Die Wahrheit über die Buchmesse Teil 3

Da fällt mir ein: New Zealand ist ja Gastland der Messe. Ich weiß nicht mal, wo das liegt. Eine Insel. Und auf der gibt es offenbar viele Schriftsteller, die sich für die Welt öffnen, weil sie sonst nichts haben. Außerdem sind sie humorvoll. Behaupten sie von sich selbst. Dann gibt es noch die Maori. Die sollen auch Humor haben, tanzen ansonsten merkwürdige Tänze.
Jetzt hat China auch noch den Nobelpreis für Literatur bekommen. Und vorher schon den Friedenspreis. Jetzt scheint China auf den Geschmack zu kommen und möchte das von nun an jedes Jahr, wie die Messe-FAZ berichtete. Skandalöserweise ist der Nobelpreisträger kein Dissident, sondern ein Schriftsteller aus dem chinesischen Schriftstellerverband. Als Mitglied einer offiziellen Delegation hat er vor drei Jahren die Frankfurter Buchmesse verlassen, weil auch zwei Dissidenten eingeladen wurden, ohne daß dies mit ihm abgesprochen gewesen war. Das hätte ich vielleicht auch getan, weil Dissidenten wie Wei Wei einem gehörig auf den Senkel gehen können, mehr allerdings deshalb, weil man nach nur einem Tag die Buchmesse sowieso kaum mehr aushält. Mo Yan, der eigentlich Guan Moye heißt, während sein Pseudonym „nicht sprechen“ heißt, dafür aber viel schreiben, schreibt ausschließlich über sein Dorf, aus dem er kommt. Angeblich ist sein schriftstellerisches Können unbestritten. Lesen wollen würde ich das trotzdem nicht. Westerwelle übrigens auch nicht. Er sagte: „Ich gratuliere Mo Yan von Herzen. Das ist ein abermaliger Beleg für China als eine große Literaturnation. Mo Yan hat schon vor vielen Jahren begonnen, das Leben in den ländlichen Provinzen Chinas anschaulich zu machen.“
Beim Fischer-Empfang, auf den ich eigentlich nicht gehen wollte, weil man da Roger Willemsen trifft, der mit Praktikantinnen flirtet, was dann auch so ist, lerne ich die Übersetzerin von Mo Yan kennen. Aber sie sagt nichts über die Bücher von Mo Yan. Das ist sehr chinesisch. Sie verrät auch nichts von irgendeiner Rede, die sie in Abwesenheit von Mo Yan irgendwo halten muß, weil sie Angst hat, es könnte schon vorher etwas nach außen dringen. Sie sieht eigentlich nicht so aus, wie man sich jemanden vorstellt, der immer nur Bücher übersetzt, die das Leben in den ländlichen Provinzen Chinas anschaulich machen. Ich muß dann noch Detlev Clausen trösten, weil er nicht den Literaturnobelpreis bekommen hat, denn ich finde, er hätte ihn viel mehr verdient. Stattdessen muß er sich mit Willemsen einen Verlag teilen.
Diese Probleme hat Matthias Matussek nicht. Er hat mit dem Aufbau-Verlag nun schon den 13. Verlag beglückt. Und er macht ordentlich Werbung. Er stellt sich in einen belebten Durchgang, hält sein Buch in die Höhe und macht einen leidenden Gesichtsausdruck. Dann spricht er einen jungen Mann an und bietet ihm 10 Euro an, wenn der ihm sein Buch abnimmt. Der würde sofort mitmachen, aber dann behauptet Matussek, daß er leider kein Geld habe. Das stellt er jetzt auf seinen Blog, und wenn Sie sich fragen, wer den Quatsch aufgenommen hat, dann gehen Sie nicht falsch in der Annahme, daß ich das war. Ich kann das ruhig sagen, weil ich bereits vom großen Vater der komischen Künste Achim Frenz erpreßt wurde. Er hat ein Foto von mir und Matussek. Was es mir denn so wert sei, daß es nicht veröffentlicht werden würde.