Maron, Monika

Sie ist ein triftiges Argument dafür, daß sich Schriftsteller besser nicht an der öffentlichen Debatte beteiligen sollten, denn in der Regel haben sie wenig mitzuteilen und das Wenige ist dabei noch von einer unangenehmen Beschaffenheit. Dem Tagesspiegel vertraute Frau Maron einmal an, daß sie »erlebt« habe, »daß Deutsche bei einem Fußballänderspiel im Fernsehen mit Leidenschaft gegen die deutsche Mannschaft waren«. Gemein, ja geradezu widerwärtig! Und dieses Erlebnis hat sie arg erschüttert, denn hier handelt es sich offensichtlich um einen »Minderwertigkeitskomplex«, bzw. um »eine bequeme Art, mit dem Konflikt umzugehen, den uns die Hinterlassenschaft des Nazismus beschert hat. Denn es ist ja auch das Ausscheren aus dem Konflikt: ›Ich bin das nicht. Ich gehöre nicht zu denen. Ich bin Kosmopolit. Ich bin Europäer.‹ Das bedeutet dann auch, die anderen mit dem Konflikt allein zu lassen.«

Und das sagt eine, die sich schon als Schülerin für die FDJ, später dann für die SED engagiert hat und die als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron sämtliche Privilegien der Nomenklatura genoß. Aber das ist ja auch schon immer das wirklich Üble am Sozialismus gewesen, daß er solche Opportunisten und Opportunistinnen hervorgebracht hat, die es sich einfach nicht abgewöhnen zu können, immer gleich hundertprozentige Identifikation mit Deutschland zu flaggen, und, was noch schlimmer ist, von allen anderen das gleiche zu verlangen. Die DDR war noch nicht unter der Erde, hielt sie bereits dem Sieger die Stange, denn sie weiß, wem sie sich anflanschen muß, um sich wichtig vorkommen zu dürfen. Dafür rührt sie auch gern die nationalistische Propagandatrommel, und zwar um so mehr, als sie die Erkenntnis plagt, daß der Verrat an der DDR vom Westen mit Argwohn betrachtet werden könnte, denn es ist offensichtlich, daß man sich in Krisensituationen bei solchen Leuten auf eines nicht verlassen kann, auf ihre Loyalität. Dabei trommelt Maron völlig umsonst, denn der Westen kann auf ihre Demutsbezeigungen auch verzichten, er muß sich nicht wie der SED-Staat durch Lobhudeleien seiner selbst versichern, er weiß, daß er auch ohne Monika Maron zurechtkommt. Manchmal ist es ja auch ganz schön: mit anzusehen, wie sie sich abstrampeln, um zu gefallen, wie sie selbst in der rechtsextremen Mülltonne wühlen, um kundzutun, daß man jedem Schwachsinn und jeder Idiotie noch eine Plausibilität abgewinnt, daß man nichts für Kosmopoliten übrig hat, denn die wollen sich nur aus der Pflicht stehlen, für Deutschland alles zu geben, und Pflicht ist, wieder deutsch und Verantwortung für seine Volksgenossen zu tragen. Insofern muß die letzte WM in Dtschl, wo schwarz-rot-gold geflaggt wurde, daß die Schwarte krachte, ein innerer Reichsparteitag für Maron gewesen sein. Aber zufrieden scheint sie dennoch nicht gewesen zu sein.

Der Süddeutschen Zeitung verriet sie: »Alle Länder der Welt erlauben es sich, die Deutschen zu beleidigen, und ich frage mich manchmal, ob wir nicht völlig verrückt sind, daß wir uns nicht wehren.« Das hätte Julius Streicher gut gefallen. »Ich finde es unerträglich, daß die Nachbarländer uns gegenüber stets eine Haltung des Mißtrauens einnehmen. Wir erleben einen anti-deutschen Rassismus.« Wenn das die Bereicherung ist, die uns über 15 Jahre Wiedervereinigung eingetragen haben – eine Autorin mit revanchistischer Klatsche –, dann hat sich der ganze Aufwand nicht wirklich gelohnt. Da Monika Maron nun der Zone leider nicht mehr zurückgegeben werden kann und es auf die Frau nicht mal Flaschenpfand gibt, hätte man die schriftstellernde Schreckschraube in den Überresten der Wolfsschanze unterbringen sollen, damit sie aus dem Bunker weiterhin ihre S.O.S.-Funksprüche morsen kann, um die Bunzreplik vor den fiesen Nachbarländern zu retten.
Zwar hat sie das alles wirklich gesagt, aber als Beleidigung würde sie es empfinden, bezeichnete man sie als »Nationalistin«. »Wir sind so ähnlich wie alle anderen«, wünscht sie sich. Keine schöne Vorstellung von »Normalität« und wenn dieser Wunsch tatsächlich mal Wirklichkeit werden sollte, dann hat man am besten schon mal ein Ticket in der Tasche, damit man in eine Gegend abhauen kann, wo die Leute nicht diese Probleme haben und wo es selbstverständlich ist, wenn man nicht so sein will wie der andere.

Daran wollte ich mal erinnern, jetzt, wo das Feuilleton wieder stramm steht, kaum daß der neue Roman von Maron erschienen ist. »Ach Glück« heißt der und in ihm passiert wie schon in ihren anderen Romanen nicht allzu viel. In »Ach Glück« hadert eine Frau mit ihrem Mann, mit sich und mit ihrem Alter. Oder, um es mit den Worten der Schriftstellerin auszudrücken: »Sie dachte, sie ist nicht unzufrieden, aber eigentlich ist sie unzufrieden.« Mmmmh. Handlung ist da nicht viel. Man hört es schon vor Spannung knistern. Der Roman ist »B.« gewidmet, wahrscheinlich ihrem Hund Bruno, jedenfalls dementiert sie das auf Nachfrage des Spiegel nicht, und warum auch nicht, ist der Hund doch der beste Freund eines Menschen, der jemanden braucht, den er als seinen Fußabstreifer benutzen kann, den er anherrschen und niedermachen kann, dem er sein Herz ausschütten kann, ohne daß lästige Fragen gestellt werden. Ja, so ein Hund kann das Leben ganz schön verändern. Das sagt auch Frau Maron: »Aber natürlich verändert so ein Hund das Leben, weil er andere Ansprüche hat, auch weil er den Blick schärft. Die Frage, warum der Hund immer so glücklich ist und ich nicht, die habe ich mir schon gestellt.« Ob Bruno wirklich glücklich ist, wird man aus naheliegenden Gründen nie erfahren, aber die Projektion, die er auslöst, sagt eine Menge aus. Weniger über Bruno als über Monika, die mit ihrem Hund offenbar in einem harmonischen eheähnlichen Verhältnis lebt. »Der Hund ist ein Symbol für Leben, für Lebensfreude oder auch für den Zufall, der ins Leben tritt, den man annimmt oder nicht.« Tja, es sieht nicht gut aus mit Monika Maron, die für Glück hält, was der Volksmund aus guten Gründen als »auf den Hund gekommen« bezeichnet. Aber bitte schön, wenn Bruno als Therapeut hilft?
Komisch nur, warum sie ihren Hund Bruno genannt hat und nicht Blondi.