Mit Jürgen Klopp vollgas in die Pleite

Ich habe gebetet, ja, ich gebe es zu, daß der Quacksalber Klopp an den Schwarzgelben vorbei gehen möge. Es hat wie immer nix genutzt. Jetzt muß ich mich mit dem Gröfatz (Größter Fatzke) arrangieren. Das fällt nicht leicht, denn das meiste spricht nicht für ihn. Schon gar nicht seine Herumkumpelei mit Bubi Kerner im ZDF, der immerhin bei älteren Damen echten Schlag hat. Dort tut er mit der größten Selbstverständlichkeit so, als ob er für jeden Spielzug eine plausible Erklärung hätte, dabei weiß man doch, daß im Fußball, jedenfalls auf BVB-Niveau, der Zufall mit satten 60 Prozent veranschlagt werden kann (großzügige Schätzung von mir). Daß Klopp auf Anhieb in Dortmund gut ankommt, zeugt nicht nur von der großen Sehnsucht nach einem Messias, sondern vor allem davon, daß heute im Trainergeschäft weniger der Sachverstand zählt, sondern die Fähigkeit als Kommunikator, d.h. worauf es ankommt, ist die Produktion von Luftblasen. Klopp gilt als großer Motivator. Den Mainzern spielte er den »Haka-Tanz« vor, den Kriegstanz der neuseeländischen Ureinwohner Maori. Er verteilte sogenannte »Motivationsbackpfeifen« und machte »Überlebenstraining«, eine Art Abenteuerurlaub, in dem man ohne Handy Kanu fahren und selber das Klo putzen muß. Die armen Spieler. Aber es kommt noch schlimmer: »Wenn ich sage, die müssen mit dem Kopf gegen die Wand laufen, müßten sie das tun.« Wenn das die modernen Trainingsmethoden sind, dann gute Nacht, Borussia, dann ist pünktlich zum 100. Geburtstag im nächsten Jahr der Tiefpunkt erreicht. Von all dem halte ich nichts, denn Motivationsheinis verschießen meist schnell ihr Pulver.

Zorc hält Klopp für eine Idealbesetzung. In Dortmund munkelt man, daß die Sponsoren einen seriösen Trainer bevorzugt hätten, und das ist das erste Mal, daß ich mit den Geldgebern übereinstimme, denn ich mag die Trainer nicht, die in Sportklamotten unwürdig an der Seitenauslinie herumhampeln. Ich mag Trainer nicht, die sich von Spielern bespringen lassen, wenn sie mal ein Tor geschossen haben, ich mag diese Inszenierung hemmungsloser Begeisterung nicht, weil das nur davon zeugt, daß der Zufall der Faktor ist, auf den man sich verläßt und auf den man hofft. »Wir wünschen ihm, daß es ihm gelingt, seine Vorstellungen von ›Vollgasveranstaltungen‹ im Signal Iduna Park umzusetzen. Dazu kloppen wir auf Holz«, kalauerte der Hauptsponsor Evonik, und ich fürchte, daß die Verpflichtung Klopps ein ähnlicher Kalauer wird wie die »Vollgasveranstaltungen«: Auf daß nie wieder eine »Vollgasveranstaltung« auf deutschem Boden zu Ende gehen möge, oder: Ohne Vollgas geht in Deutschland nichts.

Aber fairerweise muß ich zugeben, daß es auch durchaus positive Seiten an Klopp gibt, zumindest an seinen Trainingsmethoden, von denen man annimmt, daß sie inzwischen selbstverständlich sind. Sind sie aber nicht. Z.B. intensives, ballorientiertes Training, exzessive Videoanalyse (Arsene Wenger macht das schon seit Jahrzehnten systematisch) und attraktiven Angriffsfußball. Dazu allerdings braucht man die richtigen Spieler, und von denen hat Dortmund nicht viel. Wenn jetzt auch noch Mladen Petric, dem die Fans zu anspruchsvoll sind, nach einer eventuellen Wertsteigerung durch die EM verkauft werden würde, dann ginge der einzige, der wirklich mit dem Ball tanzen kann, und auch wenn Alexander Frei sich immer reinhängt wie nix gutes, sein Powerfußball ist begrenzt. Und die für die nächste Saison verpflichteten Felipe Santana und Marko Basa sind beide Abwehrleute und müssen Wörns und Kovac ersetzen. Na immerhin die Namen haben schon mal einen tollen Sound.