Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Es war wieder mal eins dieser zähen Spiele. Aber etwas anderes kann man gegen Rostock auch nicht erwarten, die immer noch gefährlich nahe an der Abstiegszone herumkreppeln. Es waren jedoch nicht nur die Rostocker, die den Dortmundern eine unattraktive Spielweise abnötigten, sondern der BVB selbst schafft es einfach nicht, aus sich selbst heraus mal einen Fußball zu bieten, den man sich ansehen möchte. Wie dieser beschaffen ist, konnte man im Spiel Arsenal gegen Milan beobachten. Während der als Dede-Ersatz spielende Buckley, wenn sich denn mal vor ihm der Raum öffnete, die Kugel nach vorne schleppte, beim ersten Hindernis abbremste, um anschließend den Ball wieder zurückzupassen, und ansonsten im Gedränge und Gewühle der Zufall regierte, konnte man im Viertelfinale der Champions-League beobachten, wie die Kugel präzise hin und her flipperte und zielstrebig nach vorne gespielt wurde. Für diesen One-Touch-Football braucht man allerdings auch das entsprechende Personal. Außer Dede, Petric und der z.Z. herausragende Tinga lässt sich nicht behaupten, dass Dortmund dieses Personal hat, was u.a. daran liegt, dass Manager Zorc immer viele Ersatzleute kauft, einen von etwas außergewöhnlicher Klasse allerdings auch nicht kriegt. Nein, beim BVB werden die Bälle ebenso hilf- wie planlos nach vorne gedroschen, in der Hoffnung, dort vorne irgendeinen Abnehmer zu finden. Aber das ist auch schon das einzige, was one-touch-football-mäßig aussieht. Der Rest ist Gestochere, manchmal auch mit einer Ahnung verbunden, was der eine oder andere Spieler eventuell vorgehabt haben könnte. Das hat jedoch nicht nur mit dem Personal zu tun, sondern mit der Ausbildung von Fußballern, und die ist richtungsweisend in Frankreich, wo dieser Stil gepflegt und praktiziert wird, bevor die Spieler dann in die drei starken Ligen Europas ziehen. Es ist schon deprimierend zu sehen, wie der Abstand zwischen dem ehemaligen Champions-League-Gewinner Dortmund und Vereinen wie Arsenal immer weiter wächst, und das, obwohl der BVB immer noch zu den Vereinen mit der höchsten Anhängerzahl gehört, also die beste Voraussetzung hat, in der europäischen Liga mitzuhalten. Aber noch ein anderer Unterschied wurde deutlich: Im Spiel Arsenal gegen Milan gab es kaum Fouls, und wenn mal jemand nach einem Zweikampf liegen blieb, entschuldigte sich der Spieler beim Schiedsrichter und dem Gefoulten. Es gab kein theatralisches Fallen und Sich-am-Boden-Winden, was in der Bundesliga zum selbstverständlichen Repertoire eines jeden Spielers gehört. Diego flog im Spiel gegen Frankfurt, das Bremen dann trotz Überlegenheit 1:0 verlor, vom Platz, weil er vom üblen Griechen Kiriagos nicht nur gefoult, sondern auch noch beschimpft wurde (eine Taktik, die sich bei Otto Rehhagel großer Beliebtheit erfreut, unter dem Kiriagos Europameister wurde). Kiriagos hatte vor dem Spiel nachgeguckt, was „Fick deine Mutter“ auf Portugiesisch heißt, woraufhin Diego für einem harmlosen Rempler mit der Brust die rote Karte erhielt, die Kiriagos für sein waidwundes Wälzen auf Gras hätte erhalten müssen. Aber auch dieses hinterhältige Verhalten hat sein Gutes, denn im nächsten Spiel gegen Dortmund ist Diego gesperrt. Die Chancen für Dortmund sind dennoch mies.