Die Wahrheit über das CL-Halbfinalrückspiel gegen Real Madrid

Das rauschhafte 4:1 Hinspiel, als der BVB Real Madrid an die Wand spielte, war nur für Leute ein sicheres Polster, die keine Ahnung haben vom Fußball, denn so desorientiert die Madrilenen im Westfalenstadion auftraten, so wäre es bestimmt nicht das erste Mal gewesen, daß ein Gegner mit 3:0 nach Hause geschickt worden wäre. Und Mourinho und seine Spieler wußten, was auf dem Spiel stand. Mourinho hätte gerne an seinem Mythos weitergestrickt, der größte und beste zu sein, und sich mit dem 3. Champions-League-Titel mit einer anderen Mannschaft zu Abramowitsch‘ Chelsea verabschiedet, aber jetzt ist er gegen einen Newcomer ausgeschieden, der sich nicht vor einer Truppe aus großen zusammengekauften Stars versteckt, sondern ihr System spielt, das jetzt immer mehr Nachahmer findet. Und es war klar, daß auch die Realspieler Rache nehmen wollten für eine der höchsten Niederlagen in ihrer glorreichen Geschichte. Und das taten sie dann auch. Allen voran Sergio Ramos, der Lewandowski gleich mehrmals mit dem Ellbogen voraus wegrammte, ohne dafür auch nur einmal gelb zu kriegen. Überhaupt verteilte der bullige und sehr souverän wirkende Schiedsrichter nach einem sehr undurchsichtigen System die Karten. Ramos hätte schon lange nicht mehr auf dem Feld stehen dürfen, als er in der 88. Minute das 2:0 mit einem Gewaltschuß erzielte und es noch einmal auf unerträgliche Weise spannend wurde, denn die Madrilenen warfen die sechs Nachspielminuten alles nach vorne, was Beine hatte, während die Dortmunder nur noch den Ball nach vorne schlugen, wo niemand mehr stand, der sie hätte in Empfang nehmen können, denn Lewandowski war bereits zugunsten einer stabileren Abwehr rausgenommen worden. Und niemand hätte es für möglich gehalten, wie lange sich sechs Minuten hinziehen können. Watzke verließ zehn Minuten vor Schluß seinen Logenplatz neben dem spanischen König und sperrte sich auf dem Klo ein, weil sein Herz die Aufregung nicht mehr verkraftete. Das allerdings machte in der Respectbar, wo ein harter Kern von Dortmund-Fans das Spiel guckte, niemand. Aber hier mußte auch niemand neben einen spanischen König sitzen, weshalb die meisten die Kontrolle über sich verloren und nach dem Schlußpfiff sich wild um den Hals fielen, während Mourinho sich darüber beschwerte, daß Hummels wegen seines unabsichtlichen Handspiels kurz vor dem Strafraum keine rote Karte erhalten hätte, für ihn die Schlüsselszene des Spiels, denn ohne Hummels hätte Madrid gewonnen. Und das stimmt selbstverständlich, denn Hummels war nach dem frühen Ausscheiden von Götze wegen einer Oberschenkelzerrung die zentrale Figur, der die Madrilenen zur Verzweiflung brachte. Und das mußte er sein, denn nach seinem Torgeschenk in Dortmund, als er sich selber als den schlechtesten Spieler in Schwarzgelb bezeichnete, hatte er einiges wieder gutzumachen. Das Spiel war so unglaublich und verrückt, weil es alle möglichen Drehungen und Wendungen hätte nehmen können. Hätten die Mannschaften ihre Großchancen alle genutzt, hätte es auch 5:5 stehen können, aber Weidenfeller war ein weiterer Dortmunder, der sensationell spielte und an dem die Madrilenen verzweifelten. Aber man könnte auch alle anderen Spieler an diesem Abend hervorheben, und da machte es nichts, daß es nicht das größte Spiel der Dortmunder war. Das konnte es auch gar nicht sein, denn die Madrilenen gingen vor allem die ersten zwanzig Minuten wie ein Überfallkommando vor. Da hätte Dortmund schon 3:0 hinten liegen können. Später behalfen sie sich dann mit übergroßer Härte und ständigen Fouls, um den Spielfluß der Dortmunder zu unterbrechen, und deshalb ist es mehr als verdient, daß diese Spanier nicht ins Finale gekommen sind. Das haben auch die Ultras nicht verdient, die jetzt darüber wütend sind, daß Deutschland Europa nicht nur politisch und wirtschaftlich dominiert, sondern auch noch fußballerisch. Zumindest letzteres ist allerdings selbstverschuldet.