Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Nach der letzten sehr wackligen Leistung gegen Mainz, als der BVB in der Schlussphase unter dem Druck einer mittelmäßigen Mannschaft ins Schwimmen geriet und keine Lösungen mehr fand, sondern nur noch hoffen konnte, dass der Kelch eines späten Ausgleichs an ihnen vorüberziehen würde, war es in Freiburg bei Monsieur „Ausraster“ Streich mehr als fraglich, ob man etwas holen würde. Wieder begann man gefällig und flott und erzielte nach einer wunderschönen Kombination über Reus auf Sancho das 1:0, aber für die erste Halbzeit war es das auch schon. Die große Überraschung bestand dieses Mal darin, dass der BVB diesmal nicht in der 2. Hälfte einknickte, sondern einfach so weiter machte wie in der ersten Halbzeit, vielleicht weil dieses Mal wieder der überragende Guerreiro dabei war, der die letzten Spiele verletzungsbedingt fehlte. Zwar gerieten die Dortmunder auch diesmal immer wieder unter Druck und mussten einige gefährliche Situationen überstehen, aber da die Freiburger ihre Möglichkeiten nicht nutzten, konnten die Dortmunder einfach weiterspielen, als ob nichts gewesen wäre. Nachdem ihnen nach einer weiteren sehenswerten Kombination das 2:0 gelang, hatte man nicht den Eindruck, als könnte noch irgendetwas anbrennen, auch wenn Wolf nach dem Versuch zu flanken übel umknickte und Toprak für ihn eingewechselt werden musste, was immer ein schlechtes Omen ist. Aber auch mit Toprak gelang den Freiburgern kein Treffer, sehr wohl aber den Dortmundern. Am Ende gab es noch einen Handelfmeter, den der für Götze eingewechselte Alcacer sehr humorlos verwandelte, weil Reus so nett war, das spanische Tormonster ein bisschen aufzubauen, denn meistens ist er ja verletzt oder wird für Götze eingewechselt, dem an diesem Tag außer einem Tor nicht allzuviel gelang. Ein paar schöne, schnelle Spielzüge können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dortmunder gegen die Bayern im Meisterschaftsrennen keine Chance haben, denn es gab einige Kontersituationen, die durch ein schlechtes Passspiel vergeigt wurden, was einer Mannschaft einfach nicht passieren darf, wenn sie auf internationalem Niveau mithalten will. Immerhin hat man die 8 Punkte Abstand zu Leipzig halten können, die in Münchengladbach mit 2:1 gewannen, was daran liegt, dass Hecking nicht gleich entlassen wurde, denn jetzt hat er die Möglichkeit, noch die CL zu verspielen, was er mit Sicherheit tun wird. Hoffenheim stürzte die Blauweißen auf Schalke in noch tiefere Depressionen mit einem heftigen 5:2, und das nicht mal, weil sie soviel besser gewesen wären, sondern weil der Trainingsanzugsproll Stevens einfach nichts kann, außer das Pech magisch anzuziehen, und nur weil Stuttgart noch schlechter ist und sich mit einem 6:0 von Augsburg abfertigen ließ, bleibt den Schalkern wahrscheinlich die Relegation erspart. Alles in allem also trübe Aussichten, denn es bleibt so wie es war. Die Plätze sind alle vergeben, Überraschungen wird es nicht mehr geben, und so soll es ja auch sein. Im Fußball darf es für die Verantwortlichen keine Überraschungen geben. Die sind das reine Gift. Alles läuft also nach Plan. Spannend wird die Liga deshalb nicht. Und man fragt, wer sich das alles eigentlich noch anguckt. Okay, ich und ein paar andere Unentwegte, aber man kann seine Zeit auch besser verbringen. Gottseidank war ich in Wien und aß im Café Engländer ein Schnitzel, wo man ohne Ton und sonstigem Rambazamba alles gucken kann, was man will, denn man ist der einzige. Das hat mich dann mit dem Spieltag doch wieder etwas versöhnt.

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Mainz hatte zuletzt Freiburg mit 5:0 versenkt, konnte also schlecht als irgendeine Gurkentruppe fehleingeschätzt werden. Dennoch wirkte Dortmund zunächst sehr aufgeräumt und zog sein schnelles Passspiel auf, ließ die Mainzer laufen und manchmal gelang ihnen sogar, was man in letzter Zeit selten gesehen hat, nämlich schnelle Vorstöße zur Grundlinie, um mit Pässen in den Rückraum einige gefährliche Situationen hervorzurufen. Und endlich gelang auch mal ein langer Pass in die Tiefe, der Dortmunds Stürmer Götze erreichte, weil zugegebenermaßen ein Mainzer den Ball falsch einschätzte. In diesem Fall war dieser Fehler tödlich, denn Götze schlug eine millimetergenaue Flanke in den Strafraum, wo Sancho souverän verwandelte. Das war schön anzusehen, genauso wie der schnelle Vorstoß von Delany und sein Rückpass wieder auf Sancho, dessen Direktabnahme noch von einem Mainzer unhaltbar ins Tor abgefälscht wurde. Obwohl man nach der letzten Pleite auf alles gefasst sein musste und dieser Spielverlauf alles andere als selbstverständlich war, fing ich bereits an, mich zu entspannen. Allerdings zu früh, denn in der zweiten Halbzeit dreht Mainz auf und ließ die Dortmunder nicht mehr wie in der ersten Halbzeit einfach spielen, sondern setzten sie unter Druck, und schon fingen die Borussen an zu wackeln. Es eröffneten sich zwar ein paar Konterchancen für die Dortmunder, aber häufig gingen sie eben kein Risiko, sondern brachen wieder ab, um sich wieder auf Ballkontrolle zu beschränken, was aber zunehmend nicht mehr funktionierte, weil die Mainzer das nicht mehr zuließen. Und daran konnte man sehen, wie fragil das Dortmunder Mannschaftgebilde z.Z. ist, wie anfällig es ist gegen kämpferische und laufstarke Mannschaften. Und wenn eine solche Mannschaft dann auch noch spielerisches Vermögen besitzt, dann geraten die Dortmunder wie zuletzt in München eben unter die Räder oder sind gegen Tottenham völlig ohne Chancen. Zum Glück ist Mainz in dieser Hinsicht etwas limitiert, aber sie hätten den Ausgleich noch geschafft, hätten sie noch ein paar Minuten länger Zeit dazu gehabt, denn je mehr sich das Spiel dem Ende zuneigte, desto mehr gerieten die Dortmunder ins Schwimmen und man musste die Einwechslung von Toprak zur Stablisierung der Abwehr schon als schlechtes Omen ansehen, denn als Favre ihn zuletzt aus diesem Grunde einwechselte kassierte Dortmund in der Schlussphase gegen Hoffenheim noch zwei Tore. Und das bahnte sich nun auch wieder an, als im Dortmunder Strafraum ein heilloses Chaos ausbrach, aus dem genausogut das 2:2 hätte passieren können. So landete der Ball in den Armen Bürkis, der zwar immer noch keine Abstöße kann, der aber auf der Linie zu einem der sensationellsten Keeper in der Liga gehört. Wenigstens konnte Gladbach mal wieder punkten und zwar in Hannover bei der Absteigern, die den Gladbachern das Leben zum glücklichen 1:0-Sieg erstaunlich schwer machten. Leipzig eilt von Sieg zu Sieg, diesmal gegen Wolfsburg und ist den Dortmundern weiterhin auf den Fersen. Auch Bremen liegt gut im Schlussspurt dieser Saison und machte gegen Freiburg drei Punkte, wie überhaupt alle Mannschaften auf den internationalen Plätzen gewonnen haben, weshalb der Sieg des BVB ein reiner Pflichtsieg war, mit dem man einfach nur den Abstand zu den Konkurrenten gehalten hat, aber es sind immer noch 15 Punkte im Topf.

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Von einer Demonstration der Stärke der Bayern war in allen Medien zu lesen und zu hören, in Wirklichkeit aber war es eine Demonstration der Schwäche des BVB. Nicht, dass die Bayern nicht gut gespielt hätten, aber sie fanden einen Gegner vor, der aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, völlig katastrophal spielte, wie Reus nach dem Spiel auch sofort zugab. Etwas anderes gab es auch nicht zu sagen, denn erst durch das schwache Dortmunder Spiel konnten die Bayern so auftrumpfen, eine Gelegenheit, die sie sich natürlich nicht entgehen ließen. Noch in der letzten Kolumne habe ich darüber gelästert, dass die Wolfsburger sich von den Bayern haben abfertigen lassen, während sie in Dortmund nahe dran waren, mit einer starken Leistung ein Unentschieden zu erzwingen, jetzt machten die Dortmunder es ihnen nach und zeigten damit, dass sie nahtlos an ihre schlechten Leistungen in den letzten Wochen anknüpften, während man als Fan immer hoffte, dass es die defensiv eingestellten Gegner wären, die die Dortmunder nicht ihre Glanzleistung abriefen ließen, und man sich gegen einen guten Gegner beweisen könne. Alles Makulatur. Von Anfang an hatte sich eine tiefe Verunsicherung über alle Dortmunder Spieler gelegt, und nur einmal blitzte so etwas wie Können auf, als Reus nach einem Steilpass von Bruun Larsen von der Torauslinie zurückpasste, aber Dahoud das riesige Tor nicht traf. Wäre das 1:0 gefallen, wäre es ein anderes Spiel geworden, sagten manche, die sich an einen Strohhalm klammerten, aber es wäre kein anderes Spiel geworden, denn Bayern spielte aggressiv, nah am Mann, mit Pressing, mit unbedingtem Willen. All das ließ der BVB völlig vermissen. Es gibt dafür ein paar Gründe, aber keine Erklärung: Dass Alcacer und der in den letzten Spielen beste Mann Guerreiro verletzt fehlten, dass der lange verletzte Piszczek statt Wolf spielte und aufgrund des Trainingsrückstandes mit dem schnellen Coman nicht mithalten konnte, dass Reus in der Spitze spielte und nicht auf seiner eigentlichen Position, dass Dahoud hinter den Spitzen spielte und ein Totalausfall war, dass Zagadou völlig von der Rolle war und Fehler um Fehler machte. Einiges davon ist Favre anzukreiden, der personell schon häufiger eher rätselhafte Entscheidungen getroffen hat. Aber es ist nicht das erste Mal, dass der BVB in München so untergeht, und auch Klopp und Tuchel kamen mit dem BVB dort unter die Räder, aber selten spielte eine Dortmunder Mannschaft in München so beteiligungslos, so völlig ohne Leidenschaft, was sich auch an der Laufleistung zeigte, als wollte man sich für das nächste Spiel schonen. Wenn ein schwaches Flämmchen der Hoffnung auf die Meisterschaft aufflammte nach dem schmeichelhaften 2:0 gegen Wolfsburg und dem unverhofften 1:1 der Bayern in Freiburg, dann war sie schnell wieder gelöscht. Jetzt muss der BVB aufpassen, in den restlichen Spielen nicht unter die Räder zu kommen und den Leipzigern noch Platz 2 abzutreten, denn das Restprogramm hat es in sich. Zunächst geht es gegen Mainz, die 5:0 in Freiburg gewonnen haben. Nicht anzunehmen, dass dieses Spiel ein Selbstläufer wird. Immerhin gibt es auch zwei schöne Ergebnisse an diesem trüben Spieltag, ein 2:1-Sieg der Frankfurter auf Schalke in der Nachspielzeit und ein 2:1-Sieg von Düsseldorf in Berlin, aber schon sechs Spieltag vor Saisonende ist es nicht nur im Kampf um den Abstieg, sondern auch um die Meisterschaft wieder so langweilig geworden wie immer.

Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Ein schönes Spiel war es nicht, das die Dortmunder zu Hause gegen Wolfsburg ablieferte, und als in der Nachspielzeit Alcacer dann doch noch zwei erlösende Tore zum 2:0 schoss, war der Sieg nicht wirklich verdient, aber die Tore verschafften nicht zuletzt deshalb eine große Befriedigung, weil die Dortmunder den Plan der rückgratlosen Wolfsburger, Bayern zur Meisterschaft zu verhelfen, durchkreuzten. Nur drei Wochen vorher hatten die Wolfsburger sich von den Bayern derart willenlos mit sechs Toren abfertigen lassen, dass man kaum schiefliegen dürfte, wenn man von einer massiven Wettbewerbsverzerrung ausgeht, denn in den ersten zehn Minuten hatten die Wolfsburger schon mehr Fouls gespielt als im gesamten Spiel gegen Bayern, denen man für die Tore freundlichen Geleitschutz gewährte. Im Spiel gegen Dortmund jedoch waren die Wolfsburger plötzlich wachsam, defensiv stark, kombinationssicher und laufstark, also alles, was man gegen Bayern nicht war. Dortmund allerdings hatte auch nicht gerade seinen stärksten Tag erwischt. Schnelle Vorstöße ließ man vermissen und wenn man den Ball hatte, versuchte man ihn erstmal zu sichern. Schnelle Kombinationen nach vorne verhedderten sich regelmäßig in der dicht stehenden Abwehr der Wolfsburger und es dauerte 19 Minuten, bis die Dortmunder zum ersten Mal gefährlich vor das Wolfsburger Tor kamen. Zu diesem Zeitpunkt musste Bürki einmal schon alles aufbieten, um mit einer Glanzparade die Wolfsburger Führung zu verhindern. Ansonsten glänzte er wieder einmal mit seinen Abstößen, die regelmäßig völlig missglückten. Der größte Aufreger im Westfalenstadion in der ersten Halbzeit war das 1:0 der Freiburger gegen die Bayern. Aber als die Zuschauer schon entnervt aufbrechen wollten und sich bereits mit einem unattraktiven torlosen Remis abgefunden hatten, machte Alcacer mit einem Freistoß aus 17 Metern zentral ins Tor das 1:0, ein Torwartfehler des ansonsten souveränen Casteels. Ein weiterer Fehler eines Wolfsburgers leitete einen Konter in der 94. Minute ein, den nach Vorlage von Sancho wiederum Alcacer zum 2:0 Endstand nutzte. Aber auch die Bayern hatten einen schlechten Tag erwischt und erreichten nur ein 1:1 gegen Freiburger, gegen die auch die Dortmunder leider noch antreten müssen. Der BVB hat jetzt zwar wieder zwei Punkte Vorsprung, aber das kann sich schnell wieder ändern, denn nächste Woche geht es nach München, wo die Bayern alles daransetzen werden, um wieder auf Platz eins zu kommen, denn es wird das vorentscheidende Spiel für die Meisterschaft sein. Vielleicht kann dann Reus ja wieder daran teilnehmen, der gegen Wolfsburg sich freigenommen hatte, weil er lieber seine Zeit im Kreißsaal verbringen wollte. Wenn das Spiel der Dortmunder allerdings wirklich so extrem von Reus abhängig sein sollte, dann ist man noch weiter von der Meisterschaft entfernt als sich bisher annehmen ließ. Auch nicht schön war die fast schon kuriose und schnelle Niederlage der Gladbacher in Düsseldorf, wo man die meisten Punkte gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte holte. Jetzt haben die Gladbacher den CL-Platz so gut wie verloren und langsam sollte Ebel ein Licht aufgehen, dass Dieter Hecking vielleicht nicht der richtige Mann ist. Immerhin ist Bremen auf dem Vormarsch und befindet sich seit der Winterpause ungeschlagen inzwischen schon auf einem internationalen Platz.

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Hertha hat im Spiel gegen den BVB alles versucht. Sogar der Platz war, wie Favre sagte »für die Pferde«, glich also eher einem Acker als einem Rasen, auf dem sich technisch versierte Spieler entfalten können. Die Berliner hatten damit weniger Probleme, weil sie sowieso nur vorhatten zu kämpfen, zu grätschen und zu rempeln. Aber das sind die Dortmunder mittlerweile gewohnt, dass man gegen sie mit allen Mitteln zu Werke geht. Der Schiedsrichter hatte einen großzügigen Tag und ließ mehr laufen als dem Spiel gut tat. Gleich in der 4. Minute patzte Bürki und ließ einen haltbaren Schuss vor die Füße Kalous abprallen, der den Ball nur einzuschieben brauchte. Wieder eins von den Geschenken, die Dortmund in der letzten Zeit großzügig an die Gegner verteilt. Delany, der ohne seinen an einem Muskelfaserriss verletzten Partner Witsel spielen musste, schnappte sich dann an der Mittellinie den Ball und schleppte ihn bis zum Sechzehner, ohne dabei gestört zu werden, schoss einen Berliner an, von dem der Ball in einer schönen Bogenlampe über den Torwart hinweg ins Tor abgefälscht wurde. Noch vor der Pause ging Hertha wieder in Führung durch einen Handelfmeter, der mal wieder ziemlich umstritten war, denn Weigl wurde aus kurzer Distanz angeschossen, wobei seine Hand instinktiv sein Gesicht schützte. Direkt nach der Pause kam der BVB überraschend stark aus der Kabine und machte sofort Druck und erspielte sich riesige Chancen, aber nur ein Kopfball von Zagadou nach Ecke von Sancho ging ins Tor. Aber auch die Hertha hatte einen Pfostentreffer und hätte durchaus noch ein Tor erzielen können. Die Dortmunder hingegen gingen wieder unglaublich verschwenderisch mit ihren Möglichkeiten um, so dass die Hoffnung auf einen Sieg immer mehr schwand, denn die Berliner nahmen sich immer mehr die Dortmunder Gefahrenquelle Nr. 1 vor und bearbeiteten Sancho mit allen Mitteln, bis schließlich der Schiedsrichter gezwungen war, Torunarigha nach einigen üblen und taktischen Fouls vom Platz zu stellen. Und wieder war es Sancho, der in der 92. Minute in unnachahmlicher Art den Ball zwischen zwei Herthanern zu Reus durchsteckte. Mit einer Direktabnahme beförderte der den Ball ins rechte untere Toreck. Dass die Berliner schlechte Verlierer sind, bewies der eingewechselte Ibisevic, der den Ball aus Ärger über angebliche Spielverzögerung Bürki an den Kopf warf. Aber dann war das Spiel aus, und man hatte gegen unangenehme Berliner drei Punkte einkassiert, die vor allem gegen Spitzenmannschaften gerne mal punkten und auch schon den Dortmundern die ein oder andere unangenehme Niederlage zufügten. Und auf Schalke fällt den Verantwortlichen nach dem 7:0-Abschied aus der Championsleague gegen Manchester City nichts anderes ein, als den alten prolligen Holzkopf aus den Niederlanden Stevens zu engagieren, der zum Einstand zu Hause auch gleich 1:0 gegen Leipzig verlor. Jetzt sind es noch drei Punkte auf den von Stuttgart gehaltenen Relegationsplatz, die immerhin zu Hause einen Punkt gegen Hoffenheim ergatterten. Auch Gladbach schwächelt. Nach drei Heimniederlagen in Folge schafften sie auch gegen Freiburg keinen Sieg zu Hause, so dass die Frankfurter Eintracht bei einem Sieg gegen den Club ihnen bis auf einen Punkt auf die Pelle rücken kann.

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Nach dem Desaster in Augsburg schien es plöztzlich nicht mehr unmöglich, dass der BVB auch zu Hause gegen Stuttgart Federn lassen würde. Und genauso sah es zunächst auch aus. Wieder rannten die Dortmunder an, schnürten den Gegner ein, kombinierten, aber eine richtige Torchance sprang nicht heraus. Und als es nach einer Stunde immer noch 0:0 stand, schwand zunehmend die Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern könnte, bis Sancho in den Strafraum dribbelte und vom Ex-Kollegen Castro gefoult wurde, aber wenn der großzügige Referee nicht einen Tip aus Köln bekommen hätte, wäre den Dortmundern wie auch ein weiteres Mal in der Partie der Elfer versagt worden. So schoss Reus das erlösende 1:0. Eine Stunde hatten die Dortmunder für das Tor gebraucht. Stuttgart brauchte zehn Minuten, dann stand es nach einem Standard und nach einem katastrophalen Stellungsfehler 1:1 und alles konnte von neuem beginnen. Der 2. Treffer für die Borussia entstand aus dem Gewühl heraus, und nur das 3:1 war endlich wieder mal das Ergebnis einer wunderschönen Kombination. Die Mühe, die es dem BVB z.Z. bereitet, ein Spiel gegen eine nominell schwache Mannschaft zu gewinnen, der es per Kampfgeist gelingt, die Dortmunder in die Bredouille zu bringen, lässt einen ziemlich skeptisch werden, vor allem, wenn willenlose Wolfsburger sich von Bayern mit 6:0 abfertigen lassen, was schon an Wettbewerbsverzerrung grenzt, denn so schlecht dürfte die VW-Truppe nicht mal in der Regionalliga spielen, um nicht stark abstiegsgefährdet zu sein. Jetzt hat Bayern dank des um zwei Tore besseren Torverhältnisses die Nase wieder vorn, die ihre Schwächephase zum richtigen Zeitpunkt hatten, die Dortmunder zum falschen. Aber immer noch hat der BVB 11 Punkte Vorsprung vor Gladbach, die auf Platz 3 stehen und hat sich so gut wie sicher für die CL qualifiziert, was ja schon längst das Wesentliche ist für einen Verein. Zudem geht es Dortmund im Vergleich immer noch gut, denn auch Klopps Liverpool hat einen 7-Punkte-Vorsprung in der Premier-League verspielt und ihm droht zudem mit ziemlicher Sicherheit das Aus bei den Bayern in der CL, so dass sich die Reds dann zu den großen Vereinen zählen dürfen, die in der CL schon im Achtelfinale ausgeschieden sind, wie Real Madrid und Paris. Und das ist bei diesen Mannschaften besonders schön, denn es zeigt die schöne Unberechenbarkeit des Spiels, die noch jede von Geld gesteuerte Planung durchkreuzt. Real Madrid steht jetzt sogar vor einem Scherbenhaufen, weil der machtbesessene Präsident Perez nach dem peinlichen 4:1 gegen Ajax Amsterdam die Mannschaft zusammenstauchte und jetzt Ramos mit einem Rausschmiss drohte, weil der ihm Widerworte gegeben hatte. „Dann zahl mich aus und ich bin weg“, hatte der mit einem mehrjährigen Vertrag ausgestattete Ramos gesagt und man darf gespannt sein, ob Perez sein letztes Alpha-Tierchen wird ziehen lassen. Da sind die Probleme des BVB doch fast schon peripher. Dort gibt es zwar Watzke, der angeblich sogar ganz gut mit Perez kann, was einen nicht wirklich wundert, der aber zumindest weiß, dass er mit dem Stil den Verein vor die Wand fahren würde, was in gewisser Weise der Vorteil eines sauerländischen, bodenständigen Unternehmers ist, gleichzeitig aber bedeutete, dass es das große Drama, das in Madrid gerade aufgeführt wird, in Dortmund nicht geben wird. Tatsächlich gab es das ja schon mal. Damals aber gewann man die CL. Ein paar Jahre später war man pleite. Heute wird einem weder das eine noch das andere passieren.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Kurz durfte man sich vor einer Woche Hoffnung machen, dass es im Meisterschaftskampf spannend bleibt, dass es nicht nur eine One-team-Show der Bayern wird, als der BVB gegen zuletzt gut aufgelegte Leverkusener 3:2 gewann. Aber das Spiel enthielt alarmierende Zeichen, denn wenn eine Mannschaft fast 20 Minuten lang eingeschnürt wird und kaum an den Ball kommt, dann lässt sich nicht gerade von einem souveränen Sieg sprechen. Und gleichzeitig gab es das unerklärliche Kippen des Spiels, als wie aus dem Nichts, die Dortmunder plötzlich gut kombinierend nach vorne spielten. Aber in Dortmund kennt man das, denn das ist der Systemfehler bei Bosz, den die Dortmunder in diesem Fall mal zu ihren Gunsten ausnutzen konnten, waren sie doch selbst lange genug Opfer dieser Spielweise. Jetzt aber nach der 2:1-Niederlage in Augsburg sieht man klarer. Sicher tut sich der BVB schwer gegen tief und in der Abwehr dicht stehende Mannschaften, sicher hatte man etliche Großchancen, die man in Tore hätte verwandeln müssen, sicher spielte man überlegen und mit großem Ballbesitz, aber wie ein großer Fußballphilosoph mal gesagt hat, es gewinnt diejenige Mannschaft, die weniger Fehler macht. Aber es lag eben auch daran, dass Dortmund wieder einmal gegen eine unterlegene, aber leidenschaftliche kämpfende Mannschaft kein Mittel fand, weil die bereit war, zehn Kilometer mehr zu laufen und sich in jeden Zweikampf stürzte. Reus, der darauf angesprochen wurde, sagte zwar durchaus nachvollziehbar, dass es nicht darauf ankäme, mehr zu laufen, wenn man meistens den Ball hat, sondern die Zwischenräume richtig zu besetzen, aber wenn man das offenbar nicht schafft, dann sollte man den Kampf annehmen, dann sollte man auch ins Risiko gehen und schnell spielen, statt den Ball erstmal zu sichern, man sollte pressen und drücken, wie man es in den letzten fünf Minuten gemacht hat. Kann sein, dass man dann möglicherweise, wenn es dumm läuft, spektakulär verliert, aber die Chance ist relativ gering, wenn der Gegner Augsburg heißt, der nicht mal einen Lukebakio in seinen Reihen hat, also eine schnelle, gefährliche Spitze, mit der die Düsseldorfer Schalke ins Debakel stürzten. Jetzt dürften die jungen Spieler, allen voran Hakimi, der in den letzten Spielen mit krassen Fehlern mindestens vier Gegentore verschuldete, so verunsichert sein, dass auch für die nächsten Spiele nichts mehr zu erwarten ist, denn ein Spiel besteht nun mal zu 50 % aus Psychologie, und wenn eine unbewusste Blockade vorhanden ist, dann kriegt man vorne auch keine Tore mehr rein, egal wie groß die Chancen sind, die einem der in der Regel ja schwache Gegner anbieten, und ein solcher waren die Augsburger, die seit 14 Spielen nicht mehr gewonnen haben. Bayern hingegen hat die alten Verhältnisse wieder hergestellt und Gladbach mit 5:1 abgekanzelt. Man ist jetzt punktgleich und fast hätte man auch den Torvorsprung der Dortmunder egalisiert. Aber das wird sich schon nächste Woche ändern, wenn der VfB nach Dortmund kommt. Wieder eine Mannschaft, die ihre gewonnenen Spiele an einer Hand abzählen kann, ihr Heil in der Abwehr suchen wird und für die sich der BVB als Aufbauhelfer betätigen kann. Dafür hat die Eintracht mit einer leidenschaftlichen Leistung, der man den Glauben an die eigenen Möglichkeiten ansieht, das Spiel gegen Hoffenheim noch in der 96. Minute gedreht. Auf Schalke hingegen herrscht Weltuntergang nach dem 4:0 zu Hause gegen Düsseldorf, wo man zum letzten Gefecht aufrief, dann aber einen blamablen Auftritt hinlegte, der in die Geschichte des Vereines eingehen wird. Nachdem Heidel schon hingeworfen hat, wird die erste Handlung seines Nachfolgers wohl darin bestehen, Tedesco zu entlassen, der einfach nicht einsehen will (»Ich bin keiner, der sich verpisst!«), dass sein Team mit ihm nichts mehr anzufangen weiß.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Nachdem die Dortmunder wegen ihrer sorglosen Art, sich Tore zu fangen, im letzten Spiel in Nürnberg vor allem darauf bedacht waren, sich keinen Konter einzufangen, worunter dann allerdings auch die Offensive litt, die zwar engagiert, aber ohne Ideen spielte, auch irgendwie gebremst, nie wirklich befreit, nachdem den Dortmundern also zuletzt nur ein torloses Remis gelang, da war es amtlich: der BVB steckt in der Krise nach dem dritten Unentschieden in der Liga. Ist es wirklich nur deshalb, weil Reus fehlt, ist er wirklich, wie Watzke sagte, so unersetzlich wie Messi für Barcelona, der in Sevilla drei Zaubertore machte? Oder liegt es an der Unerfahrenheit der Spieler, die einen Leistungsknacks nicht so gut wegstecken können wie die Routiniers aus Bayern, die zwar schlecht spielten, aber trotzdem 1:0 gegen Hertha gewannen? Wahrscheinlich ist es so. Jedenfalls können die Dortmunder den Ausfall ihrer Routiniers wie Reus und Piszczek weniger gut verkraften als die Bayern, die sowieso nur Routiniers in ihrer Mannschaft haben. Und vor allem haben jetzt alle Mannschaften das Erfolgsrezept der Dortmunder entschlüsselt, sie wissen, dass man einen Sancho erst gar nicht zur Entfaltung kommen lassen darf, dass man die Räume so verdichten muss in einer disziplinierten Verteidigung, dass man dem Gegner das Gefühl gibt, auf Granit zu beißen, aber auch Tottenham wusste, wie man den Dortmundern zu Leibe rücken kann, nämlich durch ständiges Pressing, das die Dortmunder in der Liga nicht gewöhnt sind, wo sich der Gegner in der eigenen Hälfte einigelt. Eigentlich schade. Es hätte ein schöner Traum sein können, auch wenn das eigentliche Wunder darin besteht, dass Dortmund mit dieser Mannschaft überhaupt so weit kam. Aber vielleicht hilft es noch ein bisschen, wenn der BVB sich demnächst ganz auf die Liga konzentrieren kann. Das kurzzeitig als Mitfavorit um den Titel geltende Gladbach geht es wesentlich schlechter. Schon zum 2. Mal in Folge verloren sie ihr Heimspiel, diesmal gegen Wolfsburg, vor denen man sich eigentlich nicht zu fürchten braucht, aber wie das manchmal eben so ist, ging alles schief. Gladbach machte das Spiel, Wolfsburg die Tore, womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es im Fußball alles andere als gerecht zugeht. Gerecht und sehr logisch hingegen verlief das Spiel der Schalker in Mainz, wo die Blauen sang- und klanglos mit 3:0 untergingen, nachdem jeder schon dachte, das kurze Aufflackern gegen Manchester City, gegen die man zwei Elfer verwandelte, auch wenn man 3:2 verlor, würde sich vielleicht in der Liga positiv auswirken. Diese schwache Hoffnung zerstob schnell und verwandelte sich kurz vor Spielende in einen Scherbenhaufen, als durchsickerte, dass Sportdirektor Heidel seine Mission offenbar als gescheitert ansah und gekündigt hatte. Er will seinen Sessel räumen, sobald Schalke Ersatz gefunden hat. Und der Ersatz, für den die Grinsekatze Olaf Thon eigentlich prädestiniert wäre, weil er schon als »Experte« sein fußballerisches 08-15-Wissen unter Beweis gestellt hat, wird tun, was alle tun würden, nämlich Tedesco entlassen. Und das wäre vermutlich nicht mal falsch. Freiburg hingegen hatte zu Hause mit einem 5:1 gegen den direkten Konkurrenten um die unteren Tabellenplätze Augsburg einen glanzvollen Auftritt. Besonders spannend dürfte es im Kampf um den Abstieg nicht mehr werden, denn Nürnberg schaffte es nicht, sein Abwehrbollwerk in Düsseldorf ähnlich effektiv zu gestalten wie gegen den BVB und verlor 2:1. Und Hannover ist auch mit von der Partie.

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Die erste Generalprobe der deutschen gegen die englischen Mannschaften in der Champions-League ging für den BVB mit einem ziemlich eindeutigen 3:0 gegen Tottenham schon mal total daneben, nachdem man in der Bundesliga nach einer 3:0-Führung gegen Hoffenheim innerhalb von zwölf Minuten ein 3:3 hinnehmen musste. Bayerns letzter Auftritt in Augsburg vor der Begegnung mit Klopps Liverpool endete zwar mit einem knappen 3:2-Sieg, aber überzeugend war er auch nicht, noch dazu verletzte sich Coman am Sprungelenk, das bei Coman besonders anfällig ist, weshalb er bereits darüber nachgedacht hat, seine Karriere zu beenden, bevor das Martyrium kein Ende nehmen sollte. Er ist bei den Bayern gerade besonders wichtig, trug er doch gleich zwei Tore in Augsburg zum Sieg bei, in dem es für die Bayern ganz und gar nicht danach aussah, als würde ihnen die Siege nur so in den Schoß fallen, vor allem, nachdem Goretzka gleich in der Anfangsphase ein Eigentor fabrizierte. Gegen die Reds traut ihnen niemand allzu Großartiges zu, die Favoritenrolle hat eindeutig Liverpool, d.h. Bayern kann eigentlich nur gewinnen und leider haben sie oft genug bewiesen, dass sie dann besonders stark sind, während den Dortmundern die Favoritenrolle überhaupt nicht gut bekam, um so mehr als Harry Kane und ein paar seiner Kollegen verletzt waren. Die Chancen der Bayern sehen also gar nicht so schlecht aus, während man bei den Schalkern tatsächlich ein Desaster erwarten darf, denn das extrem spielstarke Manchester City hat es mit einer Elf zu tun, der in der Liga noch ein einziger glanzvoller Auftritt gelungen ist, an dem man sich klammern könnte im Sinne von, es geht doch. Es geht eben nicht, nicht mal gegen Freiburg, gegen die man mit Glück ein torloses Remis zustande brachte. War man in der ersten Halbzeit noch ein bisschen überlegen, biss sich aber an der disziplinierten Abwehr der Freiburger die Zähne aus, dezimierten sich die Schalke nach einem üblen Foul von Serdar an Frantz selbst. Ein Spiel, in dem der Schiedsrichter im Mittelpunkt steht, ist nie besonders attraktiv, aber das ist die einzige Chance, die Schalke z.Z. hat. In der 2. Hälfte nutzten die Freiburger ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus, weil sie spürten, dass durchaus drei Punkte drin waren, aber Freiburgs Innenverteidiger Lienhart brachte das Kunststück fertig, aus einem Meter Entfernung über das Tor der Schalker zu köpfen. Hoffenheim tat sich mit einem 3:0 gegen Hannover gütlich, vergaben aber Chancen für ein 8:0. Dolls Versuch, den dürftigen Sieg Hannovers gegen die noch schwächeren Nürnberger in der letzten Woche, als Aufbruch zu interpretieren, indem er sagte, seine Mannschaft hätte sich noch nicht aufgegeben, war nur ein frommer Wunsch. Man kann jetzt schon nichts mehr gewinnen, wenn man auf den Abstieg Hannovers setzt, während man bei Nürnberg gespannt sein darf, denn dort hat Marek Mintal, der Schatten, den glücklosen Köllner abgelöst. Wenn es heute abend gegen Dortmund geht, dann wird für beide Mannschaften das Spiel richtungsweisend sein, wobei ein Sieg der Dortmunder zwar Pflicht ist, aber es bei ihnen darauf ankommt, wie sie den Sieg errungen haben werden: Ob mit Kampf und Krampf oder überzeugend. Ein schönes Spiel wird es nicht, das glanzvolle 7:0 für den BVB aus der Hinrunde wird es nicht mehr geben.

Bei Gremliza piept die Altermeise

Der von Wiglaf Droste als »Comandante Redundante« verspottete und als solcher in die Geschichte des Journalismus eingehende Hermann L. Gremliza funkt wieder (in Konkret 2/19) aus seinem Bunker in der Hamburger Ehrenbergstraße und schmäht die taz als »zum Seniorenheim gereiftes Blatt«, was immerhin ein Fortschritt ist, denn bislang galt die taz in der Sprachregelung Gremlizas als »Kinder-FAZ«, ein Witz mit inzwischen 20 Jahre altem Bart. In manchen seiner Gespräche, die er »Gremlizas Gespräche« nennt und die in der Konkret erscheinen (in Buchform noch unveröffentlicht), beschleicht einen manchmal das Gefühl, er gehöre selbst dem Seniorenheim an, wo Gremliza mit seinem »Ich habs ja schon immer gewusst« der taz und den anderen Insassen schwer auf die Nerven geht, vor allem, wenn er sich mit dem Gestus »wie ich schon vor 100 Jahren schrieb« in die Brust wirft und das überall sich herumtreibende »Journalisten-Gesindel« im schneidenden Ton der Anklage zurechtweist. Rechthaberei gehört zum pathischen Bild eines Menschen, der sich nicht ausreichend gewürdigt fühlt, weil er den Karls-Preis immer noch nicht bekommen hat, und der deshalb der schwindenden Zuschauerschaft immer aufs neue beweisen muss, wie bedeutend er ist.
Dafür gibt ihm im gleichen Blatt der Tod eines seiner Autoren, Wolfgang Pohrt, eine neue Gelegenheit. Zunächst ärgert er sich darüber, dass die Nachrufe (Tagesspiegel, Spiegel, FAZ, taz, FAS, junge Welt, Neues Deutschland, jungle world) den Eindruck erweckt haben, es würde sich bei Pohrt »um einen der bedeutendsten Gesellschaftskritiker des Landes« handeln, denn wer das in Wirklichkeit ist, steht für Gremliza selbstverständlich außer Frage. Der Neid auf die fast durchgehend kenntnisreichen Nachrufe, lässt Gremliza behaupten, die Nachrufer hätten doch Zeit seines, also Pohrts Leben nur dann Notiz von ihm genommen, wenn »eine seiner Polemiken geeignet schien, eine antideutsche Linke … in deutschem Interesse zu denunzieren.« Wen und was der damit meint, bleibt im Dunkeln, aber mit Sicherheit würde der Denunziationsvorwurf zutreffen, würde er mal seine eigene Zeitung oder seine eigenen Artikel lesen, was man als Herausgeber hin und wieder mal tun sollte. Denn dort stand in der Ausgabe 5/12 u.a. als Reaktion auf der Ärger, dass Pohrt ein Konkret-Streitgespräch als »sinnfreies akademisches Geschwätz« bezeichnet hatte, er würde sich so anhören, als sei er »Franz Josef Wagner« und »Hans-Olaf Henkel« gleichzeitig, würde eine »Pension als Professor« verzehren und sein »Bundesverdienstkreuz« polieren.
Aber wenn schon der Anschein entsteht, Pohrt sei einer »der bedeutendsten Gesellschaftskritiker des Landes«, weshalb fällt da kein Glanz für Gremliza ab, der doch »so manche Karriere erst ermöglicht (hat), auch meine bescheidene eigene«, wie Pohrt in einer privaten Mail an Gremliza 2014 einmal geschrieben hat? Pohrts Pech, denn Gremliza veröffentlichte statt eines Nachrufs, in dem er mal etwas zu seinen Konflikten mit Pohrt hätte sagen können, zwei Seiten »aus ca. 250 Seiten des unveröffentlichten Mailwechsels«, in denen Gremliza ausnahmsweise mal nicht den Mief des Eigenlobs verbreitet, sondern von Pohrt sich umschmeicheln lassen kann: »Im Vergleich zu mir sind Sie jung geblieben«, »ein Kompliment muss ich Ihnen machen«. Und Gremliza sonnt sich in den Komplimenten, denn hier geht es um ihn, nicht um den verstorbenen Pohrt, den er zum seinem Laudator herabwürdigt und der mit dem Abdruck des Mailwechsel kaum einverstanden gewesen sein dürfte, und zwar nicht, weil er darin Gremliza auf die Schulter klopft, sondern weil der Mailwechsel nichts enthält, was von irgendeinem über das Private hinausweisenden Interesse ist. Das ist nicht einfach ADS, sondern Schäbigkeit, Hybris, Narzissmus und zeigt vor allem, wie wenig er von seinem wichtigsten Autor hält.
Auf diese Weise immer nur mit seiner eigenen Bedeutung beschäftigt zu sein, darüber hätte sich Karl Kraus tot gelacht. Gremliza ist inzwischen zu einem Anwärter auf den von ihm selbst ins Leben gerufenen Karl-Kraus-Preis geworden, aber er wird die Bedingungen, die an die Verleihung des Preises geknüpft waren, so wenig erfüllen wollen wie damals Günther Wallraff, dem er den Presi damals antrug, nämlich aufzuhören, Blödsinn zu schreiben und im Falle Gremlizas, sich selbst zu beweihräuchern. Dabei gäbe es mit Wiglaf Droste einen guten Laudator. Vor 20 Jahren schrieb er in der taz über Gremliza: »Als nächstes wird der Mann bei sich selbst anrufen und einen empörten Artikel darüber schreiben, dass dauernd belegt ist.« Heute allerdings würde Gremliza keinen empörten Artikel mehr darüber schreiben, sondern das Piepen als Beweis dafür nehmen, dass er der wichtigste Gesellschaftskritiker des Landes ist. Was da aber piept, ist nur die Altermeise.