Die Wahrheit über den 33. Spieltag

Klaus Bittermann

Vor dem entscheidenden Spieltag in Berlin rief Thomas von Heesen noch einmal seinen Freund Doll an, um ihm zu sagen, dass es nicht ganz unwichtig wäre, wenn Dortmund in Bielefeld, dem direkten Mitabstiegskonkurrenten des Clubs, ein paar Punkte holen würde. Aber auch die Engelszungen Thomas von Heesens nützten nichts. Die Dortmunder nahmen sich nach dem großen Fight gegen Stuttgart wieder ein Aus und wechselten in der ihnen typischen Art von Top auf Flop. Bielefeld war die agilere Mannschaft, und auch wenn dem BVB ein paar wichtige Kräfte fehlten, war das noch lange kein Grund, so schlaff aufzutreten. Nur der Schweizer Frei hängte sich mächtig ins Zeug. Bis kurz vor Ende schien die Sache gelaufen, denn da führten die Bielefelder mit Toren des mittelmäßigen Wichniarek mit 2:1, was alles andere als ein vorteilhaftes Licht auf die BVB-Abwehr wirft, während die glücklosen Nürnberger mit einer 1:0-Pleite in Berlin auch nicht gerade ihren Beitrag zum Nichtabstieg lieferten. Aber dann passierte doch noch etwas, das den Club im Rennen hält. Und das war gleichzeitig das einzige Highlight in Bielefeld: Ein Tor aus dem Kuriositätenkabinett, ein von Frei an den Pfosten gesetzter Freistoß prallte dem Bielefelder Keeper an den Kopf und flipperte erst dann ins Tor. Zwanzig Mal wurde dieser Kunstschuß in Zeitlupe und aus allen möglichen Perspektiven gezeigt, und der arme Torwart wird sich noch oft das Unglück ansehen müssen, das dem Club am letzten Spieltag eine letzte Chance einräumt. Dann geht es zu Hause gegen Schalke. Deren Fans bereiten sich offensichtlich akribisch auf dieses entscheidende Spiel vor, denn von ihnen entdeckte ich schon am Wochenende welche in Nürnberg. Und das ist auch kein Wunder, denn auch für Schalke geht es um die letzte Chance auf einen direkten Zugang zur Champions-League. Aber bislang warteten die Schalker vergeblich auf einen Ausrutscher der Bremer, die Hannover souverän und mit Leichtigkeit überrollten, was vielleicht auch damit zu tun hatte, dass die Hannoveraner durch die Bremer Qualifikation im internationalen Geschäft noch einen Nachschlag von 1,5 Millionen für Mertesacker einsacken. Da tat sich Schalke gegen Frankfurt um einiges schwerer, und noch schwerer wird es in Nürnberg, denn dort erwartet sie – alte Fanfreundschaft hin oder her – die Hölle. Auch Bielefeld muß gewinnen, und zwar bei den Stuttgartern, die ihre Chance auf einen Uefa-Cup-Platz wahrnehmen und vor heimischen Publikum noch einmal eine gute Figur abgeben wollen, was umso notwendiger erscheint, als Armin Veh zwei Niederlagen in Folge zu verkraften hat. Bielefeld oder Nürnberg, Bremen oder Schalke, da fällt die Wahl nicht schwer. Es wird tatsächlich noch einmal spannend. Und auch Dortmund kann noch ein gutes Werk tun, indem sie den Wolfsburgern in die Uefa-Cup-Suppe spuckt. Aber wahrscheinlich werden sie auch das vermasseln.