Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Klaus BittermannJetzt, nachdem alles gelaufen ist, hätte man annehmen können, die Dortmunder würden ihre Fans ein wenig verwöhnen und ein bißchen munterer spielen als zuletzt. Aber vor allem in der ersten Halbzeit gegen die abstiegsbedrohten Nürnberger wurde wieder ein unglaublicher Murks abgeliefert. Und wieder ging die Diskussion los, ob sie es einfach nicht können oder nicht wollen oder ob Doll die Pflaume ist, der es einfach nicht auf die Reihe kriegt. Zum Glück konnte es der Club auch nicht besser, aber wenigstens ging er engagierter zu Werke, weshalb ich ihm sogar die drei Punkte gegönnt hätte, damit er ein wenig aus der Abstiegszone herauskommt, in der er nach dem Sieg der Bielefelder jetzt tiefer drinsteckt als zuvor. Und bis zum Spielende hätte ich tatsächlich nichts dagegen gehabt, wenn die Dortmunder für ihr unansehnliches Gekicke bestraft worden wären. Dann aber bedauerte ich es, daß Frei zweimal frei vor dem Nürnberger Schlußmann versagt hatte, denn als der Zweimeterriese mit der süßen Glatze Koller der Aufforderung der Südtribüne »Wir wolln den Koller sehn« folgte und sich vor der gelbschwarzen Wand feiern ließ, da weinten alle nostalgischen Herzen und wären bereit gewesen, mal wieder vor der miesen Leistung ein Auge zuzudrücken, vor allem, als sich Koller und der kleine Dede in den Armen lagen.
Nur die extremistischen Club-Fans, die gerne ihren nackten Oberkörper präsentieren, rasteten aus und beschimpften ihren besten Mann mit »Koller, du Arschloch!«, streckten ihm dem Mittelfinger entgegen und deuteten mit Gesten an, daß sie ihm gerne die Kehle durchschneiden würden. »Fucking Nürnberg-Fans«, schimpfte Koller und mußte einsehen, daß nicht immer der am nächsten zur Heimat gelegene Ort der angenehmste ist und daß der Ratschlag der Ehefrau, die ihn aus Dortmund lockte, nicht immer der klügste ist.

Das ist der Unterschied zu den BVB-Fans, die ihre Ikonen immer warm empfangen, auch wenn sie in den Diensten eines anderen Vereins stehen. Die Fans wissen genau, wer für sie und die Mannschaft alles gegeben hat. Das wird anerkannt, denn selbst tun die Fans das auch, denn die müssen mehr geben und aushalten, wenn sie immer wieder voller Hoffnung ins Stadion gehen und dann enttäuscht werden. Nur den Doofen, für die ein Stadion nur eine Bühne ist, um sich selbst vollkommen grundlos abzufeiern und die meistens so breit sind, daß sie gar nicht wissen, was sich auf dem Rasen abspielt, geht das Gespür ab, wer sich für sie opfert. Sie wollen nur Unterordnung und beschissene Nibelungentreue. Und vielleicht ist es deshalb gar nicht schlecht, wenn dem Club mal wieder das Kunststück gelingt, nach dem Gewinn eines Titels direkt in die 2. Liga zu marschieren, wie schon 1968, als man zum letzten Mal Meister wurde. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Vier Punkte fehlen zu Bielefeld und Cottbus auf einem Nichtabstiegsplatz. Neun Punkte sind noch im Topf. Und da der BVB noch nach Bielefeld gehen muß, um dort mit großer Wahrscheinlichkeit drei Punkte zu lassen, könnte die Strafe für den Club auf dem Fuß folgen. Manchmal werden die Sünden eben gleich bestraft.