Die Wahrheit über den 4. Spieltag der Bundesliga

Immer wieder frage ich mich, weshalb ich eigentlich noch Fan von Borussia Dortmund bin. Vielleicht ist es die vage Hoffnung auf bessere Zeiten. Das hielt auch Nick Hornby bei der Stange. In »Fever Pitch« blickt er immer wieder zurück auf glorreiche Siege und tragische Niederlagen, an Ereignisse, die sich in der Erinnerung festsaugten. Zumindest von diesen Erinnerungen läßt sich zehren, wenn der Verein in der Flaute steckt, wie Arsenal in den Achtzigern. Aber das Warten hat sich für Hornby gelohnt, denn seit Wenger ist Arsenal bis auf den einen oder anderen Rückschlag nicht mehr wegzudenken aus dem Kreis der großen europäischen Vereine. Daß Dortmund da jemals zurückkehren wird, wird mit jedem Jahr unwahrscheinlicher. Der BVB ist inzwischen fester Bestandteil des zähen Bundesligamittelfeldes geworden. Die Hoffnungen, die man sich jeden Saisonbeginn macht, verfliegen schneller als das erste Spiel dauert. Danach weiß man wieder, daß die Chancen Dortmunds, gegen jeden beliebigen Gegner in der Liga zu verlieren, im Schnitt bei fünfzig Prozent liegen. Und aus irgendwelchen undurchschaubaren Gründen schafft es Manager Zorc einfach nicht, Spieler zu verpflichten, die die Erwartungen erfüllen. Kuba verzettelt sich und Petric ist schon nach dem dritten Spiel nur noch Einwechselspieler, obwohl einige Stammspieler verletzt sind. Nur der 26-jährige Federico, der aus der 2. Liga von Karlsruhe kam, scheint seine Fähigkeiten entfalten zu können. Federico, dem das entscheidende Tor beim glücklichen Sieg in Rostock gelang, ist in Hagen geboren und BVB-Fan schon seit der Schulzeit. Jetzt ist er dort angekommen, wo er immer hinwollte. Das ist eine nette kleine Geschichte, die die Herzen der Ruhris höher schlagen läßt, eine schöne Schmonzette, die für die Medien der Beweis ist, daß die Welt noch in Ordnung ist. Und vielleicht ist sie das ja auch, dort, wo noch ehrlich Geld verdient wird und kleine Einfamilienhäuser mit netten Vorgärten ein ruhiges und beschauliches Dasein versprechen. Wenn man darin sein Glück findet, ist das schön und nicht verwerflich, nur die Geschichte des großen, tollen, spannenden Fußballs wird woanders geschrieben. Federico würde nie auf die Idee kommen, mit fünf Prostituierten und ein paar Kumpels am heimischen Swimming-Pool den ersten Sieg seiner Mannschaft zu feiern, wie Christiano Ronaldo das nach dem ersten Dreier ManUs getan hat. Es geht dabei nicht um eine moralische Bewertung der Geschichte, auch nicht darum, daß Christiano Ronaldo dumm wie Brot ist, was bei Vollprofis ja aus guten Gründen nicht selten vorkommt, sondern um diese Melange aus Anrüchigem, Zwielichtigem, Verpöntem, Abgründigem, moralisch Verwerflichem, die den Glamour eines Vereins erst ausmacht und die Yellow Press mit Futter versorgt, denn erst aus dem Wechsel von Faszination und Ekel entsteht so etwas wie der Glanz, den ein Verein hat oder eben auch nicht. Vergeblich wird man ihn suchen, wo die Philosophie der ehrlichen Arbeit gepredigt wird, wo die Trainer partnerlookmäßig in den gleichen häßlichen Kapuzenshirts herumlaufen wie Thomas Doll und Co. Nein, die Genialität, die zuletzt der kleine Rosicky ausgestrahlt hat, ist in Dortmund verloren gegangen. BamS hätte sie gerne in Petric entdeckt und bildete ihn als »Beckham der Liga« mit nacktem Oberkörper ab, aber auch das half nicht. Also werde ich weiterhin auf Konservenspiele zurückgreifen und mir das Video mit dem irren CL-Halbfinal in Manchester angucken, als Ricken den Siegtreffer schoß.