Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Ich wußte, daß die Dortmunder an irgendeinem mittelmäßigen Gegner scheitern würden. Wenigstens war es Frankfurt, meine Lieblingsmannschaft aus den Neunzigern, die einstmals beste Vereinsmannschaft der Welt, die nie einen Titel geholt hat. Seit sie Jupp Heynckes ruiniert hat, haben die Frankfurter nie wieder richtig ein Bein auf den Boden bekommen. Gegen Bayern München gingen sie sang- und klanglos unter, und gegen einige andere unsympathische Mannschaften  verschenkten sie ebenfalls Punkte, gegen den BVB aber spielten sie erstaunlich diszipliniert und zweikampfstark, während den Dortmundern das körperlich mühsame und psychisch deprimierende Ausscheiden in Sevilla in den Knochen und in den Köpfen saß. Sie waren nicht mehr so spritzig und schnell, und die Fehlpaßquote war erstaunlich hoch. Vielleicht kam das einem auch bloß so vor, weil man immer die Highlights der Spiele im Kopf hat, aber wenn mal jemand auf den Flanken durch war, dann erreichte die Hereingabe einfach nie den Mann, und wenn doch, dann vergaben Barrios und Da Silva. Überhaupt war der entscheidende Unterschied an diesem Tag der zwischen Barrios und Gekas, denn der ehemalige Torschützenkönig schloß eine zugegebenermaßen schöne Kombination der Frankfurter ab, nachdem Götze den Ball im Mittelfeld vertändelt und nachdem in der Spielsituation vorher Barrios eine hundertprozentige Chance über die Latte gesemmelt hatte. Auch vorher schon hatte Barrios ein geniales Zuspiel von Sahin in die Wolken geballert. »Wie sollen wir dich denn an Real verkaufen, wenn du solche Chancen versiebst?« lautete dann auch der Kommentar meines Nachbarn in der BVB-Kneipe Intertank. Gerüchte waren nämlich im Vorfeld des Sevilla-Spiels von der spanischen Presse gestreut worden, Real Madrid würde sich für Barrios interessieren, um die Dortmunder zu verunsichern. Nach den beiden letzten Spielen dürfte sich das erledigt haben. Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, daß jetzt auch noch ein tödliches Lob von Netzer via BamS verbreitet wurde: »Loben muss ich die jungen Spieler, die voll mitziehen, die voller Talent, Willen und Lerneifer sind. Die Auftritte in der Liga nötigen mir höchste Bewunderung ab.« Das läßt nichts Gutes ahnen, denn wenn Netzer so etwas schreiben läßt vom versammelten Sachverstand der Bild-Sport-Redakteure, dann kann man sicher sein, daß der Trend schon wieder vorbei ist. Unabhängig davon aber kommt es jetzt darauf an, wie die Dortmunder aus der Winterpause kommen, die manchmal einen Bruch bedeuten kann, manchmal aber auch eine willkommene Regeneration. Bevor ich jetzt noch mehr solche grandiosen Weisheiten absondere, hier noch die Anmerkung, daß es ein ziemlich beschissener Spieltag war. Schalke gewinnt, wenngleich gegen Köln, was die Sache etwas erträglicher macht. Werder verliert gegen die Luschen aus der Pfalz, Mainz entführt drei Punkte aus St. Pauli, Hamburg rettet sich mit einem Sieg in Gladbach vor einer Krise und Wolfsburg mit einem Last-Minute-Treffer zu einem 2:2 gegen Hoffenheim vor einer Katastrophe, der ich gerne beigewohnt hätte. Nur Nürnbergs Sieg gegen Hannover verbreitet ein wenig Glanz in dieser dunklen Zeit.