Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Huch! Gewalt im Stadion! Wie konnte das passieren? Große Aufregung im Spiel der Eintracht. Einige Ultras aus Nürnberg bzw. Nänbärch, wie der Franke sagen würde, unterstützt von angeblich 40 Kollegen von Rapid Wien (Wien? Bislang mehr bekannt durch »Anonymverfügungen«, Kaffeehäuser und Selbstmörder) hatten drei Böller (in Zahlen 3) gezündet und eine Leuchtfackel (in Zahlen 1) aufs Spielfeld geschmissen, und alle Beteiligten befanden sich sofort in heller Aufregung. Oh Gott! Böller! Laute, trommelfellschädigende Böller! Schiedsrichter Gagelmann unterbricht sofort das Spiel. Zwanzig Minuten lang werden die Spieler in Sicherheit gebracht und besorgt spähen die Verantwortlichen auf die Fankurve. Alles geht sich in Deckung. Nur ein kleiner weißhaariger Vorgartenzwerg aus der fränkischen »Woscht«-Metropole begibt sich tapfer vor den Zaun, um mit den Fans zu diskutieren. Am besten, wir lauschen mal ein wenig dem Dialog:»Mensch, des kennte doch net machen! Des kost doch widdä a Stanga Geld! Dou kenntmä doch bessä an neua Spüler defür kaafn!«, sagt Nürnbergs berühmtester Teppichhändler. Und was kriegt er zur Antwort? »Roth, du Oaschluch, väzieh dich.« Jedenfalls ging es seinem, Roths Vorgänger, Voack so, der dann schnell seinen Abschied nahm. »Voagg, du Ouschluch!«, schallte es damals ebenso laut wie zäh und beständig durch das Kleidodstadion am Valznerweiher. So schnell hingegen wird Roth nicht aufgeben, denn jede auf ihn gerichtete Kamera und jedes Blitzlicht, in das er sich stellen kann, hält ihn wieder ein bißchen länger am Leben und entschädigt ihn für seine Statur, mit der er ohne sich zu bücken unter einen Tisch hindurchlaufen kann. Insofern ist er den Ultras wahrscheinlich sogar ein wenig dankbar, denn die gaben ihm die Gelegenheit, sich mal wieder ins Rampenlicht zu stellen, während Gagelmann, Schiri-Beobachter Schmidhuber, die Polizei und die Fan-Beauftragten Huber und Lerch in der Schiri-Kabine beratschlagten. »Nicht abbrechen, die Folgen sind unabsehbar!«, sagten die beiden Fan-Kenner. Uiuiui! Die phobischen Reaktionen gegen solcherlei »Ausschreitungen« haben etwas Lächerliches an sich, wenn man zum Vergleich mal nach Italien oder andere europäische Ligen guckt. Was sich dort abspielt, muß man nun wahrlich nicht gut finden, aber man kann den Spielern auf dem Platz nicht erlauben, dem Gegner legal die Knochen zu brechen, und sich dann wundern, wenn es ein paar Jungs gibt, die das gut finden und ein wenig mitmischen wollen. Wenn sich selbst Beckmann und Kerner in Abscheubekundungen üben und von ein paar »Idioten« sprechen, die dem Fußball großen Schaden zufügen, dann sollte man nicht ganz so voreilig urteilen. Wenn die mal was abkriegen würden, wäre doch gegen die »Idioten« soviel gar nicht einzuwenden, oder? Verdient haben Sie es allemal. Und – meine Güte – wenn mal ein bißchen Leben in die Bude kommt, ist doch auch nicht schlecht. Sonst werden in Deutschland die Spiele nur wegen Nebel abgebrochen.