Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Ein Bild, an das man sich vermutlich die nächsten zwei Jahre wird gewöhnen müssen: Doll, der fassungslos seinen Kopf in den Händen vergräbt, verzweifelt über die Darbietung seiner Mannschaft, zu der er doch ein so gutes Verhältnis hat und die ihn regelmäßig hängen lässt, was sich für ihn wie ein Affront anfühlt. Er begreift nicht, dass ein Trainer mehr sein muß als ein guter Kumpel, dass Distanz gegenüber den Spielern notwendig ist, damit sie einem nicht auf der Nase herumtanzen. „Wenn die Jungs in den Puff gingen, wäre Doll der erste in der Reihe“, meinte Diethard, ein alter BVB-Fan und Tiergartenfußballer, der verzweifelt über die Vertragsverlängerung war. Und er hat allen Grund dazu, denn die Vorstellung, die Dortmund sowohl im Pokal gegen Bremen gab als auch in Duisburg ließ nichts von einer Handschrift Dolls erkennen. Die Tatsache, dass Dortmund gegen Bremen gewonnen hatte, veranlasste die Kommentatoren dazu ständig zu wiederholen, wie groß die Leistungsschwankungen der Mannschaft seien. Aber gegen Bremen haben die Schwarzgelben einfach nur mit Glück gewonnen und nur wer aufgrund des Sieges optimistisch für das Spiel gegen Duisburg war, musste enttäuscht werden. Der einzige Lichtblick bestand darin, dass die Dortmunder nach der 2:0-Pausenführung der Gäste noch einmal alles auf eine Karte setzten und sich auch durch einen ungerechtfertigten Elfer für die Zebras nicht von ihren Offensivbemühungen abbringen ließen. Es gab ihn also, den Willen, noch etwas zu drehen, und als schon niemand mehr daran glaubte, und ich als allerletzter, da geschah dann doch noch das Wunder, das wie schon gegen Bremen Diego hieß und aus Argentinien kommt. Es war zwar nur ein 3:3, das heraussprang, und das etwas wenig ist gegen den Punktelieferanten der Liga, vor allem, wenn man Ambitionen hat auf die oberen Tabellenplätze, aber man ist ja schon mit Kleinigkeiten zufrieden, und immerhin noch besser als eine 3:1-Niederlage wie im Eröffnungsspiel, das mir schon frühzeitig alle Illusionen raubte. Jetzt steht jedenfalls fest, dass schon ein mittleres Wunder geschehen muss, wenn Dortmund mit diesem Trainer nochmal an den Uefa-Cup-Rängen schnuppern sollte. Dazu sein Scherflein beitragen wird auch Zorc, der in der Winterpause öffentlich machte, wen Dortmund alles nicht verpflichten kann. Gern wird eine vernünftige Einkaufspolitik vorgeschoben, in Wirklichkeit aber hat es damit zu tun, dass Dortmund für die meisten einfach nicht mehr attraktiv ist, weshalb man sich aus dem Fundus von noch klammeren Vereinen wie dem KSC bedient, ohne zu sehen, dass Federico oder Hajnal, der im Sommer kommen wird, in dem vollkommen anderen Umfeld der Dortmunder vielleicht gar nicht zurecht kommen, jedenfalls nicht den Anforderungen genügen, die man bei gewissen Ambitionen haben sollte. Aber was solls: Ein schönes Ergebnis zumindest versöhnte mit dem eher öden Spieltag, und das war die 3:0-Klatsche, die die Frankfurter den Herthanern in Berlin verpasst haben.