Walser, Martin & Ferres, Veronica & Gabriel, Sigmar

Martin Walser ist eine fürchterliche Landplage, die nun auch mich in Mitleidenschaft zieht. Walser hat mir über den Rowohlt Verlag ausrichten lassen, daß er 20000.00 Euro von mir haben will, wenn ich weiterhin behaupte, er sei ein… Tja, Sie würden jetzt gerne wissen, was er ist, aber das ist mir ein bißchen zu teuer. Dabei ist es gar nicht schwer zu erraten. Aber ich habe nichts gesagt und Sie sind meine Zeugen. Außerdem behaupte ich für 20000.00 Euro selbstverständlich das Gegenteil von dem, was u.a. Frank Schirrmacher, Ruth Klüger, Marcel Reich-Ranicki und der Spiegel auch behauptet haben.
Vor fünf Jahren, als »Der Tod eines Kritikers« von Walser erschien, kündigte Ruth Klüger ihm ihre langjährige Freundschaft auf, Frank Schirrmacher weigerte sich, das Buch vorabzudrucken, Marcel Reich-Ranicki war »angewidert« und für der Spiegel enthielt das Buch eindeutige »antisemitische Klischees«. Nur ich nahm Martin Walser vor diesen Anfeindungen in Schutz und behauptete, das einzige Problem Walsers sei, daß er nicht schreiben könne, dies aber ausführlich tue. Und im Wettbewerb der vergurktesten Romananfänge steht Walser seit dem »Tod eines Kritikers« einsam und unerreicht an der Spitze. Und diesen vergurktesten Romananfang aller Zeiten zitiere ich immer wieder gern. Voilà: »Da man von mir, was zu schreiben ich mich jetzt veranlaßt fühle, nicht erwartet, muß ich wohl mitteilen, warum ich mich einmische in ein Geschehen, das auch ohne meine Einmischung schon öffentlich genug geworden zu sein scheint.« Jetzt mal ehrlich: Wenn nicht schon jetzt ein Gähnreiz einsetzt, dann sind Sie nicht mehr zu retten und verloren für die schöne Literatur.
Martin Walser, der – wie Gerüchte besagen – sogar die Bücher seiner drei Töchter schreibt, die dann alle dieselben Literaturpreise einheimsen, ohne daß das jemand komisch fände, hat jetzt selbst wieder einen Preis eingesackt, und zwar den Preis der Deutschen Gesellschaft e.V. für seine Verdenste um die deutsche und europäische Verständigung. Worin die genau bestanden, war nicht wirklich zu erfahren, aber ich könnte mir vorstellen, daß vielleicht sein Plädoyer für deutsche Unternehmer gemeint gewesen sein könnte, die in eine Schmiergeldaffäre verwickelt waren, und zwar nahm er sie in Schutz, weil die Praxis der Bestechung doch sonst auch üblich sei und anders gar nicht an Aufträge heranzukommen sei. Sonst erweist er sich in einem Interview mit Bild als eine Art Alter Ego von Helmut Kohl. Die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 zeigen für ihn lediglich eine Verzerrung der Realität, weil irgendwelche »80000, die dafür sind« daheim bleiben und eben nicht auf die Straße gehen. Während Walser hier die Partei der passiven und schweigenden Mehrheit ergreift, lobt er deren Engagement in Sachen Sarrazin: »Die politische Klasse hat Sarrazins Buch so töricht schnell verurteilt. Aber das Volk [das bei Stuttgart 21 den Arsch nicht hochbekommt] ist auf die Straße gegangen, hat es Millionen Mal gekauft und damit Sarrazin bestätigt. Das ist nicht Verdrossenheit – das ist Wachheit. Man kann sich also auf das Volk verlassen.« Klar kann man sich auf die reaktionäre Gesinnung eines von Überfremdungsangst geplagten Volkes verlassen, das jede ausländerphobische Äußerung aufgreift und sich darin fühlt, genauso wie man sich darauf verlassen kann, daß Martin Walser von allen guten Geistern verlassen ist und nur noch den konservativen Stuß nachquakelt. Solange das Volk allerdings »nur« auf die Straße geht, um sich das Buch zu kaufen, und nicht, um Ausländer zu vertreiben, solange muß man wenigstens nicht auswandern, und solange Walser sich dem »Volk« nur anbiedert und nachplappert, was es laut Umfragen von sich gibt, solange er also nicht die Richtung vorgibt, solange kann man ihn in seinem vergeblichen Bemühen, vox populi zu sein, ein wenig bedauern, jedenfalls an Tagen, an denen man großzügig aufgelegt ist. Ist Walser doch höchstens der Arsch des Volkes, denn schließlich weiß man seit Kohl, daß wichtig ist, was hinten rauskommt.
Veronica Ferres gibt über ihr Liebesleben Auskunft: »Ich habe gelesen, daß man zwei Jahre blind ist vor Liebe, weil die Hormone verrückt spielen.« Und deshalb will sie mit ihrem Neuen noch ein wenig abwarten. Was mag da bei Ferres erst passieren, wenn sie mal lesen sollte, daß man vom Onanieren debil wird? Dann sagt sie noch, daß sie »den Nachgeschmack« eines One-Night-Stand »fürchterlich« findet. Nachgeschmack? »Ich stelle mir vor: Du wachst auf und merkst, es hat sich NICHTS verändert.« Tja, das kann sogar passieren, wenn man bloß Sex mit seinem Partner hat. Da hat sich danach doch auch glatt NICHTS verändert. Es ist sogar alles beim Alten geblieben, was man bei einem One-Night-Stand nicht immer sagen kann, jedenfalls dann nicht, wenn die Sache auffliegt. Dann jedenfalls können einem ganz schön die Fetzen um die Ohren fliegen und plötzlich hat sich für einen sogar ALLES geändert. Vielleicht sollte Veronica Ferres es einfach noch einmal ausprobieren und den Seitensprung dann ihrem Freund beichten. Ich schätze, sie wird schnell herauszufinden, daß »die Wahrheit« nicht wirklich »die Basis für eine gute Beziehung ist«, wie sie vor sich hinschwadronierte. Nein, selbstverständlich ist die Wahrheit einer Beziehung vollkommen abträglich, vielmehr ist Lügen bis die Schwarte kracht wesentlich hilfreicher, wie Beziehungspsychlogen herausgefunden haben.
Jenseits von Lüge und Wahrheit ist bei der SPD die Stunde des Märchenerzählens angebrochen. Sigmar Gabriel verteidigt den modernen Kurs seiner Partei, der sich als alter Hut entpuppt: »Die SPD hat sich in den letzten zwölf Monaten geöffnet: Wir diskutieren längst nicht mehr in verrauchten Hinterzimmern, sondern gehen auf die Menschen zu. Wir wollen Mitmach- und Kümmer-Partei sein und so neues Vertrauen gewinnen.« Das hört sich nicht gut an. Sigmar Gabriel will auf die Menschen zugehen, aber jeder, der noch bei Verstand ist, wird schnell das Weite suchen. Mitmach- und Kümmer-Partei hört sich hingegen sehr lustig an, ein bißchen wie das berüchtigte Mitmach-Theater, das aus guten Gründen ausgestorben ist, und Kümmer-Partei klingt nach Kummerkastentante, und wenn man Gabriel so hört, muß man konzedieren, daß Sigmar Gabriel sich tatsächlich alle Mühe gibt, als Kummerkastentante in die Geschichte der SPD einzugehen.