Die Wahrheit über den 19. Spieltag

In drei Jahren, so lange wurde Dolls Vertrag verlängert, will Watzke den BVB wieder »auf Augenhöhe« mit Bayern, Schalke und Bremen sehen. Doll hat »ein gutes Gefühl«, das zu schaffen. Ein schöner Plan, nichts jedoch spricht dafür, daß er klappen könnte, denn trotz finanziellen und wirtschaftlichen Aufschwungs beim Verein, die Mannschaft bleibt Stückwerk, ein Torso, obwohl jeder weiß, daß das spielerische Potential überdurchschnittlich ist. Vielleicht schreibe ich mich ja um Kopf und Kragen, aber wenn ich mal kurz im Kaffeesatz der Zukunft rühren dürfte, liebe Leser, dann wird der BVB zu Hause mal wieder gegen Schalke untergegangen sein. Danach kommen die erstarkten Ostvereine, die man traditionellerweise gerne unterschätzt, so daß die Dortmunder in die Abstiegszone rutschen werden. Dort befinden sie sich in guter Gesellschaft, denn auch die »Clubberer« tummeln sich da. Gegen Rostock schafften sie zu Hause nur ein 1:1, obwohl der Riese Koller dem Nürnberger Angriff mehr Wucht verleiht, dessen Abgang nach Monaco die Dortmunder damals in eine echte Krise stürzte. Im Gegensatz zu Dortmund hat der Club einen Trainer, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt und der sich nicht in chinesischer Freundlichkeit übt. »Sie können doch einfach weiter die Scheiße schreiben, die sie immer schreiben«, beschied er einen Reporter, der die originelle Frage stellte, ob er nach der schwachen Vorstellung seiner Mannschaft demnächst seinen Posten verlassen müsse. Der weißhaarige Club-Präsidenten-Zwerg Roth meinte zwar, Meyer sei unkündbar, aber seine Versicherung dürfte ungefähr soviel wert sein wie das einschmeichelnde »Vertrau mir!« der Schlange Ka aus dem Dschungelbuch. Ebenfalls tief in der Krise steckt der VfB Stuttgart, immerhin Meister, weshalb die Fallhöhe um einiges größer ist, vor allem, wenn man zu Hause gegen zuletzt grottenschlecht kickende Berliner verliert. Zuvor hatte man einen selten hilflosen und verzweifelten Hertha-Trainer Favre gesehen, der nach der vorangegangenen Pleite gegen Bochum ankündigte, daß man jetzt gegen den Abstieg kämpfe. Gegen Stuttgart allerdings reichte es, und nun scheint auch Armin Veh am Ende seines Lateins zu sein. Ob eine »rauhere Gangart«, wie sie Stuttgarts Manager Horst Held ankündigte, allerdings helfen wird? Noch rauher womöglich als im letzten Pokalendspiel, als Meira Nürnbergs Phantom Mintal zusammentrat? Will man das noch sehen? Nicht wirklich, wie überhaupt sämtliche Partien eher mittelmäßiges Gegurke waren bis auf das Duell um Platz 3 Leverkusen gegen Hamburg. 1:1 endete es, und es hätte auch 5:5 ausgehen können, »eine Werbung für den Fußball«, sagte Michael Skibbe, und man hätte gern hinzugefügt, »eine Werbung für den Fußball, die gar nicht mehr wieder gut zu machen ist.« Aber das hätte Skibbe nicht verstanden, weil der Mann nicht nur humor-, sondern auch talentlos ist, was die Frage aufwirft, warum spielt Leverkusen auf so hohem Niveau, während Skibbe in Dortmund gehen mußte, weil niemand mehr die öde Spielweise des BVB ertrug? Tja, gute Frage.