Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Klopp sagte nach dem 142. Revierderby, daß es bestimmt nicht an der Motivation gelegen habe und daß alle wie ein Häufchen Elend in der Kabine sitzen würden. Aus irgendeinem Grund jedoch haben die Dortmunder in der ersten Halbzeit seltsam deplatziert gespielt, und das nicht nur, weil die Schalker so stark auftraten, ja sogar laut Horst Heldt »eine der besten ersten Halbzeiten spielten, die ich je gesehen habe«. Die Dortmunder Abwehr wackelte bedenklich und Subotic, den man laut Klopp bedenkenlos in irgendeinen unbekannten tiefen Wald schicken kann, aus dem er dann frisch geduscht und gefönt nach ein paar Tagen wieder auftaucht, dieser Subotic hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt, denn er lieferte als letzter Mann nicht nur die Vorlage zu einem Fast-Tor, sondern leistete sich bei den beiden Schalker-Treffern auch noch grandiose Stellungsfehler. Aber auch Hummels geisterte auf dem Platz umher, als sei er von seiner Grippe noch nicht wiedergenesen. Vielleicht war es auch einfach nur ein »dreckiger Tag«, wie Sahin sagte, der in der 2. Halbzeit ein paar Fäden in die Hand nahm, denn auch der zuletzt glänzende Strippenzieher Gündogan blieb diesmal weit unter seinen Möglichkeiten. Immerhin erlebte man in der 2. Halbzeit eine völlig andere Dortmunder Elf, der durch Lewandowski in der 88. Minute fast noch der Ausgleichstreffer geglückt wäre, aber vielleicht hat man sich in der Liga inzwischen schon besser auf die Spielweise der Dortmunder eingestellt, auf jeden Fall aber scheint es Dortmund zu verstehen, aus den Gegnern das Optimum herauszuholen, denn nicht selten gelingt es auch eher mittelmäßigen Mannschaften plötzlich, alles aus sich herauszuholen. Leverkusen ließ wie immer die Möglichkeit ungenutzt und verlor seinerseits in Mainz mit 1:0, wenn auch nur durch einen ungerechtfertigten Elfmeter, den nicht mal Tuchel gepfiffen hätte und für den Völler Schiedsrichter Meyer »Kopf- und Bauchschmerzen« wünschte. Im Kellerduell setzte sich überraschend leicht Hoffenheim als auswärtsschwächste Mannschaft gegen die heimschwächste mit 3:0 durch, nämlich gegen Fürth, die damit auch offiziell jede Hoffnung auf den Verbleib in der Liga aufgegeben hat. Die Hoffenheimer Fans allerdings interessierte nur eins, nämlich die Alkoholaffäre von Tim Wiese, die ihn jetzt endgültig ins Abseits gebracht hat, vielleicht aber nur ein Vorwand für den Verein ist, ihn wieder loszuwerden. Die Fans hielten ein Transparent hoch, auf dem sie Tim Wiese anboten, ihm den Alk zu finanzieren. Diese merkwürdige Anwandlung konnte mit dem Bekenntnis von Tim Wiese allerdings nicht mithalten: »Ich habe mich nicht danebenbenommen. Ich lasse alle Vorwürfe der Heckenschützen, die mir jetzt ans Bein pinkeln, von meinem Anwalt prüfen.« Und für diese großartige schräge Metapher muß man Tim Wiese schon fast wieder loben in einer Welt des vorgefertigten Sprechens. Schade, daß Wolfsburg durch einen Sieg in Freiburg wieder in die Nähe eines Relegationsplatzes gekommen ist, nur weil ihnen einfach alles glückte und jeder Schuß ein Treffer war, die leider auch noch schön waren.