigt findet. Komisch, aber das ging mir durch den Kopf, als ich noch benebelt an einem Stand saß und leicht gelähmt vor mich hin starrte. Und deshalb ist das natürlich auch keine hieb- und stichfeste Beweisführung, sondern nur die Wiedergabe einer Stimmung, die mich in der tristen Hektik der Messehallen manchmal befällt. Aber es gibt auch Interessantes zu berichten, z.B. daß die Verlagskonzerne die Konkurrenz sich auch deshalb einverleiben, um sich die teuren Lizenzen zu ersparen. Sich allerdings eine ganze Kuh zu kaufen, nur weil man etwas Milch haben möchte, ist nicht wirklich schlau, abgesehen davon, daß die übernommenen Verlage ganz schnell ihr Profil verlieren und dem Renditegedanken entsprechend mainstreamig werden, auch wenn sie ihren Namen behalten dürfen.

Von Christian Y. Schmidt erfuhr ich auf dem Weg zum Empfang der Chinesen, daß auf der Rowohlt-Party Stefan Aust die Herausgeberschaft von Titanic angeboten wurde. Er überlegt es sich noch, weil ihn sein Pferdegestüt zu Hause nicht auslastet. Deshalb treibt sich auch Aust auf solchen Parties herum, um solche Avancen entgegennehmen zu können. Der China-Empfang war sehr chinesisch, also steif. In gebührendem Abstand hatte sich ein Kreis von Chinesen gebildet, die nicht nur den langatmigen Reden chinesischer Repräsentanten folgte, sondern auch die Übersetzung ins Englische durch eine kleine Chinesin, die zwischendrin immer das Mikrofon zu sich herunterziehen mußte und dabei aber ebenso vom Blatt ablas wie der chinesische Repräsentant. Zwischendrin erläuterte mir Herr Schmidt, der das hervorragende China-Reisebuch “Allein unter drei Milliarden” (ich glaube, es waren drei) geschrieben hat und ein China-Experte ist, was “super”, “Frankfurt” und “sehr glücklich” auf chinesisch heißt. Das zu wissen sei sehr wichtig, denn demnächst würde hier sowieso alles von den Chinesen übernommen, wenn im Westen die Finanzen zusammenkrachen. Die junge Welt wäre dann das Blatt der Zukunft, meinte Herr Schmidt. Das konnte ich nur schwer glauben, aber wer weiß schon, was die Chinesen im Schilde führen. Es ist ja auch alles so undurchsichtig. Als nach einer Stunde die chinesische “Happy Hour” immer noch nicht eröffnet worden war, ließ ich Herrn Schmidt bei den Chinesen zurück, ging zurück an meinen Stand und überlegte, wie man von diesem riesigen chinesischen Markt profitieren könnte. Aber ich glaube, die Reden würde ich auf Dauer nicht aushalten. Wenn ich sie verstünde, wahrscheinlich noch weniger.

Auf der Buchmesse unterwegs – Teil 1

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Rund 30 Prozent der auf der Messe ausgestellten Bücher können bereits auf einem E-Book gelesen werden. Und vermutlich wird sich dieser Trend fortsetzen. Bislang war der elektronische Ersatz für das Buch nicht besonders überzeugend, aber die Technik macht Fortschritte, das E-Book wird handlicher und brauchbarer. Und obwohl ich noch nie eins gesehen habe, könnte es ein Segen sein, statt dicker Papierstapel ein elegantes kleines Gerät mitzuführen. Daß das E-Book das Ende der Buchkultur bedeutet, muß niemand befürchten, denn das Problem ist nicht das Ersatzbuch, sondern der Trend zum Nichtlesen bei jüngeren Menschen, wo man sich nicht mehr die Augen durchs Lesen verdirbt, so wie ich das noch als mütterlichen Vorwurf kenne, sondern wo sich durch den gekrümmten SMS-Daumen bereits evoutionäre Veränderungen andeuten. Daß es den Verlegern schlecht geht, hängt sowieso nur zu einem unwesentlichen Teil mit der Leseunlust zusammen, sondern mit der Konzentration auf dem Markt und der heillosen Überproduktion von Büchern und Zeitungen, die niemand braucht. Kein Wunder, könnte man sagen, daß die Leute die Lust verlieren zu lesen. Tun sie aber nicht, weil es in dem ganzen unübersichtlichen Schrott natürlich auch gute und schöne Dinge gibt. Außerdem ist es schon jetzt so, daß das Internet Zugang nicht nur zu Halbwissen bietet, sondern auch zu ganzen Büchern und trotzdem ließ sich noch kein Verleger davon wirklich abhalten, diese Bücher auch auf Papier zur drucken. Das alles besprach ich auf dem Frankfurter Hauptbahnhof mit Dirk von lettre, der der undurchsichtigen Entwicklung eher gelassen gegenübersteht, weil sich in zehn Jahren andere Leute damit herumschlagen müssen.

Auf dem Weg zur Buchmesse warf ich einen Blick in den Zeitschriftenhandel, weil Dietmar Dath sich dort während der Messe bevorzugt aufhalten wollte, wie er in der FAZ verraten hatte, konnte ihn aber nicht entdecken. Wahrscheinlich war er immer noch damit beschäftigt, durch den Aufmacher in der Zeit-Literaturbeilage durchzusteigen, in dem Iris Radisch sich nicht entscheiden konnte, ob sie es bei Daths neuestem Buch nun mit einem genialen oder blöden Werk zu tun hatte. Vielleicht hängt die Schwierigkeit, das zu beurteilen, damit zusammen, daß die inzwischen über hundert Bücher des Autors von verschiedenen geknechteten Lohnschreibern stammen, die Dath sich im Keller hält. So jedenfalls munkelt man auf der Messe. Aber ich glaube das nicht. Dath hat einfach verstanden, daß den Literaturkritikern der Autorenname nur durch eine hohe Buchfrequenz im Gedächtnis bleibt.

Auf der Messe wurde mir der Erstling eines jungen türkischen Autors angeboten, der eine Mischung aus “Feuchtgebiete” und Hape Kerkelings Wanderbuch geschrieben hat. Ich sollte ein erstes Gebot abgeben, aber da ich die beiden Bücher nicht kannte, traf es sich gut, daß ich auch kein Geld hatte, um bei der Versteigerung mitzumachen. Unseriös schien das Angebot außerdem zu sein, denn es wurde mir während eines Umtrunks auf dem Dumont-Stand unterbreitet, auf dem das “Wein”-Buch von Wiglaf Droste, Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach begossen wurde, eins der schönen Bücher auf der Messe, das sich nie durch ein E-Book ersetzen lassen wird.

Später auf dem Rowohlt-Empfang erzählte mir der Leiter des Museums für komische Kunst, Achim Frenz, daß der Mohammed-Ähnlichkeitswettbewerb abgesagt werden mußte, weil eine türkische Zeitung den Witz nicht verstanden hatte und so darüber berichtet hatte, daß sich alle möglichen komischen und depperten Islamisten wieder einmal beleidigt fühlten. Seither wird das Museum und die Titanic mit Drohmails überschwemmt. Nicht daß man denen allzu ernste Absichten unterstellen sollte, aber da im Museum nur Leihgaben von Künstlern hängen, die eventuell zu Schaden kommen könnten, wollte das Museum das Risiko nicht eingehen. Wieder einmal ein gelungener Beitrag zur Völkerverständigung, der gut zum Buchmessengastland Türkei paßt. Die Lesung soll dennoch stattfinden. Es steht nur noch nicht fest, wo.