Die Wahrheit über den 33. Spieltag

Nach den vielen Aufregungen, von denen ich weiße Haare bekommen hätte, wären sie das nicht schon lange, war es erholsam, mit der Gewißheit in die Respectbar zu gehen, daß es ein ruhiger Nachmittag werden würde, weil es weder für Dortmund noch für Wolfsburg um irgendetwas ging. Der BVB hätte zwar theoretisch von Leverkusen von Platz zwei verdrängt werden können, aber dazu hätte Leverkusen einen Zwölftorerückstand aufholen müssen, und das war alles andere als wahrscheinlich in zwei Spielen. Nach dem 3:3 in Wolfsburg waren das alles nur noch Zahlenspiele. Dortmund war nach einer Standardsituation schnell in Führung gegangen, aber das war schon häufiger in dieser Saison kein gutes Omen. Wolfsburg spielte mit einem genialen Diego trotz signifikanter Heimschwäche richtig gut auf und machte innerhalb von zwölf Minuten drei Tore. Man fühlte sich schon an das unselige Hinspiel in Dortmund erinnert, aber damals war es vor allem Pech, diesmal spielten die Dortmunder so schlecht, wie ich das schon seit Jahren nicht mehr erlebt habe, obwohl nur Subotic und Kuba geschont wurden, dessen Hereinnahme in der 2. Halbzeit sofort Schwung ins Spiel brachte. Santana hingegen war ein Unsicherheitsfaktor besonderer Art, der es sogar schaffte, völlig unbedrängt den eigenen Torpfosten zu treffen. Aber auch sonst klappte gar nichts und man fühlte sich wieder in dunkle Zeiten zurückversetzt, denn auch einem Reus, Sahin oder Lewandowski gelang nur wenig, schon gar kein Zusammenspiel. Immerhin versöhnte die zweite Halbzeit, weil sich die Dortmunder nun ins Zeug legten und Reus zwei schöne Treffer zum Ausgleich gelangen. Schalke hingegen brachte seinen 4. Platz durch eine Heimniederlage gegen Stuttgart in Gefahr. Das haben nicht viele Mannschaften in dieser Saison geschafft. Davon profitierte Freiburg, die jetzt bis auf einen Punkt an den CL-Qualifikationsplatz herangekommen sind. Freiburg hat es jetzt in der Hand, denn am letzten Spieltag empfangen sie zu Hause Schalke, d.h. es gibt ein direktes Duell um Platz vier. Freiburg in der Champions-League wäre in jedem Fall eine schöne Sache, und jeder der zahlreichen Abwanderer wird sich dann vielleicht in den Arsch beißen, weil sie bei Vereinen angeheuert haben, die nicht mal Euroleague spielen. Frankfurt hingegen war so nobel und ermöglichte mit einem Unentschieden in Bremen den Werderanern den Klassenerhalt, was dort wie eine Meisterschaft gefeiert wurde. Die Eintracht könnte bei dem Direktduell der lachende Dritte sein, aber dazu müssen sie allerdings erstmal gegen Wolfsburg gewinnen, die leider gerade richtig gut spielen. Egal jedenfalls, ob Freiburg oder Schalke gewinnt, hätte Frankfurt die Euroleague sicher. Aber auch für Hamburg ist noch was drin, wenn sie es zu Hause gegen Leverkusen schaffen, und da fängt es an, sehr witzig zu werden, denn die Hamburger haben eine so schlechte Saison gespielt, daß man schon dachte, sie würden absteigen, und dann stellt man plötzlich fest, daß so eine Mannschaft in Europa mitspielen darf. Das wird aller Voraussicht nach ein sehr kurzes Intermezzo.