Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Der Ton war ausgestellt und man konnte in der Sky-Vorberichterstattung den »Experten« Beckenbauer bei der »Annaliese« sehen und Gottseidank nicht auch noch hören. Tuchel sah wie immer aus wie der picklige Klassenprimus, mit seinem Seitenscheitel wie aus einem anderen Jahrhundert, nervös vor Ehrgeiz und Aufregung mit dem Mikro schwingend als wollte er prüfen, wie es in der Hand liegt, wenn er es jemandem überbrät, während Klopp ihm irgendwann ungeduldig ins Wort fiel. Aber da war alles noch freundschaftlich. Nach dem Spiel war es damit vorbei, denn die Mainzer hatten mit allen unerlaubten und unmoralischen Mitteln einen Punkt in Dortmund ergaunert. Zuerst rammte Wetklo dem Dortmunder Stürmer Barrios seine Knie in die Rippen, so daß der ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Dafür sah der Mann gelb. Im normalen Leben wäre er wegen gefährlicher Körperverletzung in den Bau gewandert. Den Strafstoß schoß wieder mal Sahin, der mit dem dritten hintereinander verschossenen Elfer gerade dabei ist, einen neuen Rekord aufzustellen. Es wäre das 2:0 gewesen, und davon hätte sich Mainz nicht wieder erholt. Stattdessen überließ man den Mainzern, die man die erste halbe Stunde an die Wand gespielt hatte, den Raum, um wieder ins Spiel zu kommen, so daß man sich ständig vor irgendeinen blöden Zufall fürchten mußte, der den Mainzern den Ausgleich beschert. Es war dann kein blöder Zufall, sondern miese Unsportlichkeit der Mainzer, die zum 1:1 führte, und das in den 89. Minute. Da lag Subotic am Boden, weil er aus drei Metern den Ball  in den Unterleib bekommen hatte, und krümmte sich. Diese Gelegenheit nutzten die Mainzer aus. »Ein Skandal«, sagte Watzke, und fügte den wunderbaren Satz hinzu: »Da wurde Fairplay mit den Füßen getreten.« Tuchel wiederum wehrte sich fast genauso gestelzt: »Es ist nicht haltbar, daß meinen Spielern unterstellt wird, sie hätten den verletzten Spieler gesehen und wissentlich weitergespielt.« Das aber haben sie getan, weil sie genau wußten, daß das ihre letzte Chance war. Scheiß aufs Fairplay, Hauptsache ein Punkt! Das war der Gedanke, der ihnen vom Klassenstreber Tuchel eingeimpft worden war. Des einen Pech ist des anderen Glück. In der gleichen späten Minute nämlich gelang den Bayern in Freiburg der Siegtreffer, wo sie 70 Minuten lang keine Schnitte gemacht hatten und die Freiburger Fans sich mit Hohngesängen schon lustig über die van-Gaal-Truppe machten: »FC Bayern spielt Champions-League, auf Playstation 2, die ganze Nacht, von Zwölf bis Acht.« Von dieser merkwürdigen Achterbahn hat sich nun auch Dortmund infizieren lassen, weshalb es jetzt nochmal spannend werden könnte. In diesem Auf und Ab verlor der Dortmund-Bezwinger Hoffenheim in Hannover. Die Hamburger, eine Woche zuvor in München mit 6:0 abgefertigt, schlagen die Kölner mit 6:2, die gerade eine  Siegesserie hingelegt hatten. Werder, die schon fast wie ein Absteiger spielten, gewinnen in Nürnberg, wo man zuletzt ebenfalls von Sieg zu Sieg eilte. Keine gute Zeit für Leute, die ihr Geld mit Wetten verdienen. Auch der »Experte« Beckenbauer oder so etwas ähnliches hatte 3:0 für Dortmund getippt. Da spätestens hätte man gewarnt sein müssen.