Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Der Lack ist ab bei Mainz. Und Tuchel wirbt dafür, doch bitte schön das Mittelmaß der Mainzer anzuerkennen. Das tun wir gerne, obwohl die Mainzer zwischendurch wirklich schönen und vor allem schnellen Fußball gespielt haben. Aber dann kamen die Dortmunder und lieferten sich mit den Mainzern ein rasantes und packendes Duell, ein grandioses Spiel, in dem sich meine vor ein paar Wochen getroffene Prognose, daß der BVB besser sei, dann auch eindrucksvoll bestätigte. Leider ließen die Dortmunder zu viele Chancen aus, aber die Leichtigkeit einiger Kombinationen und das starke Auftreten von Götze, der sein bislang bestes Spiel machte, waren zu verlockend, um nicht von der Meisterschaft zu träumen. Aber dann kam Paris St. Germain und die ausgelassene Großchance von Lewandowski in der Nachspielzeit und das damit verbundene »So-gut-wie-Aus« in der Euro-League. Manche sagen, daß Dortmund sich jetzt auf  die Meisterschaft konzentrieren könne und sich ihre Chancen auf die Schale erhöhen, aber das sind Bayern-Fans, die das sagen, und ich verwette meinen Arsch, wenn da nicht ein dunkler Plan oder eine fiese Taktik dahinter steckt. Aber immerhin ist nun ein Drittel der Spielzeit um, die Mainzer haben inzwischen vier der letzten fünf Pflichtspiele verloren und dadurch den Dortmundern alleine die Spitze überlassen. Und auch sonst sind die Ergebnisse ganz im Sinne der Dortmunder. Bayern hat schon wieder Federn gelassen. Diesmal bei den tot geglaubten Gladbachern, die ganz unten stehen. Van Gaal hat seine Spieler in der Pause zuerst gelobt, weil sie 2:1 führten, und nach dem gerade noch erreichten 3:3 am Ende in der Kabine zusammengefaltet. »So laut war es in diesem Jahr noch nie«, sagte Wolfgang Müller als er zufällig den Kopfhörer abgenommen hatte, den die Bayern-Spieler obligatorisch auf haben. Nach der Attacke von Uli Hoeneß auf van Gaal, dem er Sturheit und Kommunikationsdefizite vorwarf, wie das heute selbst einem Hoeneß glatt über die Lippen kommt, dachte man zunächst an ein reinigendes Gewitter, aber inzwischen sieht es so aus, daß es erst noch bevorsteht und Hoeneß sich schon mal eine günstige Position gesucht hat, von der aus er gut heckenschießen kann. Die Philosophie des Ballverwaltens, das im Spiel gegen Gladbach sagenhafte 79% erreichte, scheint sich gegen Mannschaften, die Elan und Willen haben, nicht richtig durchzusetzen, und das ist mal eine sehr schöne Nachricht im Fußball. Na gut, der späte Ausgleich durch Lahm hätte nicht unbedingt fallen müssen, aber daß Kroos freistehend in der allerletzten Nachspielminute versemmelte, das hat die höhere Regie dann doch sehr gut eingefädelt. Wie gut, daß es Netzer gibt, der wöchentlich in der BamS erklärt, was Bayern tun muß: »Bayern muß für die Abwehr einkaufen.« Ich wette, daß die Bayern-Verantwortlichen sich jetzt denken, »Oja, genau. Warum sind wir da bloß selber nicht drauf gekommen!« Der Ex-Dortmunder Petric widmete seinen Siegtreffer gegen Hoffenheim, für den ich ihm sehr dankbar bin, denn das hält einen starken Verfolger auf Distanz, seiner zweijährigen Tochter. Würde mich mal  interessieren, was die jetzt damit anfängt. Hängt die ihn sich jetzt in ihr Kinderzimmer?