Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Klaus Bittermann

In einem Interview beschwerte sich BVB-Coach Thomas Doll, es könne nicht sein, daß er für die »Eigenmotivation« der Spieler verantwortlich gemacht werde. Eigenmotivation? Was ist das? Nicht nur, daß ich dabei immer an Eigenurin denken muß, Eigenmotivation steht offensichtlich im Gegensatz zur Fremdmotivation, bei der mir immerhin Daum einfällt, der seinen Spielern befahl, Gras zu fressen. Sollte Doll analog dazu darauf bestehen, daß seine Spieler das freiwillig tun?

Im Spiel gegen den Club jedenfalls trat Dortmund wie halbseitig gelähmt auf, daß man schon fast fürchtete, die Ursache wäre physischer Natur. Umso überraschender war die Energieleistung, die die Dortmunder gegen die Stuttgarter boten, die sich immerhin noch Hoffnungen auf einen Champions-League-Platz machten. Da die Dortmunder den Schwaben spielerisch unterlegen waren, mußten sie das Manko durch Eifer ausgleichen, ohne daß sich jedoch sagen ließ, ob die Motivation eigen- oder fremdbestimmt war. Auf jeden Fall war sie überraschend. Auch für den Kicker, der offenbar so überwältigt war, daß gleich vier Dortmunder in die »Elf des Tages« und Valdez sogar zum »Mann des Tages« gewählt wurde. Tatsächlich war Valdez mal was gelungen, als er zwischen zwei Stuttgartern hindurchlief und perfekt für Frei auflegte. Das »irre Laufpensum«, das ihm zugute gehalten wurde, ist eigentlich keine besondere Leistung; bei den »couragierten Dribblings« blieb er oft genug hängen. Vielleicht bin ich ihm gegenüber ja zu negativ eingestellt, aber ein gutes Spiel pro Saison ist ein bißchen wenig für einen Spieler, der sechs Millionen gekostet hat. Es war ein hartes Stück Arbeit und der Sieg nur möglich, indem die Mannschaft, wie Frei es ausdrückte, »immer am Limit spielte«.

Nächste Saison würden vielleicht 80 Prozent reichen, weil man sich dann verstärkt habe. Na, da bin ich aber gespannt. Mein Vertrauen in Zorc ist da sehr begrenzt. Ganz unwichtig war der Sieg der Dortmunder übrigens nicht, denn jetzt hat sich der BVB wenigstens noch vor die Bochumer geschoben, was die schwarzgelb gefärbte Ruhrgebietsseele wieder etwas versöhnen dürfte. Bayern wurde schon letzten Sonntag Meister, aber interessiert hat es keinen, und auch beim 2:0-Sieg zu Hause gegen Bielefeld war wichtig nur, daß Bielefeld jetzt nur noch ein zartes Pünktchen vom Abstieg trennt, denn Nürnberg hatte Duisburg geschlagen und ist so den Bielefeldern auf den Pelz gerückt. Jetzt ist das nächste Spiel der Dortmunder in Bielefeld für die Franken nicht ganz unwichtig. Sollte der BVB versagen, könnte das das Aus für den Club bedeuten. Und das wäre nun wahrlich das Letzte, nachdem man den Nürnbergern schon die drei Punkte am letzten Wochenende nicht gegönnt hat.

In Nürnberg hat man Koller jetzt wieder lieb, nachdem man einsehen mußte, daß es ohne ihn wohl direkt in die 2. Liga gehen würde. Und auch nicht schlecht: »Babyspeck« Tim Wiese macht in Hamburg als Kung-Fu-Kämpfer von sich reden. In diesem Fall würde ich ausnahmsweise mal sagen: Hauptsache Bremen hat gewonnen und Schalke ist wieder auf Platz 3.