Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Hätte Bayer Leverkusen gegen Wolfsburg Federn gelassen, der Spieltag wäre perfekt gewesen, wenngleich ich selbst dem souveränen 3:0-Sieg der einen Werkself über die andere noch durchaus etwas positives abgewinnen kann, denn jetzt steht Wolfsburg nur noch einen Punkt vor einem Relegationsplatz, während Stuttgart und Gladbach gerade fleißig Punkte sammeln und die Liga von hinten aufrollen. Wolfsburg als Absteiger wäre ein wirklich gelungener Scherz desjenigen, der dafür verantwortlich ist, nämlich von Dieter Hoeneß und dem VW-Vorstand, der hinsichtlich des Fußballgeschäfts auf so wunderbare Weise ahnungslos ist, daß er mit viel Geld den eigenen Untergang eingekauft hat. Und gegen eine Werkself weniger in der Liga kann man nicht wirklich etwas haben. Aber abgesehen von diesem positiven Nebeneffekt konnte der Abstand von Dortmund auf Leverkusen nicht, wie ich hoffte, noch um ein paar Punkte vermehrt werden. Es sind immer noch zwölf Punkte, nur der Abstand zu Bayern erhöhte sich auf sagenhafte 19 Punkte, weil die Bayern ausgerechnet in der entscheidenden Phase plötzlich schwächeln, und zwar obwohl die Stars alle mit an Bord sind, deren Fehlen gerne als Entschuldigung für die schwache Hinrunde herhalten mußte. Jetzt ist van Gaal fällig. Eigentlich schade, denn schließlich haben es die anderen Mannschaften ihm zu verdanken, daß Bayern auf diese grandiose Weise abschmierte, und die wirren und absurden Kommentare eines alten autoritären Sacks waren auf gewisse Weise ja auch sehr komisch. Jedenfalls sah man in Hannover bereits, wie die Bayern-Bosse die Köpfe zusammensteckten und tuschelten, und Uli Hoeneß‘ in Fett gemeißelte Skulptur verhieß nichts gutes. Aber wovon rede ich hier eigentlich? Schließlich geht es in dieser Kolumne doch ausschließlich darum, den BVB zu preisen und zu loben, und dazu gab es auch diesmal wieder jede Menge Grund, denn die gerade von einer kleinen Siegesserie zehrenden Kölner waren in Dortmund vollkommen chancenlos, weshalb das größte Wunder an diesem Abend darin bestand, daß es am Ende nur 1:0 für die Schwarzgelben stand. Alle drei Minuten gaben die Dortmunder einen Schuß aufs Tor der Kölner ab oder kreierten eine Chance, zweimal stand Latte und Pfosten, sechsmal Rensing im Weg, mit dem Rest der Möglichkeiten wurde sehr verschwenderisch umgegangen, als wollte man die Spannung halten, zu der die Kölner nichts  beizutragen hatten, bis auf ein einziges Mal, als Novakovic plötzlich allein vor Weidenfeller auftauchte. Aber Novakovic nahm sich auf vorbildliche Weise ein Beispiel an Großkreutz und Barrios und setzte den Ball kurz entschlossen neben den Pfosten. Kölns Trainer Schäfer verkündete nach dem Spiel mit einem verklärten Blick, er habe den deutschen Meister gesehen, gegen den zu verlieren keine Schande sei, denn Dortmund würde Fußball von einem anderen Stern spielen. Für einen Augenblick mochte ich den kleinen dicken Mann, der so wahre Worte sprach, auch wenn er für einen Verein arbeitet, der sehr sehr weit unten auf der von mir exklusiv erstellten Rangskala für Mannschaften angesiedelt ist, die ich gerne in der Bundesliga sehen möchte.