Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Eigentlich dachte ich, der BVB würde es wieder vergeigen. Aber da war Frau Merkel vor, die vor dem Spiel zum Ehrenmitglied gekürt wurde. Sie bekam einen häßlichen, silbernen Erinnerungsteller überreicht, einen häßlichen Riesenblumenstrauß und ein häßliches Trikot mit der Nummer 10. Und dann spielten die Cottbusser tatsächlich so als wäre das Burgfräulein von der traurigen Gestalt Spielführer, ohne Plan, ohne Engagement, zerfahren, ohne Ideen. Aber ich will mich nicht lustig machen, denn auch Dortmund hat mit Gerhard Schröder ein Ehrenmitglied, das einem sogar noch weniger zur Ehre gereicht. Vielleicht paßten die beiden Mannschaften deshalb so gut zueinander, denn das Spiel war schrecklich, sieht man von den beiden tollen Treffern von Petric ab. »Wir waren nach vorne nicht konkret genug«, sagte der Trainer von Cottbus Prasnikar auf sehr nette Art, während Doll ziemlich realitätsfern keine Unsicherheiten in der Abwehr mehr gesehen haben wollte, die sich schon im Spiel gegen Schalke auf so sensationelle Art gezeigt hatten, daß man auch als neutraler Beobachter gar nicht mehr den Mund zubekam. Aber am Torso der aus Verletzungsgründen wieder umgestellten Abwehr hatte sich nichts geändert, außer daß die Cottbusser nicht in der Lage waren, Nutzen daraus zu ziehen. Dennoch ließen sich die Dortmunder von ihnen im Laufe der 2. Halbzeit noch einmal in Bedrängnis bringen, und fast wäre den Lausitzern sogar noch der Ausgleich gelungen. Ein Sieg am seidenen Faden also. Nur Doll log sich in die Tasche und hatte mal wieder positive Ansätze entdeckt. Vielleicht sollte er sich einmal ein Spiel der Karlsruher ansehen, die sich gegen Leverkusen ein chancenreiches und aufregendes Spiel lieferten und noch einen 2:0-Rückstand egalisierten. Danach wurde Leverkusens Torhüter Adler über den grünen Klee gelobt und von allen als neuer Stern am Torwarthimmel gefeiert, aber wenn man sich die entscheidenden Szenen mal genauer anguckt, dann muß man konzedieren, daß Adler in der Regel einfach angeschossen wurde. Vielleicht war ihm das selber am klarsten, denn er hatte sympathischerweise anschließend keine Lust, auf die immer wieder gleichen Reporterfragen das gleiche zu antworten. Nun aber zu den unschönen Dingen des Spieltags: Hertha gewann gegen Bielefeld absolut unverdient mit einem Treffer, der quasi erst nach Ablauf der Nachspielzeit erzielt wurde, also irregulär war. Und Frankfurt verlor in Rostock, ausgerechnet gegen »die Nazis«, wie mir meine Guerilla-Freundin aus Wien simste. Solche Vorwürfe muß man sich nun mal gefallen lassen, wenn im Stadion immer wieder schwarze Spieler wie Asamoah mit Bananen beworfen werden. Die 1:0-Niederlage allerdings hatte weniger damit zu tun als mit Funkels Strategie, sich ein torloses Remis zu erwursteln. Und da gab es ja auch noch den Schatten von 1992, als Rostock unter freundlicher Mithilfe des Schiedsrichters den Frankfurtern die bereits sicher geglaubte Meisterschaft versalzte. Dieses Spiel hätte Funkel mal seinen Spielern zeigen sollen. Dann wäre bestimmt ein anderes Ergebnis herausgekommen als ein tröges 0:0.