Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Ich hatte die Lesung mit dem Stuttgarter Cowboy und heimlichen Anführer der Stuttgart-21-Gegner und Kickers-Fan Joe Bauer extra um eine halbe Stunde verschoben, damit ich mir das Spiel der Dortmunder gegen Bayern angucken konnte. Ich war etwas angespannt und nervös und rauchte Kette, obwohl ich es mir eigentlich abgewöhnt hatte. Niemand verströmte Optimismus, denn das letzte Spiel gegen Düsseldorf war nicht gerade dazu angetan, hoffnungsfroh in die Partie zu gehen. Gegen Düsseldorf wären die Punkte leicht zu holen gewesen, mit denen man gegen Bayern nicht unbedingt rechnen konnte. In den ersten fünf Minuten brannte Ribery ein kurzes Feuerwerk ab, dann geriet die ganze Sache zu einer Art »Rasenschach«, wie ein Experte meinte. Und in der Tat war nicht viel passiert, was den Menschen in den 203 Ländern, in die das Spiel übertragen wurde, gefallen haben dürfte. Dortmund machte das Mittelfeld kleinmaschig, so daß sich die Bayern immer wieder verhedderten, selbst aber gelang den Schwarzgelben nur selten eine Aktion nach vorne. Dortmunds Rolls Reus stotterte, es gab Mißverständnisse und Fehlpässe zu hauf, aber dann hatte Reus doch noch den Führungstreffer auf dem Schuh, aber der schöne Schuß war leider nicht präzise genug, so daß ihn Neuer abwehren konnte. In der 2. Hälfte wurde es dann besser. Weidenfeller zeigte ein paar Glanzparaden und empfahl sich damit wieder einmal vergeblich für die Nationalelf. Dortmund gab zeitweise die abwartende Haltung auf und sofort nahm die Partie Fahrt auf, und insofern ist das 1:1 durchaus gerecht, auch wenn Hoeneß und Co. daran zu knappern haben, denn auch beim 5. Mal in Folge konnten sie gegen Dortmund einfach nicht gewinnen, was Hoeneß sichtlich deprimierte. Er mußte sich auf die elf Punkte Vorsprung auf Dortmund herausreden und darauf, daß man die Konkurrenz auf Abstand gehalten habe, eine Rhetorik, die so gar nicht zu ihm paßt, denn jeder verlorene Punkt macht ihm schlechte Laune. Schalke machte es den Dortmundern nach und erspielte sich auch nur ein 1:1, allerdings zu Hause gegen Gladbach, die sich im Mittelfeld herumtreiben und tief im Keller steckten, wenn sie nicht Arrango hätten, der für die sensationellen Treffer zuständig ist. Und auch die Eintracht ließ Federn, denn in Düsseldorf gerieten sie mit 4:0 unter die Räder, weil den Düsseldorfern, die sonst nur in ihrer eigenen Hälfte stehen, an diesem Tag alles gelang. Die Frankfurter Fans verhielten sich dabei vorbildlich und der Niederlage angemessen. Mit Begalos brachten sie ein wenig richtige Stimmung zu den Karnevals-Deppen an den Rhein, stritten sich mit der Polizei und ärgerten ein paar Opern-Besucher. Es gab schon schlimmere Vorkommnisse. Dortmunds Unentschieden half an diesem Tag nur Leverkusen, die einen irregulären Abseitstreffer gegen den Club erzielten, den der Schiedsrichter gab, vermutlich weil er mal vom Mann mit der Omma-Frisur zum Essen eingeladen wurde. Irgendsowas wird es schon gewesen sein. Oder er hat die Abseitsstellung einfach nicht gesehen, was eigentlich noch schlimmer ist, denn es ist einfach unverzeihlich, eine überflüssige Werkself so bevorteilen.