Die Wahrheit über den 8. Spieltag

So ungerecht kann ein Spiel sein: Erster Schuß von Schalke aufs Tor mit vollem Risiko, nachdem Afellay der Ball zufällig vor die Füße fällt. Und trotzdem war der Schalker Sieg nicht unverdient. Den Dortmundern gelang es nicht, die verletzten Gündogan, Götze, Kuba und Schmelzer zu ersetzen, und Klopps Systemumstellung auf drei, zwei, drei, zwei mit Bender als „Libero“ erwies sich Fehler, den Klopp zwar nach einer halben Stunde korrigierte, ohne allerdings große Wirkung zu erzielen, denn es handelte sich um die schlechteste Leistung der Dortmunder in dieser Saison, während man konzedieren muß, daß die Schalker richtig gut spielten. Dortmund hatte noch nie in dieser Konstellation gespielt, und das merkte man auch. Da gab es kein Spielverständnis, stattdessen schnelle Ballverluste, Kombinationen klappten nur ausnahmsweise und in den Zweikämpfen erwiesen sich die Schalker als durchsetzungsfähiger. Kein guter Auftakt für die bevorstehende Partie gegen Real Madrid, vielleicht aber auch gar nicht so schlecht, denn die Dortmunder müssen nun beweisen, daß sie es besser können. Vor dem Spiel kam es zu Krawallen, weil sich 100 Schalke-Fans unbedingt prügeln wollten, und im Stadion hielten sie ein Banner der Dortmunder Ultras hoch. Umso bedauerlicher, daß ihre Mannschaft auch noch gewonnen hat. Da die Bayern erwartungsgemäß in Düsseldorf drei Punkte geholt haben, ist der Abstand zu den Dortmundern auf 12 Punkten angewachsen. Die Dortmunder brauchen nun ein ähnlich großes Wunder wie es zuletzt bei dem 4:4 zwischen Deutschland und Schweden passiert ist. Schreiben die Medien. Dortmund befände sich also dieser Analogie zufolge in der Rolle der Schweden, die nach zwei Drittel der Zeit zum Gegenschlag ausholten und in einer halben Stunde noch schnell vier Tore schossen. Na wenigstens werden die Dortmunder nicht in der Rolle der deutschen Nationalmannschaft gesehen, die aus unerfindlichen Gründen plötzlich in sich zusammenfiel. D.h. Dortmund hat noch jede Menge Zeit, mit der Aufholjagd zu beginnen, denn es ist ja gerade die Hälfte der ersten Halbzeit gespielt. Aber egal, was man dem BVB zutraut oder nicht, es war von Anfang an klar, daß den Dortmundern eine zweite Titelverteidigung nicht gelingen würde. Bislang haben alle Gegner ihre jeweils beste Saisonleistung gegen die Dortmunder abgerufen. Dortmund hingegen tat sich schwer, sich gegen Mannschaften durchzusetzen, die ihren Spielstil kopierten, wie z.B. Frankfurt und Hannover. Ab und zu kam dann auch noch wie gegen Hamburg Pech dazu. Und jetzt eben auch noch schlechte Spiele wie gegen Schalke, wobei man Schalke nicht mögen muß, um dennoch zuzugestehen, daß der Schalker Kader ja nicht schlecht ist und es eben nicht unmöglich ist, gegen ihn zu verlieren, vor allem, wenn man vier wichtige Spieler ersetzen muß. Es wäre ein deprimierendes Spiel gewesen, wenn man nicht wüßte, daß die Dortmunder es besser können. Und sie haben es in Manchester gezeigt. Daß sich solche Leistungen nicht auf Knopfdruck wiederholen lassen, ist zwar schade, aber leider nicht zu vermeiden. Wahrscheinlich ist im Dortmunder Spiel durch den Weggang Kagawas eine Unwucht entstanden, denn Reus, der ihn ersetzt, ist ein anderer Spielertyp, der bei Dortmunds Spielweise nicht so zur Entfaltung kommt. Außerdem braucht auch diese Mannschaft Zeit, um zueinander zu finden. Mit den vielen Verletzten ist das nur schwer hinzukriegen.