Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Im Intertank, wo alle Spiele der Dortmunder übertragen werden, auch die unwichtigen, wurde ich Zeuge folgenden Dialogs: »Bist du schon aufgeregt?« »Nö wieso? Ist doch nur Hoffenheim.« Und da schwante mir bereits, daß es diesmal schief gehen könnte, denn es ist immer irgendein mittelmäßiger Gegner, an dem eine Serie von immerhin acht ungeschlagenen Partien zu Ende geht. Dabei hat der BVB mit dem Phänomen zu tun, daß ihr der Ruf der »Übermannschaft« vorauseilt, die zu schlagen den Ehrgeiz aller anderen Mannschaft herausfordert. Fast alle Vereine liefern trotz mäßiger Leistungen in anderen Spielen ihre besten Saisonspiele gegen Dortmund ab. Und so war es auch mit Hoffenheim, die eine Woche zuvor gegen den ziemlich sicheren Absteiger Gladbach sang- und klanglos untergingen. Aber gegen Dortmund gingen sie mehr als aggressiv zu  Werke. Sowieso schon mit über 500 Fouls die unfairste Mannschaft der Liga, stockten sie ihr Konto gegen Dortmund nicht unbeträchtlich auf. Erstaunlich war nur, wie nachsichtig der Schiedsrichter darauf reagierte und wie sensibel er sich zeigte, wenn ein Blauer bei der kleinsten Berührung sich sofort auf den holprigen Rasen legte. Aber es waren nicht nur die Hoffenheimer, die mit ihrem Vorchecking die Dortmunder zu kopieren versuchten und sogar vor altmodischer Manndeckung nicht zurückschreckten, es waren auch die Schwarzgelben selbst, die in der letzten Zeit dazu tendieren, den Ball ins Tor tragen zu wollen. Bei dieser Methode jedoch waren die Hoffenheimer nicht nur viel zu aufmerksam, bei den Dortmundern fehlte auch die Konzentration beim letzten Paß auf den freistehenden Mann, und wenn sich eine der gar nicht mal seltenen Chancen ergaben, dann verstolperte Santana, verschoß Barrios oder scheiterte Schmelzer, oder es war der Ball selber, der auf dem Acker versprang. Es war zwar nicht wirklich wichtig, daß Dortmund gewann, und vielleicht gibt ihnen die Niederlage neue Motivation, die sie nächsten Samstag gegen Mainz brauchen werden, aber wer verliert schon gerne gegen das Spielzeug eines Milliardärs. Jedenfalls war ich bedient, denn man hat ja auch einen gewissen sportlichen Ehrgeiz, und der besteht darin, daß man sich die letzten vier oder fünf Spiel gerne in Ruhe ansehen möchte, wenn der BVB bereits als Meister feststeht. So aber wird das nichts, denn die anderen Ergebnisse waren auch nicht dazu angetan, die Trauer über die verpaßten drei Punkte zu dämpfen, die laut Bild deshalb verloren gingen, weil Klopp sich rasiert hatte, was vor allem zeigte, daß es keine Grenzen auf der Skala der Blödheit gibt, wenn ein Journalist mal so richtig originell sein will. Die Bayern besannen sich darauf, daß sie noch Fußball spielen können und fanden mit dem HSV auch einen dankbaren Gegner für eine ziemlich heftige Schlappe von 6:0, Magath bringt mit einem weiteren glücklichen Sieg ausgerechnet durch die Nullnummer Charisteas gegen die Pechvögel aus Frankfurt den Vorstand in die Bredouille, der ihn lieber heute als morgen vor die  Tür setzen würde, Scheißhauslautern erwürgt sich ein 2:1 gegen Freiburg. Nur der späte und glückliche Sieg der Clubberer in Wolfsburg und der damit verbundene Absturz der Hoeneß-Truppe auf einen Abstiegsplatz war ein kleines Trostpflaster.