Die Wahrheit über die Buchmesse Teil 1

In der FAS wurden bereits vor der Buchmesse die „Zwanzig unter vierzig“ gekürt, und wer nicht wußte, was das sein sollte, dem erklärte Volker Weidermann in einem Intro, daß damit die besten jungen deutschsprachigen Schriftsteller von heute gemeint seien, eine Idee, die er vom „New Yorker“ übernommen habe aus dem Jahre 2010, wo sie als „Forty under twenty“ aufgetaucht sei. Das Konzept des „New Yorker“ wäre natürlich spannender gewesen, aber auch das FAS-Konzept schien schwierig genug gewesen zu sein, denn in den Kreis derjenigen, deren Bücher die FAS-Redaktion entgegenfiebert, befindet sich auch Maxim Drüner, der gar kein Schriftsteller ist, sondern Rapper. Seine Lyrik aber hat den Ausschlag gegeben, ihn in den illustren Kreis aufzunehmen: „Wir haben uns nicht gelangweilt / für uns war jeder Lehrer ein Clown / Kein Platz für Bücher im Rucksack, wir waren bei Edeka klauen / Die reden nur Blödsinn von wegen der Mensch stammt vom Affen ab / Und dass ich unter keinen Umständen mein Abi schaff’ / Ich kippe einen Uludag auf dem Asphalt der Forsterstraße / Fühle mich wie zwölf, wenn ich NTM im Walkman habe.“ Irgendwie finde ich es toll, dass man es mit dieser Lyrik in die „Zwanzig unter vierzig“ bzw. „Forty under twenty“ schafft.
Guido Westerwelle hat die Buchmesse eröffnet, von dem, wie das Messeblatt der FAZ berichtete, das Gerücht umgeht, er würde jedes Jahr die gleiche Eröffnungsrede halten bis auf ein paar Abweichungen das Gastland betreffend. Dabei schwang er sich zu ungeahnten Höhen auf: „Unser Bodenschatz ist nicht nur unter den Füßen, unser Bodenschatz ist auch zwischen den Ohren.“ Da kann sich Maxim Drüner aber noch eine Scheibe abschneiden. Die FAZ empfahl Westerwelle, sich diesen Satz auf alle Fälle urheberrechtlich schützen zu lassen, denn wer weiß, wann ihm wieder so eine geniale Formulierung einfällt. So lange es noch geht, sich urheberrechtlich etwas schützen zu lassen, denn bald wird im Netz sowieso alles frei zur Verfügung stehen. Als großer Fortschritt wird gerade gefeiert, daß nun auch jeder seine Bücher nicht nur selber schreiben, sondern auch selber ins Netz stellen und als E-Book verkaufen kann. Bücher schreiben ist für die meisten sowieso das einfachste auf der Welt, und genauso sehen sie dann auch aus. Und das beste Argument, ein traditionelles Manuskript auf Papier an den Mann bringen zu wollen, besteht dann darin, daß man das Manuskript von seinem Bekanntenkreis habe lesen lassen, und der sei durchweg begeistert gewesen. Da ist der Trend zum Selbermachen im Netz ist absolut begrüßenswert. Weil die Buchmesse sich auch dieses Jahr nicht dazu durchringen konnte, Autoren mit Manuskripten unter dem Arm das Betreten der Buchmesse zu verbieten, kann man den Autoren jetzt mit Hinweis auf das Internet abwimmeln, wo sie ihre Manuskripte selbst veröffentlichen können. Das Internet nämlich ist geduldig. Man kann alles hineinstellen und niemanden interessiert es. Insofern ist es ein sehr demokratisches Medium.