Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Das Kribbeln fing eine halbe  Stunde vor Spielbeginn an. Wäre ich vernünftig gewesen, hätte ich mich ins Bett gelegt, denn eine fiese Grippe hatte meine Nasennebenhöhlen verstopft und mich auch sonst fest im Griff. Egal, ich machte mich auf den Weg zu einem sky-Anschluß, wo jede Menge Werder-Fans mit ihren Kindern die Grünen anfeuerten. Aber da gab es nicht viel anzufeuern, denn sie wurden in den ersten zwanzig Minuten vom  BVB-Hochgeschwindigkeitszug niedergewalzt, so daß sich die Werderaner nur mit Fouls zu helfen wußten. Einen der daraufhin fälligen Strafstöße zirkelte Sahin so kunstvoll und präzise in die  Ecke, daß sogar die Werder-Fans mit der Zunge schnalzten. In der 2. Hälfte kamen die Bremer besser ins Spiel, aber bis auf ein Herumgestochere vor Weidenfellers Tor gab es keine wirklich Chance. Stattdessen konterten die  Dortmunder die Bremer in deren Drangphase aus. Der wie aufgedreht spielende Kuba prüfte Wiese, der den Ball nur wegfausten konnte, den Kagawa aus spitzen Winkel versenkte. Spitzfindige Kommentatoren entdeckten dabei, daß der Ball dabei die Stirn des im Abseits stehenden Lewandowskis touchiert habe, weshalb der Treffe irregulär gewesen sei, aber mit einer derartigen Regelauslegung dürften kaum noch Tore fallen. Jedenfalls erwiesen sich die Bremer als schlechte Verlierer, die frustriert darüber waren, daß sich der Sieg nicht erzwingen ließ. Pizarro lief voll in Weidenfeller, Jensen trat Bender auf fieseste Weise, um sich anschließend beim Schiedsrichter noch zu beschweren, und Schaaf forderte gelb für Kuba, nachdem der gefoult worden war. Da war es nur recht und billig, daß ein Elfer für Bremen nicht gegeben wurde, der sowieso höchst dikussionswürdig gewesen wäre. Dabei will ich gar nicht abstreiten, daß Bremen gut gespielt hat, aber es gab genügend Gelegenheiten, sich die fehlenden Punkte woanders zu holen. Jetzt hat Dortmund 43 Punkte, soviel wie noch keine Mannschaft nach nur 16 Spielen. Der Punkteabstand auf die Verfolger hat sich jedoch leider nicht vergrößert, da sowohl Leverkusen gegen völlig indisponierte Hamburger als auch Bayern gegen St. Pauli gewannen. Dennoch gab es noch nie eine Mannschaft, die mit so vielen Punkten Vorsprung die Tabelle anführte. Frankfurt wurde mal in seiner Glanzzeit souverän Herbstmeister, um es am letzten Spieltag in Rostock zu vergeigen. Und deshalb ist es besser, immer mit allem zu rechnen. Aber solange die Dortmunder auf ihre sehr sympathische Weise auf dem Boden bleiben und nicht davon ausgehen, daß ihnen die Siege nur so zufliegen, wie es z.Z. den Anschein hat, solange stehen die Chancen gut. Und solange die Bayern einen Fehler nach dem anderen machen, umso besser. Schweinsteiger verkündete nach dem Pflichtsieg gegen St. Pauli seine Vertragsverlängerung, weil sein Herz für Bayern schlagen würde, was Hoeneß denn doch zu doof war, um das so stehen zu lassen, denn statt Herz spielten pekuniäre Dinge eine Rolle. Zehn Millionen pro Jahr legen die Bayern auf den Tisch und werden sich auf Dauer damit ruinieren. Aber bitte schön, man will sie davon ja nun wirklich nicht abhalten.