Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Treffen die Dortmunder auf eine Mannschaft, die das Spiel und nicht nur hinten dicht machen will, dann entwickelt sich in der Regel ein munteres Spielchen. In Bremen wurde es sogar ein höchst intensives und rasantes Spiel, denn Werder wollte unbedingt gewinnen und bewies, daß sie nicht ganz zu Unrecht auf Platz 2 standen. Aber diesmal trafen sie auf eine ausgeruhte Elf, die endlich mal zeigen wollte, daß die zuletzt zwar gewonnenen aber eher wackligen Partien nicht alles sind, was man zu bieten hat. In der ersten Halbzeit ging es in fast unheimlicher Geschwindigkeit hin und her und Dortmund hatte höchstens leichte Feldvorteile. Perisic nahm sich schließlich ein Herz und hämmerte den Ball unter die Latte, was insofern überraschend war, als es sich dabei um die erste Dortmunder Chance überhaupt handelte, die ja bislang immer sehr großzügig vergeben wurden. In der zweiten Hälfte wurde es dank Herrn Meyer aus Burgdorf ein völlig anderes Spiel, weil er nach einer Grätsche, die in England niemand sonderlich beachtet hätte, den Torschützen vom Platz stellte. In Unterzahl wurden die Dortmunder in die eigene Hälfte gedrängt. Es entwickelte sich nun ein Spiel unter umgedrehten Vorzeichen, d.h. der BVB befand sich plötzlich in der Situation, in die sich normalerweise seine Gegner befinden. Und tatsächlich glückte ihnen bei einem der seltenen Vorstöße dann eher glücklich das vorentscheidende 2:0. Nicht immer also ist ein gegnerischer Platzverweis von Vorteil, denn die unnötige rote Karte brachte das Gleichgewicht des Spiels durcheinander. Werder hätte größere Chancen auf den Ausgleich oder möglicherweise den Sieg gehabt, wäre Perisic weiter auf dem Platz gewesen, denn dann wäre es weiter auf und ab gegangen und das Spiel offener gewesen. So können sich die Bremer beim Schiedsrichter bedanken, daß aus dem Plan von Trainer Schaf nichts wurde, den Bayern möglichst lange auf den Fersen zu bleiben. Die Partie selbst aber war eine Entschädigung für den Verlust der drei Punkte. Das sah auch der Lappan-Verleger so, den es wie mich von der Buchmesse in eine Kneipe geschwemmt hatte, die den merkwürdigen Namen »Dr. Flotte« trägt und die man nur mit einer heftigen Rauchvergiftung wieder verlassen kann, weil die Frankfurter Fans, die mit Trikots herumliefen, auf denen zu lesen war »Lieber in Frankfurt sterben als in Offenbach leben«, sich im Minutentakt Zigaretten anzündeten, in einem ähnlichen Zeittakt Bier orderten und nebenher noch mit einer Maschine Poker spielten. Eine etwas füllige Dame hatte gerade den Automaten um 300 Euro erleichtert und fütterte ihn mit den ausgespuckten Münzen wieder. Nebenbei war die Eintracht gerade dabei, in Bochum 2:0 zu gewinnen, ein Spiel, bei dem es mir schwer gefallen wäre, Partei zu ergreifen, weil ich beiden Mannschaften den Aufstieg gönne. Außerdem ist jetzt Frank Goosen im Aufsichtsrat von Bochum, meines Wissens der einzige Schriftsteller, der in einem Fußballverein eine Funktion einnimmt, und dann noch gleich ein so guter, wahrscheinlich sogar der beste, jedenfalls in Bochum.