Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Seit  zwei Wochen wanzen sich alle an den neuen deutschen Meister an, indem man vorgeblich zur Meisterschaft gratuliert wie MAN, Seat und Bayern München, die in Wirklichkeit damit aber nur Werbung in eigener Sache betreiben, denn selbstverständlich ist das Augenmerk auf den gerichtet, der gratuliert, womit man sich einen Gutmenschenbonus abgreift. Aber eigentlich ist das egal, denn es wird Seat nichts nützen, wenn VW mit dem Spruch wirbt »Fahr, wofür dein Herz schlägt«, nicht mal mit einem »Plus Fan Paket«. Lustig war dabei nur, daß die in der BamS abgebildete Seat Meisteredition »Echte Liebe« in gelbschwarz ein Frankfurter Kennzeichen hat, also aus der Stadt des Absteigers kommt, was die Sache so aussehen läßt, als ob VW schnell noch seine Ladenhüter loswerden will. Dort muß man jetzt auch den Ladenhüter Daum loswerden, der seine Liebe zur 2. Liga entdeckt hat, weil nicht mal ein anderes Auslaufmodell namens Netzer für ihn noch eine Zukunft sieht. Daum ging nach der Niederlage in Dortmund wort- und grußlos in die Kabine und glänzte durch Stillosigkeit. Das einzig Gute an seinem Intermezzo in Frankfurt ist, daß er jetzt endgültig weg vom Fenster ist. Vielleicht nimmt ihn ja noch ein Verein aus der 2. Türkischen Liga. Die soll auch ganz gut sein. Das beste an Frankfurt sind seine Fans, denn manchmal genügt es zu wissen, wer die Feinde sind, um sicher zu sein, daß diese Leute nicht wirklich schlecht sind. Marcel Reif teufelte ergrimmt auf die »Idioten« ein, nur weil im Frankfurter Block ein bißchen mit Rauchbomben experimentiert wurde. Und die BamS fand das grandiose Transparent »Randalemeister 2011«, mit dem die Fans die Wut der Medien auf sie karikierten, »geschmacklos«. Vielleicht sollte dem Arbeitgeber Reifs mal jemand stecken, wie unbeliebt der Mann bei den Fußballfans ist und wie sehr sie unter seinem Gesülze zu leiden haben. »Du Arschoch«, brüllte ein Fußballfachmann im Intertank aus vollem Hals, weil Reif nach dem 1:0 der Frankfurter kurz nach der 2. Halbzeit den Dortmundern Wettbewerbsverzerrung vorwarf, dabei hatten die Dortmunder nur das gemacht, was sie schon in vielen anderen Spielen auch gemacht haben, nämlich jede Menge Chancen ungenutzt verstreichen lassen, und selbst einen Elfer verballerte Barrios, während die Frankfurter die einzige gut vorgetragene Offensivaktion verwerteten. Ich hätte mich sogar mit diesem Ergebnis abgefunden, wenn es beim 1:0 der Hoffenheimer gegen Wolfsburg geblieben wäre, die dann aber glücklich gegen einen durchaus gleichwertigen Gegner 3:1 gewannen, auch ohne Diego, der seine Nichtnominierung mit seinem wortlosen Abgang quittierte. Nicht daß mit solchen Egotrippern mehr als ein Blumentopf zu gewinnen wäre, aber immerhin hat da mal jemand gezeigt, daß er nicht bereit ist, jede Entscheidung eines Diktators, wie  Magath zweifellos einer ist, widerspruchslos hinzunehmen. Und die Gladbacher müssen nach einem 1:1 in die Relegation und haben laut Favre eine Fifty-Fifty-Chance, in der Liga zu bleiben, denn nach den drei Siegen in Folge lieferten sie in Hamburg eine eher erbärmliche Vorstellung ab, vielleicht weil ihnen das zwischenzeitliche 1:0 der Frankfurter dann doch in die Knochen gefahren ist. So aber hat Dortmund jetzt bei der Borussia aus Gladbach einen Stein im Brett, denn trotz der Tatsache, daß auch der sein Abschiedsspiel gebende Dede einen Elfer verschoß, offenbarten die Dortmunder, was es mit dem  Motivationskünstler Daum auf sich hat, der eine Trümmerelf zurückließ. Sogar der traurige Eintracht-Fan neben mir gab zu, daß der Abstieg bei dieser Leistung schon in Ordnung gehe. Einen Tag vor der Übergabe der Meisterschale starb Helmut Bracht, der bei den ersten drei Meisterschaften dabei war. Sahin wurde nach Madrid verabschiedet, wo ihn eine unsichere Zukunft erwartet und solche Vollidioten wie Ronaldo, und auch Dede wurde verabschiedet, der, wo immer er auch zukünftig spielen wird, sich in seinem Vertrag hineinschreiben läßt, daß er nicht gegen Dortmund antreten muß. Irgendwas ist schon an Dortmund dran, und das ist etwas Anderes und Sympathischeres als bei den Bayern. Für die würde keine knappe halbe Million auf die Straßen gehen.