Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Sogar im Fieberdelirium kriege ich meinen Pessimismus nicht los. 1:0 stand es für Freiburg, ich irrte vor dem Stadium herum und fand den Eingang nicht. Ich wußte, diesmal würde es daneben gehen. Dann plötzlich stand ich direkt am Spielfeldrand. Es stand 2:1 für Dortmund und die Spieler gingen sich gerade an die Kragen. Es gab eine Riesenschlägerei. Ich wunderte mich, hatte ich das weder bei den Dortmundern noch bei den Freiburgern für möglich gehalten. Dafür waren doch eher solche Rüpelmannschaften wie Bayern und Schalke zuständig. Aber dann wachte ich schweißgebadet aus dem Traum auf und wankte vor den Fernseher. Hätte ich mal gewettet! Na gut, kein sensationelles Ergebnis, aber Freiburg stand nicht umsonst auf Platz 4. Dortmund klebte zunächst das Pech eines Absteigers am Fuß, denn zuerst wurde zu unrecht Freistoß für Freiburg gegeben, dann Weidenfeller im 5-Meter-Raum angerempelt, der Ball rollte Subotic vor die Füße, der wiederum Hummels anschoß, bevor der Ball aufreizend langsam über die Linie torkelte. Das kriegen sonst nur Mannschaften wie Bielefeld und Bremen zustande. In der 2. Halbzeit aber startete der BVB seinen unwiderstehlichen Expresszug. Chancen über Chancen wurden vergeben, bevor Lewandowski sein 5. Jokertor köpfte und Freiburg mit einem Eigentor behilflich war. Kuba vergab die größte Chance, als er unbedrängt und ein paar Meter vor dem freien Tor es schaffte den Ball über die Latte zu hämmern. Das war große Kunst, und er kann seinem polnischen Gott danken, dass die Freiburger in der allerletzten Sekunde nur die Latte trafen. Jetzt haben die Dortmunder sieben Mal in Folge auswärts gewonnen. Vereinsrekord. Sie befinden sich zum 100. Mal auf Platz 1. Wenn jetzt wieder langsam die Treffsicherheit zurückkehrt, dann ist Dortmund kaum mehr aufzuhalten. Das Verfolgerduell fand in Gladbach statt, wo Mainz zweimal durch wunderschöne Tore von Reus in Rückstand geriet, aber durch ebenso schöne Tore am Ende als Sieger vom Platz ging. Zu Mainz hat sich der Abstand von sieben Punkten also leider nicht verändert, aber zu Leverkusen, denen ein maues 1:1 gegen Bayern gelang. D.h. Bayer muß jetzt 9 Punkte zu Dortmund aufholen und Bayern, und das ist viel schöner, 14 Punkte, in Worten: Vierzehn. Noch nie ist es einer Mannschaft gelungen, einen 11-Punkte-Rückstand zur Spitze aufzuholen, und ich schätze, ich werde mich beschweren, falls diese Regel nicht eingehalten wird. Langsam jedenfalls wird mir der BVB unheimlich. Was geht hier vor? Drei Faktoren spielen da eine Rolle. Zunächst Glück, denn Dortmund blieb bislang von Verletzten verschont, bis auf Kehl, aber der zählt nicht mehr. Zweitens der Ehrgeiz der jungen Truppe, die jetzt Blut geleckt hat, und drittens die Tatsache, dass die Dortmunder mehr rennen, schneller spielen und Spaß haben, was schon wieder drei Gründe mehr sind. Im Abstiegskampf trafen Schalke und Bremen aufeinander, und Bremen bewies, dass sie völlig von der Rolle sind. Gegen Magath hätte ich eigentlich etwas mehr erwartet, aber herrscht nur noch sensationelle Verunsicherung.