Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Das einzige, auf das man sich beim BVB verlassen kann, ist seine überraschende Unstetigkeit. War schon der Auftritt zu Hause gegen Karlsruhe ungewöhnlich, denn niemand hätte den Dortmundern diese ziemlich starke Leistung zugetraut, auch wenn es dank des 4-Millionen teuren Chancentods Valdez dann doch nur zu einem 1:1 reichte, gegen Bochum wiederum traute ich meinen Augen kaum, weil Wörns und Hummels sich durch lauffreudiges Vorpressing der Bochumer derart verunsichern ließen, wie man es selten bewundern kann. Immer wenn ein Bochumer auf den ballführenden Verteidiger zulief, schienen dessen Nerven wie nichts gutes zu flattern, so daß ich wieder daran glaubte, die Jungs hätten vielleicht doch den »Mentalcoach« nötig gehabt, den Dortmund gerade entlassen hat, weil man im Ruhrgebiet an moderne Trainingsmethoden nicht glaubt. Wenn in Dortmund der Rasen nach einem Spiel nicht umgepflügt ist, dann sieht Sportdirektor Zorc »Weicheierfußball« am Werk. Nun bin auch ich skeptisch gegen den Neusprech, mit dem die sogenannten neuen Methoden im Training bemäntelt werden, und bei Mentalcoach kriege ich Zahnschmerzen, aber es ist schon länger als Freud bekannt, daß der Mensch eine Psyche hat und diese gestreichelt werden will, wenn man von einem Menschen Leistung erwartet. Da würde es manchmal auch einfach reichen, einen Dolmetscher einzustellen, um der deutschen Sprache nicht mächtigen Spielern behilflich zu sein, statt sie wie damals bei der Verpflichtung von Dede und Evanilson sich selber zu überlassen. Da der Mensch aber nicht allein aus Fußball besteht, wie Zorc selbstverständlich annimmt, funktioniert er eben auch nicht auf Knopfdruck. Jetzt aber hat der Vorstand den Motivationstrainer Jürgen Lohr entlassen. Und als ob sie diese Entscheidung kommentieren wollten, präsentierten sich die Dortmunder in der ersten halben Stunde in einem fürchterlich desolaten Zustand. Nur den unermüdlichen Tinga und Dede war es zu verdanken, daß die Schwarzgelben noch einmal zurückkamen und in einer immerhin spannenden Partie nach zweimaligem Rückstand noch ein 3:3 schafften. Wenigstens kein Langweilerkick. Aber seit fünf Spielen kein Spiel mehr gewonnen. Das sollte zu denken geben. Aber auch bei Bremen ist der Wurm drin. Zu Hause gegen Duisburg verloren die Bremer mit 2:1 in einer Partie, bei der sich niemand der Grünweißen ein Bein auszureißen schien. Gegen Duisburg zu Hause eine Niederlage einzustecken, das schaffte bislang nur Dortmund. Aber es war sowieso der Tag der Favoritenabstürze: die Bayern schafften in Nürnberg nur ein 1:1, aber keiner der Verfolger schien Profit daraus schlagen zu wollen, denn sowohl Hamburg, die zu Hause gegen Bielefeld ebenfalls nur ein 1:1 hinkriegten, als auch Bayer Leverkusen, die zu Hause gegen Frankfurt sogar eine 2:0-Niederlage einstecken mußten, konnten den Abstand zum einsamen Tabellenführer verkürzen. Auch Schalke kam über ein 0:0 gegen Karlsruhe nicht hinaus. Dabei hatten die Schalker noch Glück, aber das kennt man ja.