Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Es ist vollbracht. Der BVB ist zum 7. Mal Deutscher Meister, und das zwei komfortable Spieltage vor Saisonende, weil gleichzeitig Vizemeister Leverkusen, die den Dortmundern bis auf 5 Punkte auf die Pelle gerückt sind, ihrem Namen wieder mal alle Ehre machten und im Derby gegen Köln eine Schlappe einstecken mußten. Die Clubberer aus Nänbärch hatten gegen den BVB nie eine reelle Chance, was mir eigentlich leid tut, denn jetzt ist der Euroleague-Zug für die Franken wahrscheinlich abgefahren, weil die Mainzer Konkurrenz in Frankfurt mit einem souveränen 3:0 gezeigt hat, welche Schnapsidee es war, einen Volldeppen wie Daum zu verpflichten, dessen Motivationsnummer sich als Flop erwiesen hat. Jedenfalls bei den Spielern. Die Fans hingegen zeigten sich reichlich übermotiviert, so daß die Polizei sogar Warnschüsse in die Luft abgeben mußte, um sie in Schach zu halten. 25000 Euro kassiert Daum für einen Vortrag vor Managern, die sich von ihm in Motivation unterrichten lassen wollen, und irgendwie ist es grandios zu sehen, wie sich Deutschlands Elite von einem Schaumschläger einseifen und in die geheime Welt banaler Erkenntnisse einweihen läßt. Und da die Borussia aus Gladbach gerade zu einer erstaunlichen Siegesserie ansetzt und nicht nur den BVB, sondern auch Hannover geschlagen hat, sieht es ganz so aus, als ob die Eintracht, die sich noch Mitte der Saison Hoffnung auf einen Euroleague-Platz machte, zusammen mit St. Pauli absteigt, während sich Gladbach dann gegen  Bochum um den letzten Platz in der Liga balgen muß.
Die Meisterschaft war überfällig, denn schon seit dem 10. Spieltag führte der BVB die Tabelle an. Daß es in der Rückrunde nicht mehr ganz so lief, war ein paar wichtigen Ausfällen geschuldet, ohne die Dortmund ein paar Wochen früher hätte zu trinken anfangen können. Am Tag des Aufstiegs von Hertha mußte man hier im Internet nachgucken. Das kann einem in Dortmund nicht passieren, denn da steht eine ganze Stadt Kopf. Die Tattoo-Studios haben eine Menge zu tun. Sogar Klopps verzerrtes Gesicht zusammen mit der Schale bedecken großflächig den Rücken eines Fans. Und wenn den Fans sonst gar nichts einfällt, dann brüllen sie einfach in die Mikrophone, von denen ihnen in diesen Tagen reichlich hingehalten werden. Die Fans haben sich die Meisterschaft hart erarbeitet, und selbst im Intertank war das kein Honigschlecken, nichts für Leute mit Platzangst oder Hardrockallergie. Vom Spiel kriegte man auch nicht soviel mit, statt dessen konnte man viele Hinterköpfe von Menschen bewundern, die im Bild standen. Und deshalb ist der Gewinn der Schale vor allem Leiden und Anstrengung, jedenfalls für „Geezer“ wie mich. Wenn man sich schon die Beine in den Bauch steht, dann doch lieber auf der Südtribüne, aber da ist es noch schwieriger, einen Platz zu ergattern als im Intertank. Es sei denn, Kevin Großkreuz würde einem seine Karte zur Verfügung stellen, die er immer noch hat. Großkreuz kennt dort jeden mit Vornamen. Noch auf dem Platz ließ er sich von Santana die Haare rasieren, wie er es versprochen hatte. Die Vermutung, daß die Meisterschaft nicht schon früher eingefahren wurde, weil viele diesen Anblick fürchteten, ist selbstverständlich völlig aus der Luft gegriffen, obwohl Großkreuz wie eine mit der chemischen Keule behandelte Ratte aussah, also sehr nett. Jedenfalls hätte ich nie gedacht, daß ich einen Kevin so sympathisch finden würde wie ihn. Aber auch die anderen Jungs sind einfach hinreißend und nicht nur gut auf dem Platz, sondern auch auf der Playstation, weshalb ich mich manchmal frage, weshalb die eigentlich eine Freundin brauchen. Jedenfalls wäre ich gerne dabei, wenn Kevin Großkreuz sich zusammen mit Kagawa betrinkt und es mit jedem Glas immer lustiger wird.