Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Jedes Mal werden die Kommentare von van Bommel, dem abgesägten Chef der Bayern, verbissener, und jedes Mal mit noch düsterer Miene vorgetragen. Solange es rein rechnerisch möglich ist, solange werden wir die Chance nutzen, knurrt er seine Durchhalteparole wie aus dem Führerbunker in die Mikrophone der Reporter. Dummerweise ist die Chance, Meister zu werden, schon wieder geschmolzen und der Punkterückstand auf Dortmund schon wieder angewachsen. Jetzt auf 16 Punkte, weil die Bayern gegen die Wolfsburger nur ein mageres 1:1 schafften, und das gegen eine Mannschaft, die in der Vorrunde extreme Auflösungserscheinungen an den Tag gelegt hatte und jetzt auch noch ohne Dzeko auskommen muß, der sich lieber von den Scheichs bei Manchester City die Eier kraulen läßt. Und auch Mainz, einer der hartnäckigsten Verfolger, vergeigte es in Stuttgart, obwohl die Mainzer in allen Belangen besser waren als die gegen den Abstieg kämpfenden Schwaben, die von Labbadia zu harten Trainingseinheiten verdonnert wurden, als ob so etwas jemals zu mehr als zu Muskelverhärtungen und Frustrationen geführt hätte. Aber der Mythos der harten Arbeit hält sich hartnäckig in der Bundesliga, wahlweise ist es auch gerne die »ehrliche Arbeit«, die vor dem Abstieg schützen soll. Und Dortmund erledigte den Rest und knüpfte einfach an den guten Leistungen der Vorrunde an. Nicht daß man Leverkusen im Vorbeigehen erledigt hätte, und noch weniger wagte ich es zu hoffen, aber die Vorstellung war sehr überzeugend, auch wenn sich die beiden Mannschaften über weite Strecken des Spiels gegenseitig  neutralisierten, aber in magischen sechs Minuten nach der Pause gelangen Großkreuz nicht nur zwei schöne Treffer, er legte auch noch den dritten für den überragenden Götze auf, mit der Folge, daß Ballack erst gar nicht mehr eingewechselt wurde, weil die Sache aussichtslos war. Hatte Heynckes vor dem Spiel noch auf eine Krise des BVB gehofft und gesagt, die Dortmunder würden »nicht ungeschoren davonkommen«, gab er danach zu, daß den Dortmundern der Titel wohl nicht mehr zu nehmen sei. Zu den 75 %, die daran glauben, daß Dortmund die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen ist, dürften noch ein paar Prozent dazu gekommen sein, denn Dortmund hatte nicht einfach nur drei Punkte mitgenommen, sondern sie einem Gegner abgenommen, der für viele als der einzige ernsthafte Konkurrent galt, jedenfalls bevor er innerhalb von sechs Minuten in seine Bestandteile zerlegt wurde. Auch wenn ich nach dem Anschlußtreffer noch einmal kurz ein kleines Ziehen verspürte, denn wer weiß schon, was für einen dummen Verlauf solche Spiele nehmen können, aber die große Dramatik blieb aus. Die ist jetzt ins Weserstadion zurückgekehrt, wo große Tristesse herrschte, aber gegen Hoffenheim in allerletzter Sekunde durch einen Gewaltschuß von Frings noch ein Sieg erzwungen wurde, allerdings gegen einen Gegner, der sich vorher schon selber geschlagen hatte, weil der empfindliche Millionär Hopp endlich Kasse machen wollte und Gustavo und Ba verkaufte, wobei Ba nicht mal von Stoke City genommen wird. Und Schalke? 1:0 verloren gegen den Fußballrentner van Nistelroy. Ein schöner Tag.