Die Wahrheit über den 29. Spieltag

»Berlin, Berlin, was wollt ihr in Berlin?« lautete der Schlachtruf der BVB-Fans nach der unterirdischen Darbietung der Dortmunder. Den Fans bleibt auch gar nichts anderes übrig als Sarkasmus. Schon beim 5:0-Debakel in München feierten die Fans, als ob sie gerade einen historischen Sieg eingefahren hätten. Nur so lassen sich die Pleiten einigermaßen ertragen. Trotz der »Hinrichtung« (ist von Doll, nicht von mir) in München, wurden die Spieler nicht ausgepfiffen. Eine noble Geste. Der Premiere-Experte Effenberg meinte hingegen, die Fans müßten ja wohl ziemlich »schmerzfrei« sein. Daß das Arschloch nicht sofort von einem Blitz erschlagen wurde, beweist mal wieder, daß es einen Gott nicht gibt, und wenn doch, dann muß er gerade sein Hörgerät ausgeschaltet haben. Das ist das Schlimmste im Leben eines Fans: Daß man sich von Labertaschen den dämlichsten Scheiß anhören muß, wo man es doch selber viel besser weiß. Aber was soll man zu Effenberg schon groß sagen: ehemaliger Bayern-Spieler eben! Die Frage der Fans, was man eigentlich in Berlin will außer sich die Kante zu geben, ist nach der erbärmlichen Leistung gegen die auch nicht gerade vor Selbstbewußtsein strotzenden Hannoveraner mehr als berechtigt. Nur noch 61.000 Leute wollten sich das Elend live antun. Die Bayern wären über eine solche Kulisse froh, für Dortmund ist sie ein Minus-Rekord. Nein, was die Dortmunder boten war sensationell schlecht, so daß den Fans wirklich den Mund vor Staunen nicht mehr zu kriegten. Nur ein kleines Beispiel: Freistoß für den BVB an der Mittellinie. Ball wird 5 Meter quer gepaßt. Dann wieder zurück. Hannoveraner kommt angerannt. Ball wird nach hinten gespielt, aber zu kurz, so daß sich für die Gäste ein schöner Konter eröffnet. Das schaffen nur Mannschaften, die völlig von der Rolle sind. Ein übriges tat der Referee dazu, der nach jedem Körperkontakt abbrach und auf jedes Dahinsinken hereinfiel. Was für ein beschissenes Spiel. In der Milchbar bekam man plötzlich Karten fürs morgige Pokal-Endspiel angeboten, denn selten ließen sich die Chancen so exakt bestimmen wie diesmal: 0,0 % für den BVB. Und Bayern trumpft z.Z. nicht nur groß auf, sondern hat auch noch das Glück des doofen Siegers (denn Siegen macht dumm, man muß nur nach dem Spiel van Buyten gesehen haben, um diese auf den ersten Blick wacklige These bestätigt zu bekommen). Und dieses Glück reicht von Getafe nach Frankfurt, wo die Bayern nach menschlichem Ermessen hätten verlieren müssen. Tun sie aber nicht, weil der Gegner mithilft und riesige Chancen verdaddelt, und wenn das allein nicht hilft, ist der Schiedsrichter so nett und übersieht geflissentlich einen Elfer. So geht’s natürlich auch. Und deshalb bin ich kein Hellseher, wenn ich Ihnen an dieser Stelle verrate: Das wird ein gaaanz langweiliges Pokal-Endspiel, das wahrscheinlich schon nach einer halben Stunde entschieden sein wird (halbe Stunde ist vielleicht etwas optimistisch). Hat man die Durchhalteparolen und die Mienen von Kehl und Doll nach der Pleite gegen Hannover gesehen und gehört, dann gibt es nur noch eine Hoffnung: Daß wenigstens Doll endlich fliegt.