Die Wahrheit über den 17. Spieltag

In Mainz skandierten Mainzer und Stuttgarter Fans zusammen immer wieder: »Fußball-Mafia DFB.« Aber erst nach den 12 Minuten und 12 Sekunden Schweigen zu Beginn des Spiels, um zu zeigen, wie öde so eine Veranstaltung sein kann, wenn man die Fans nur noch als Verfügungsmasse behandelt. Man muß Fans nicht sonderlich sympathisch und toll finden, um zu sehen, auf welche Weise sie funktionalisiert werden. Sie sollen Eintritt zahlen, für tolle Stimmung sorgen, sich schön von der dämlichsten Werbung belästigen lassen, sie sollen brav konsumieren. Dummerweise ist eine Masse nicht immer so schön lenk- und formbar, wie sich das die Manager und Vereinsbesitzer vorstellen. Ein Stadion lebt nun mal davon, daß Leute sich heiser schreien. Würden auf der Südtribüne nur noch angepaßte Zombies sitzen, müßte Klopp ständig die West- und Osttribüne auffordern, sich doch ein wenig zu engagieren, wie er das im Spiel gegen Wolfsburg tun mußte, als die Mannschaft nach dem unglücklichen Verlauf des Spiels Unterstützung brauchte. Was sich dort sehr beeindruckend anhört, belästigt woanders eher, und wofür der Fan gelobt wird, wenn er seinen Verein unterstützt, für dieses Verhalten würde man ihn an einem anderen Ort in die Klapsmühle einweisen. Und insofern ist es völlig richtig, wenn sich die Ultras über die »Fußball-Mafia DFB« aufregen. Mainz-Boss Harald Strutz zog gegen seine eigenen Fans zu Felde und meinte, »diese Fans sollen zu Hause bleiben«. Ich schätze, er würde sich wundern, wie lahm dann die ganze Veranstaltung werden würde. War der Terror gegen die Fußballfans vor allem in England in den achtziger Jahren noch schlicht und brutal und explodierte schließlich am 15. April 1989 im Hillsborough-Stadion, als 96 Liverpool-Fans zu Tote getrampelt wurden, so ist er jetzt zu einem Mitbestimmungsterror geworden: die Fans sollen ihrer Zurichtung auch noch selber zustimmen und den Vorstellungen derjenigen entsprechen, die an ihnen verdienen. Je mehr Gewalt die Gesellschaft in ihrem Zentrum hortet, desto mehr wird sie gleichzeitig an die Peripherie verdrängt. Uli Hoeneß ist das Gesicht dieser Gewalt. Er wirkt versteinert, obwohl Bayern souverän Herbstmeister geworden ist. Nach dem 1:1 gegen Mönchengladbach hatte er den Spielern nichts vorzuwerfen, sie hätten alles versucht, seien aber an einem sensationell aufgelegten ter Stegen gescheitert. Das alles sagte er mit einer finsteren Miene, der man ansah, daß Uli Hoeneß zum Siegen und Titelgewinn verdammt ist. Aber das macht ihm eigentlich alles schon lange keinen Spaß mehr. Das war umso auffälliger, weil der Mainzer Trainer Thomas Tuchel mit dem absurden Fassonhaarschnitt sagte, es komme ihm nicht auf Titel an, also nicht unbedingt aufs Ergebnis, sondern auf die Art des Spielens. Hier findet man noch sowas wie die Schönheit des Spiels, und wenn die wiederentdeckt wird, stellen sich die Ergebnisse von selbst ein, wie Freiburg und Mainz beweisen, die sich für alle Experten vollkommen überraschend auf Platz 5 und 6 befinden, also auf den Euroleague-Plätzen.