Die Wahrheit über den 18. Spieltag

»Sahin is back«, übte sich Watzke in englischer Bescheidenheit. Das ist eine weit erfreulichere Nachricht als die Verpflichtung Pep Guardiolas als Trainer der Bayern, weil die Dortmunder schon einen Trainer haben, der eine exzellente Spielphilosophie in der Mannschaft des BVB umsetzte, wie das vor ihm nicht mal Guardiola geschafft hat, denn der fand bei Barca bereits vor, was er nur verfeinern mußte, während Klopp nach dem Absturz alles neu erfinden mußte. Guardiola wird u.a. von Netzer als Verpflichtung gefeiert, die den Bayern ganz neue Perspektiven eröffnet, aber was soll Guardiola im besten Fall schon bringen, was über weitere Titelgewinne hinausgeht? Er wird den Fußball in München nicht neu erfinden, und alles andere als das Double und der Champions-League-Gewinn wird ihm als Mißerfolg ausgelegt. Aber es ist schön von Hoeneß, einen Mann zu verpflichten, der seine gesamten Erfolge mit Barca geholt hat, genaugenommen also keinerlei internationalen Erfahrungen hat. Bei Barca gibt es die Philosophie der Bescheidenheit und des Kollektivs, denen alles untergeordnet ist und mit denen er seine Triumphe feiern konnte, also das genaue Gegenteil dessen, was bei den Bayern vorherrscht, und deshalb vermute ich, daß Guardiola eine Bruchlandung hinlegen wird, wenn selbst Hoeneß der Rummel um die Verpflichtung jetzt schon zuviel wird, wo Guardiola noch gar nicht da ist. Jedenfalls würde es mich sehr wundern, wenn Guardiola die Allüren einer zusammengewürfelten Star-Truppe unter einen Hut brächte, denn auch die Sprache spielt dabei eine Rolle. Sahin hingegen ist nur eineinhalb Jahre weg gewesen. Er kennt die Spielweise und den Verein. Und deshalb ist die Freude groß, aber mit Sahin wächst auch die Konkurrenz, auch wenn Sahin ja »nur« für den Wolfsburg abgewanderten Perisic gekommen ist. Die Vorstellung jedoch, der gerade brillierende Gündogan müßte für Sahin auf die Bank, stimmt einen etwas melancholisch. Wahrscheinlich besteht Klopps hauptsächlicher Job darin, einen Ausgleich zu finden für Spieler, die nicht so häufig zum Zug kommen. In Bremen fragte ein Reporter, warum Sahin nicht von Anfang gespielt hätte, und Klopp antwortete: »Wie kann man nur so bescheuert sein und danach fragen.« Und da hatte er recht, denn auch ein prominenter Rückkehrer wie Sahin hat nicht automatisch eine Stammplatzgarantie. Auch er muß erst wieder ins Spiel finden. Aber das wird ihm leicht gemacht wie beim 5:0 gegen gar nicht so schlecht auftretende Bremer, deren offensive Stil den Dortmundern in die Karten spielte. Die Dortmunder hatten allerdings etwas Glück, daß ihnen anfänglich alles gelang, weil es nach den ersten beiden Torschüssen bereits 2:0 stand, aber dann kam die Maschine ins Rollen, und dann »wird‘s für die Gegner schwierig«, und Klopp fügte hinzu: »Leider kommen wir so selten ins Rollen.« Der Anfang ist jedenfalls gemacht, und mit Sahin ist man auch gegen Ausfälle und Rückschläge ein bißchen besser gewappnet. Am Abstand zu Bayern hat sich zwar nichts geändert, aber darauf braucht man auch nicht mehr achten. Der ist nur für die Bayern interessant.