Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Klopp hatte mit seinem kleinen Seitenhieb, die Bayern hätten wie die Chinesen in der Wirtschaft bei den Dortmundern abgekupfert, gar nicht so unrecht. Natürlich sind die Spielsysteme nicht identisch, Bayern bestreitet wenige Zweikämpfe, die Dortmunder hingegen viele, und auch die Lauffreudigkeit ist sehr unterschiedlich, aber der autoritätsfixierte van Gaal hatte nun mal durch sein ballbesitzorientiertes ödes Hin- und Hergespiele die Bayern nicht gerade nach vorne gebracht. Natürlich haben die Bayern dann geguckt, wo der erfolgreiche und vor allem attraktive Fußball gespielt wird. Nämlich in Barcelona und in Dortmund. Und haben ihre Spielweise dann entsprechend umgestellt. Das ist in der Umstellungsphase mit Heynckes noch nicht so ganz geglückt, aber in allen drei Wettbewerben Zweiter werden, ist ja auch nicht schlecht. Und sie haben das Dortmunder Spiel dahingehend verfeinert, daß sie mehr Geld für die entsprechenden Spieler hinlegten, die das Zeug dazu haben, modernen Fußball zu spielen. Das machen sie jetzt auch mit Lewandowski und verfolgen damit die alte Strategie, dem direkten Konkurrenten die besten Spieler einfach wegzukaufen. Nicht unbedingt, um sich zu stärken, sondern um den Gegner zu schwächen. Ein paar intelligente, junge Spieler haben das inzwischen begriffen. Die meisten von ihnen spielen in Dortmund. Nicht weil die Stadt so toll ist, sondern weil sie dort die besten Perspektiven haben. Und wenn man als junger Profi es ernst mit dem Fußball meint, dann spielt es sowieso nicht so eine große Rolle, ob es irgendwelche angesagten Diskos gibt, in denen irgendwelche hirntote Modells sich auf Promijagd befinden. Dortmund jedenfalls hat einen längst fälligen Entwicklungsschub in der Bundesliga initiiert mit der vielleicht nicht ganz so schönen Folge, daß nun auch in Deutschland wie schon in Spanien die Liga von zwei Vereinen dominiert wird. Die Parallelen sind offenkundig, und es ist schön, dann auf der Seite von Barca zu stehen. Und noch interessanter ist es, an Barca bereits eine gewisse Entwicklung absehen zu können, die Dortmund erwartet. Zur Zeit allerdings hat Dortmund mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen, die schon beim Unentschieden in Gladbach vor einer Woche zu besichtigen waren, als die Dortmunder ein Spiel dominierten, dann aber nachlässig wurden, so daß es plötzlich und überraschend zum Ausgleich kam, danach aber den Schalter nicht mehr umlegen konnten. Ein Ablauf, der sich auch gegen Hannover zu bestätigen schien, denn nach einem furiosen Auftakt und einem frühen 2:0 kamen die Niedersachsen bei einer ihrer ersten Chancen gleich zum Anschlußtreffer und niemand wußte, was passieren würde, denn Dortmund spielte mit Schieber als Stoßstürmer, Großkreutz als rechten Verteidiger und Lewandowski als hängende Sturmspitze, und so hatten sie noch nie zusammengespielt. Es klappte trotzdem. Aber wie Netzer in seiner BamS-Kolumne messerscharf kombinierte, die Dortmunder sind auf der Bank nicht so hochkarätig besetzt wie die Bayern. Könnte allerdings sein, daß das den Bayern nicht immer zum Vorteil gereicht, wenn ein Stinkstiefel zu stinkstiefeln anfängt.