Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Am vergangenen Mittwoch machte der BVB wieder große Freude. Noch nie, seitdem Saudis Ölgelder in den Verein pumpen, sah ManCity so alt aus. Sogar Mancini meinte, daß Dortmund den Sieg verdient gehabt hätte. Aber da hatte der Schiedsrichter etwas dagegen, der einen Handelfer gab, obwohl Subotic aus einer Entfernung von einem Meter angeschossen wurde. Viele Kommentatoren brachten Verständnis für diese komische Entscheidung auf, aber sie ist einfach nur schwachsinnig, denn dann können sich Verteidiger gleich die Hände auf den Rücken binden lassen. Aber das wäre nicht so dramatisch gewesen, wenn Götze, Lewandowski und Gündogan nicht so verschwenderisch mit ihren Chancen umgegangen wären. Dortmund zu gucken ist einfach das beste, was man tun kann, wenn man sich für Fußball interessiert, denn sie bieten alles, hohes technisches Niveau, schnelle Kombinationen, aufregende Strafraumszenen, und das nicht nur zwei- oder dreimal in 90 Minuten, sondern im Minutentakt. Eigentlich müßte eine Mannschaft, die derzeit den schönsten Fußball spielt, auch die schönsten Fans haben, aber dem ist leider nicht so. Auf der Südtribüne haben sich über Jahre hinweg unbemerkt oder vom Verein ignoriert eine Gruppe Nazis etabliert. Die Ultras wissen mehr über sie. Circa 30 sind es, und ca. 30 Sympathisanten kommen noch dazu. Aber die Ultras kooperieren grundsätzlich nicht mit der Polizei, was deren Arbeit, wo sie mal sinnvoll sein könnte, erschwert. Der Verein wiederum kann nur ein Stadionverbot gegen Leute aussprechen, die rechtsextremes Gedankengut im Stadion verbreiten. Darauf haben die Nazis bislang verzichtet, jedenfalls bis vor kurzem. Dann haben sie ein Transparent entrollt mit der Aufschrift »Solidarität mit dem NWDO«, dem Nationalen Widerstand Dortmund, der kurz vorher verboten wurde. Dortmund ist allerdings auch eine trostlose Stadt von ausgesuchter sozialdemokratischer Häßlichkeit, geradezu prädestiniert für »nationalen Widerstand«, der dort niemand mehr erschüttern kann, denn man hat dort schon alles hinter sich, vor allem die Zukunft. Daß die Nazis auf der Südtribüne akzeptiert werden, liegt auch an den ästhetischen Vorstellungen, die die Fans überall auf der Welt miteinander verbinden und die sich von denen der Nazis strukturell nicht unterscheiden. Unangenehm ist das schon immer beim dumpfen »Sieg!«-Gegröle aufgefallen, und sieht man mal vom »You‘ll never walk alone«-Gesang ab, sind die Parolen leider auch nicht mehr so einfallsreich wie sie mal waren. Dortmund hat ein paar Nazis, München hat dafür einen Sammer und einen Hoeneß. Und das ist um einiges schlimmer, denn die beiden verbreiten überall ihr Gedankengut, und statt Stadionverbot aus ästhetischen Gründen bekommen sie eine Einladung ins TV. Gegen biedere Hoffenheimer gewannen die Bayern 2:0 und statt sich über den 7. Sieg in Folge zu freuen, muffelte Hoeneß, daß ihn allein der Punkteabstand zwischen Platz 1 und 2 interessiere. »Das ist der einzige Gradmesser für meine Laune«, sagte er, als wäre die Eintracht gerade an ihnen vorbeigezogen. So miesepetrig Hoeneß auftrat, so gelassen wirkte Felix Magath nach der 3:0-Pleite auf Schalke und nach 5 Punkten in 7 Spielen, dabei hatte man einen Platz ganz vorne im Auge. Magaths »menschlich fragwürdige militärische Methoden« (Farfan) scheinen nicht mehr zu funktionieren.