Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Wieder einmal ist vom »Charakter« von Spielern die Rede, als ob es eine anrüchige Angelegenheit ist, wenn Spieler einen haben. Offenbar stellt man sich vorbildliche Spieler als knetbare Masse vor, die immer und ausschließlich Spitzenleistung abzurufen haben und ansonsten vorgefertigte Sätze aus dem Legobaukasten für Rhetorik für Anfänger abzusondern haben. Nachdem Magath vom VW-Konzern an die Luft gesetzt wurde, wird den Spielern, die ihr erstes Spiel ohne Magath in Düsseldorf 4:1 gewannen, vorgeworfen, das sie unter dem alten Trainer nichts auf die Reihe gekriegt hätten, nun aber plötzlich zaubern würden. Aber was ist das Schlechte daran, fragt man sich? Diego sei in seinem Leben noch nie soviel gerannt wie in dem Spiel gegen Düsseldorf, schreibt die BamS. Plötzlich wird die außergewöhnliche Leistung eines Spielers zu einer negativen Caraktereigenschaft uminterpretiert. Dabei geht es im Fußballgeschäft nun mal genauso zu wie in der Bild-Zeitung, d.h. Mobbing und Konkurrenzdenken sind normale Gepflogenheiten, seine Interessen durchzusetzen. Das ist nicht schön und setzt ein Survival of the fittest- bzw. Arschloch-Denken voraus, aber man muß auch niemanden bemitleiden, den es in diesem Gewerbe erwischt, denn niemand wird deshalb zu einem Sozialfall. Mit Magath hätte Diego nie gejubelt, heißt es, als ob es ein besonders niederträchtiges Verhalten sei, jemanden nicht um den Hals zu fallen, den man nicht mag. Aber kommen wir zu den wesentlichen Dingen des Spieltags, zu Freiburg. Die spielten gegen Dortmund unter irregulären Schneefallbedingungen und trumpften vor allem in der ersten Halbzeit groß auf. Die bessere Technik nützte den Dortmundern gar nichts, weil sich der Ball nicht berechnen ließ, weshalb der immer einfach nach vorne gebolzt wurde, wo er regelmäßig von den Freiburgern abgefangen wurde. Den Dortmundern wurde ein Kampfspiel aufgezwungen, und daß sie es annahmen, zeigt, daß sich die Mannschaft durch den sensationellen 2:1-Sieg gegen Real Madrid nicht aus den Rhythmus bringen ließ. Die technischen Fertigkeiten, die gegen Real auf höchster Ebene ausgespielt werden mußten, konnte die Dortmunder auf dem Freiburger Rasen vergessen. Fast wäre es daneben gegangen, weil die Freiburger in der ersten Hälfte präsenter waren. In der zweiten Hälfte wurden die Verhältnisse wieder gerade gerückt, wobei Freiburg vor dem Spiel nur einen Punkt hinter den Dortmundern stand, man also nicht so weit auseinander liegt wie man vielleicht annehmen mochte. Angeblich sind die beiden Tore der Dortmunder irregulär gewesen, aber das ist Quatsch. Diese Sichtweise ist vielleicht in Freiburg populär, wo man gerne den Real-Bezwinger bezwungen hätte, aber ganz unabhängig davon, war der Dortmunder Sieg völlig verdient, auch wenn der Ball auf dem Bildschirm häufig unsichtbar war und man die Spieler ausfindig machen mußten, die gerade am agilsten waren, um erahnen zu können, wo der Ball sich gerade befand. Götze glänzte wieder, während Reus nicht viel gelang. In der Nationalmannschaft ist es genau umgekehrt. Aber in der Regel reicht es ja, wenn einer der beiden gut aufgelegt ist. Sollten die beiden irgendwann auch noch miteinander harmonieren, dann wird es eng auch für Bayern, die durch die Liga walzen wie ein Kampfroboter. Schade, daß die nicht Wiese im Tor haben, den Schießbudenkönig der Liga.